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Forschung aus Kärnten - AAU"Konsum, das Spiegelbild unserer Gesellschaft"

In der Monografie beleuchtet der Soziologe Dieter Bögenhold mit seiner Koautorin Farah Naz das interdisziplinäre Forschungsfeld zum Thema „Konsum und Lebensstil“.

Studien zeigen, dass Konsummuster sich weltweit – teils sogar unabhängig von Schichtzugehörigkeiten – zusehends annähern
Studien zeigen, dass Konsummuster sich weltweit – teils sogar unabhängig von Schichtzugehörigkeiten – zusehends annähern © Robert Kneschke - stock.adobe.com
 

Sie haben mit Farah Naz eine Monografie über „Konsum und Lebensstil“ geschrieben. Die Thematik wird wissenschaftlich unterschiedlich aufbereitet – welche Veränderungen gibt es?
DIETER BÖGENHOLD: Manche Formen von Konsum sind schichtenübergreifend. Essen, trinken und wohnen wollen alle Menschen. Wie sie das aber realisieren beziehungsweise realisieren können, das ist häufig abhängig von Einkommen und Bildungsniveau, die wiederum sehr stark auf die Frage nach der gesellschaftlichen Schichtung verweisen. Veränderungen erleben wir mit der zunehmenden Differenzierung und Individualisierung in den modernen Gesellschaften, sodass die zu beobachtenden Zusammenhänge über die Jahrzehnte komplizierter werden.

Inwieweit verändert der Konsum die Gesellschaft?
Formen von Konsummustern und -möglichkeiten sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, die wiederum in einem Fluss geschichtlicher Entwicklung gefangen ist. Insofern haben wir hier wechselseitige Veränderungen, die auf der gesamten Welt bei allen regionalen Unterschieden zu beobachten sind. Die sogenannte McDonaldisierung sorgt nicht nur dafür, dass in einem so großen Land wie Indien mit der höchsten Vegetarierdichte weltweit die Rate der Fleischkonsumenten stetig steigt, sondern es werden auch andere Konsummuster immer ähnlicher. Auf Reisen durch asiatische Länder zeigt sich, dass selbst in einkommensschwachen Schichten bei Jugendlichen die gleiche Handykultur wie in Europa zu beobachten ist.

Was sagt Konsum über die Gesellschaft aus?
Da Konsum – wie bereits erwähnt – ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, ist Konsum auch immer zeitgleich eine Art Gesellschaftsdiagnose: Zeige mir den Konsum und ich sage dir, in welcher Gesellschaft wir leben. Die Müllproblematik tauchte beispielsweise in der Diskussion erst Anfang der 1960er-Jahre auf, als die industrielle Massenproduktion zu Höchsttouren auflief.

Welche moralischen Bedenken gibt es?
Moralische Bedenken sind ein wichtiges Forschungsthema in unseren Arbeiten. Das bezieht sich einmal auf die Fragen, welche Güter als legale Konsumgüter erlaubt und welche verboten sind. Das betrifft nicht nur die Grenzziehung zwischen legalen und illegalen Drogen, sondern viele weitere Güter. In den USA gibt es beispielsweise Bundesstaaten, in denen der Kauf von Waffen erlaubt ist, während Produkte zur sexuellen Selbstbefriedigung verboten sind. Insofern sind die Fragen nach Inhalten und Grenzen von Moral ein spannendes Forschungsthema. Wir fragen aber auch nach ethischen Problemen in internationalen Wertschöpfungsketten. Farah Naz hatte in ihrer Doktorarbeit herausgearbeitet, unter welchen ethisch fragwürdigen Bedingungen im Spitzenfußball verwendete Lederfußbälle in Pakistan hergestellt werden.

Beeinflusst der ökologische Gedanke Konsumträume?
Konsumträume spiegeln ebenfalls die Gesellschaft wider. Hier gibt es deutliche Unterschiede nach Lebensstilgruppierungen und deren Präferenzen und Lebensanschauungen. Der ökologische Gedanke ist in den letzten 30 bis 40 Jahren dabei immer wichtiger geworden. Das beinhaltet zahlreiche Dimensionen von Kleidung, Ernährung bis hin zu Fragen der Mobilität und des Tourismus. Die „Ökologisierung“ hat so gesehen auch diverse neue Konsummärkte mit neuen Produkt- und Dienstleistungspaletten, Berufen, neuen Märkten und Unternehmen erschlossen.

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