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Forschung aus Kärnten - AAUWirtschaft auf der Couch der Psychologie

Ein Wirtschaftsforscher der Uni Klagenfurt sucht nach Wegen, menschliches Verhalten in Wirtschaftsmodellen abzubilden.

Wer verstehen will, wie Entscheidungen in Unternehmen getroffen werden, sollte auch die Forschungsergebnisse der Psychologie miteinbeziehen
Wer verstehen will, wie Entscheidungen in Unternehmen getroffen werden, sollte auch die Forschungsergebnisse der Psychologie miteinbeziehen © Fotolia
 

Jeder, der einmal einen Chef oder eine Chefin gehabt hat, kennt das Gefühl – dass die Entscheidungen der Vorgesetzten nicht immer ganz nachvollziehbar sein können. Manchmal fragt man sich im Stillen, ob die leitenden Personen da völlig rational handeln. Ob Anweisungen aus der Chefetage Sinn stiften oder nicht, beschäftigt aber nicht nur die Angestellten, sondern auch die Wirtschaftsforschung. Und die entdeckt dabei ganz neue Perspektiven.

Nämlich psychologische. „Klassische Ansätze der betriebswirtschaftlichen Forschung sind immer davon ausgegangen, dass alle Akteure in einem Unternehmen rational handeln, dass jeder alle nötigen Informationen hat und dass jeder weiß, was die Zukunft bringt“, sagt Stephan Leitner von der Abteilung für Controlling und Strategische Unternehmungsführung. Solche idealtypischen Annahmen spiegelten die Realität nicht wider, so der Wirtschaftswissenschaftler, der argumentiert, dass in seinem Forschungsbereich auch Verhaltenswissenschaften einfließen sollten. „Selbstüberschätzung, persönliche Eitelkeit, Überoptimismus – alles Faktoren, die Einfluss auf Unternehmen haben“, sagt Leitner.

Sein Forschungsinteresse gilt dem Entscheidungsverhalten in Unternehmen und die Auswirkungen dieser Entscheidungen. Dazu entwirft er mit Kolleginnen und Kollegen mathematische Modelle, die die Auswirkungen von Entscheidungen simulieren – auf der Basis von Wirtschaftsdaten, quantitativen und qualitativen Studien. Neu an seinem Ansatz ist, dass auch psychologische Methoden in diese Modelle Einzug finden – um den Faktor der „Menschlichkeit“ abzubilden. „Klassische Modelle gehen meistens von Rationalität aus, die Psychologie beobachtet aber, dass Entscheidungen oft nicht rational getroffen werden. Unsere Modelle sind somit viel näher an der Realität“, sagt Leitner.

Möglich machen das mathematische Simulationsmethoden, die dank Fortschritten in der digitalen Entwicklung inzwischen viel besser mit den komplexen Fragestellungen fertig werden, mit denen sich die Wirtschaftswissenschaftler unter anderem beschäftigen. Die psychologischen Faktoren in den Entscheidungssimulationen sind dafür nur ein Beispiel.

Evolutionsbiologie ist eine weitere wissenschaftliche Disziplin, die Leitner bereits in seine Modelle hat einfließen lassen. Ziel dieser Bemühungen ist, Anreize für die Unternehmensleitung zu schaffen, um „gute“ Entscheidungen zu treffen. Damit sich die Betroffenen in Zukunft weniger wundern müssen.

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