Forschung aus Kärnten - PHNicht nur ein Weg führt zur Lösung

Das Bruchrechnen stellt Volksschulkinder vor große Herausforderungen: Ihre bisherigen Vorstellungen, was Zahlen bedeuten, werden infrage gestellt. Ein Forschungsprojekt untersucht dabei ihre Denkprozesse.

Schülerinnen experimentieren in der Mathematikwerkstatt der PH Kärnten. Solche Zugänge helfen auch beim Verständnis von Bruchrechnen
Schülerinnen experimentieren in der Mathematikwerkstatt der PH Kärnten. Solche Zugänge helfen auch beim Verständnis von Bruchrechnen © KK
 

"Kinder sind reif für diese Form der Mathematik.“ Anne Fellmann, selbst Mathematikdidaktikerin und Lehrerin, ist überzeugt davon, dass man Viertklässlern in der Volksschule das Bruchrechnen durchaus zumuten darf. Ihre Überzeugung fußt auf einem Forschungsprojekt, das die Fachwissenschaftlerin mit rund 40 Kindern aus zwei vierten Parallelklassen der Praxisvolksschule der PH Kärnten durchgeführt hat. In Einzelinterviews hat sie Aufschluss über die Denkprozesse der Kinder zum Grundverständnis zu Brüchen, Bruchzahlen und zum Bruchrechnen erhalten. Das soll Lehrern helfen, bei ihrem Unterricht umzudenken.

Vieles hänge nämlich auch von der Kommunikation ab, wenn Kindern zum ersten Mal das Wesen der Bruchrechnung näher gebracht werden soll: „Es empfiehlt sich, erst in Form von Handlungen zu vermitteln, dass Brüche Teile eines Ganzen beschreiben. Erst dann sollte man zu Zahlensymbolen übergehen“, sagt Fellmann. Vor allem regt sie aber an, den Kindern für ihre unterschiedlichen Zugänge zum Lösungsprozess Raum zu geben. Denn die Ergebnisse ihrer Studie deuten darauf hin, dass Antworten oder Vorgehensweisen der Kinder häufig nicht sofort verständlich sein müssen. „Um Antworten nicht vorschnell als falsch zu deklarieren, ist es notwendig, mit den Kindern über ihr Denken zu kommunizieren und zu fragen, was hast du dir dabei gedacht?“

Plastilin, Papier oder Schokolade schlägt Fellmann als reale Objekte vor, mit denen Kindern im Unterricht die Prinzipien des Bruchrechnens veranschaulicht werden könnten. „Wenn ein Kind im Unterricht die Möglichkeit erhält, eine Schokolade an drei Kinder restlos und gerecht aufzuteilen, dann wird das Kind als Folge dessen schnell verstehen, dass beim Verteilen an vier Kinder das Bruchstück der Schokolade, welches jedes der vier Kinder erhält, kleiner sein muss“, sagt Fellmann.

Dass dafür viele Lösungsmöglichkeiten infrage kommen, sollte ihr zufolge im Unterricht Platz haben. Die Forscherin räumt aber auch ein, dass gerade so ein schwieriges Thema wie die Bruchrechnung viel Fachkompetenz von den Lehrkräften abverlangt. „Der Zugang des Universalisten in der Volksschule, der in allen Fächern Experte sein soll, wäre in diesem Zusammenhang vielleicht zu überdenken“, sagt Fellmann.

Ihre Studie ist damit noch nicht abgeschlossen. Einige der Kinder wechseln an die NMS der PH, Fellmann kann sie somit weiter forschend begleiten

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