Wie können Chefs Angst nehmen?
Paul Jimenez: Führungskräfte sollten auf die Mitarbeiter zugehen, reden und zuhören. Sich jetzt Zeit für das Team zu nehmen stärkt das Gemeinschaftsgefühl und zeigt Ihre Wertschätzung. Versuchen Sie auch, Strukturen zu schaffen oder zu halten wie eine Teambesprechung am Telefon (besser wäre Video) zu bestimmten Zeiten. Betonen Sie positive Aspekte – was ist gut gegangen. Generell gilt: Reden entlastet.

W können Chefs im Homeoffice „den Laden am Laufen“ halten?
Der Ton macht die Musik. Eine wertschätzende Kommunikation ist besonders wichtig. Je länger Menschen ohne Blickkontakt und Gestik kommunizieren sollen, desto leichter kommt es zu Missverständnissen. Blicken Sie gemeinsam auf die Dinge, die erreicht wurden, jeder sollte gesehen werden und anerkannt. Ein kurzer Tratsch hebt die Laune und fördert die Zusammengehörigkeit.

Arbeitspsychologe Paul Jimenez, Research Team
Arbeitspsychologe Paul Jimenez, Research Team
© © Helmut Lunghammer


Wie oft sollte der Chef in Erscheinung treten? Zum Beispiel bei Videokonferenzen?
Gerade jetzt sollten Führungskräfte sich eher öfter melden und schauen, ob Informationen fehlen. Aktuell fehlt vielen Mitarbeitern sogar oft die Information über die Erwartungen an sie, wenn sie zu Hause arbeiten. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, Arbeitspakete an das Team zu verteilen, wo sich alle selbst zusammenschließen müssen – das fördert das Gefühl, einen Beitrag zu leisten, den Handlungsspielraum zu erleben und die Wertschätzung „ich weiß, dass ich mich auf euch verlassen kann“. Chefs sollten gerade jetzt darauf achten, wer sich engagiert und dies rückmelden. Eine nicht gesehene Leistung ist in so einer Zeit sehr demotivierend.

Sollten Chefs als Zeichen der Solidarität auf einen Teil des Lohns oder Boni verzichten?
Wenn Chefs auf einen Gehaltsteil verzichten, kann dies ein positives Signal sein. Verstanden wird aber sicher, wenn Führungskräfte, die ihre volle Leistung geben, ihr normales Gehalt erhalten. Bonifikationen werden jedoch immer kritisch beäugt. Ob Boni in Zeiten von Krisen als fair vermittelt werden können, ist daher fraglich.


Kurzarbeit ist nicht immer fair – Wie vermeidet man ein Ungerechtigkeitsgefühl?
Fairness betrifft den Aspekt der Verteilung und des „warum“. Ideal ist es, wenn Mitarbeiter in den Prozess eingebunden werden. Wenn Entscheidungen erläutert und deutlich gemacht werden kann, warum diese so getroffen wurden, ist auch das Verständnis dafür größer.

Florian Gschwandtner
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