Managen in der KriseWie Chefs jetzt ihre Schäfchen zusammenhalten können

Arbeitspsychologe Paul Jimenez erklärt, warum Führungskräfte nun ein offenes Ohr brauchen und loben sollten. Chef und Gründer Florian Gschwandtner erklärt, worauf es aus seiner Sicht nun ankommt.

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Wie können Chefs Angst nehmen?
Paul Jimenez: Führungskräfte sollten auf die Mitarbeiter zugehen, reden und zuhören. Sich jetzt Zeit für das Team zu nehmen stärkt das Gemeinschaftsgefühl und zeigt Ihre Wertschätzung. Versuchen Sie auch, Strukturen zu schaffen oder zu halten wie eine Teambesprechung am Telefon (besser wäre Video) zu bestimmten Zeiten. Betonen Sie positive Aspekte – was ist gut gegangen. Generell gilt: Reden entlastet.

W können Chefs im Homeoffice „den Laden am Laufen“ halten?
Der Ton macht die Musik. Eine wertschätzende Kommunikation ist besonders wichtig. Je länger Menschen ohne Blickkontakt und Gestik kommunizieren sollen, desto leichter kommt es zu Missverständnissen. Blicken Sie gemeinsam auf die Dinge, die erreicht wurden, jeder sollte gesehen werden und anerkannt. Ein kurzer Tratsch hebt die Laune und fördert die Zusammengehörigkeit.

Arbeitspsychologe Paul Jimenez, Research Team
Arbeitspsychologe Paul Jimenez, Research Team Foto © © Helmut Lunghammer

Wie oft sollte der Chef in Erscheinung treten? Zum Beispiel bei Videokonferenzen?
Gerade jetzt sollten Führungskräfte sich eher öfter melden und schauen, ob Informationen fehlen. Aktuell fehlt vielen Mitarbeitern sogar oft die Information über die Erwartungen an sie, wenn sie zu Hause arbeiten. Vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, Arbeitspakete an das Team zu verteilen, wo sich alle selbst zusammenschließen müssen – das fördert das Gefühl, einen Beitrag zu leisten, den Handlungsspielraum zu erleben und die Wertschätzung „ich weiß, dass ich mich auf euch verlassen kann“. Chefs sollten gerade jetzt darauf achten, wer sich engagiert und dies rückmelden. Eine nicht gesehene Leistung ist in so einer Zeit sehr demotivierend.

Sollten Chefs als Zeichen der Solidarität auf einen Teil des Lohns oder Boni verzichten?
Wenn Chefs auf einen Gehaltsteil verzichten, kann dies ein positives Signal sein. Verstanden wird aber sicher, wenn Führungskräfte, die ihre volle Leistung geben, ihr normales Gehalt erhalten. Bonifikationen werden jedoch immer kritisch beäugt. Ob Boni in Zeiten von Krisen als fair vermittelt werden können, ist daher fraglich.

Teambarometer

Für Führungskräfte:
Die Universität Graz bietet derzeit in Kooperation mit research-Team eine kostenlose Kurzbefragung zur Stimmung im Team an:
https://tinyurl.com/teamb20


Kurzarbeit ist nicht immer fair – Wie vermeidet man ein Ungerechtigkeitsgefühl?
Fairness betrifft den Aspekt der Verteilung und des „warum“. Ideal ist es, wenn Mitarbeiter in den Prozess eingebunden werden. Wenn Entscheidungen erläutert und deutlich gemacht werden kann, warum diese so getroffen wurden, ist auch das Verständnis dafür größer.
Florian Gschwandtner
Foto ©

Drei Fragen an...

Florian Gschwandtner ist Gründer von Runtastic und Tractive:

  1. Wie gehen Sie als Chef mit dieser Krise um?
    Für mich ist wichtig, dass man als Unternehmer und Leader in jeder Krisensituation Ruhe ausstrahlt und zeigt, dass man einen Plan hat. Hierfür ist viel Kommunikation notwendig und man muss Vertrauen im Unternehmen aufbauen. Dies ist in Zeiten des Homeoffice noch schwieriger und so würde ich jedem Chef empfehlen, dass er so viel wie möglich mit Mitarbeitern und Führungskräften kommuniziert. Schließlich kann man schwierige Zeiten nur gemeinsam meistern. Hier ist Teamzusammenhalt wichtiger denn je.

  2. Welche Kompetenzen sind nun als Führungskraft gefragt?
    Kommunikation, Vertrauen und eine Strategie für drei, sechs, 12 Monate zu haben.

  3. Haben Sie Tipps für Start-Ups?
    Für sie ist es wichtig, dass sie ihre Runway kennen und diese wennmöglich verlängern. Die Runway ist jene Zeit die ein Start-up mit ihren aktuellen finanziellen Mitteln auskommt, ohne zusätzlich neues Kapital aufzunehmen. Dies ist oftmals nur so sechs bis zwölf Monate und ich würde es jedem empfehlen, dass es jetzt wichtig wäre auf 18 bis 24 Monate zu kommen. Zusätzlich bietet Österreich Hilfsmaßnahmen an. All diese Optionen sind wichtig und man muss schnell einen Plan machen. Ebenso sollte eine gute Kommunikation mit den Bestandsinvestoren herrschen und alle Zahlen transparent am Tisch sein – nur so kann man sich gegenseitig helfen.

Kommentare (1)
Weltreisender
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Lesenswert?

Mein Chef..

hat es mit seiner nicht vorhandenen Empathie geschafft, dass ich Kündigen werde. Ich liebe meinen Job, jedoch haben meine Kunden wichtigeres zu tun, als Versicherungsverträge zu unterschreiben. Er ist anderer Meinung.