Zugegeben, es gibt viele schlaue Methoden, wie man sich eine Menge Lernstoff in kurzer Zeit einprägen kann. Nach der Prüfung bleibt zwar nicht allzu viel davon hängen, aber immerhin - die positive Note hat man in der Tasche.

Beim Vokabellernen oder bei mathematischen Formeln wird es schon schwieriger. Sie sollten sich doch nachhaltiger ins Gedächtnis brennen. Wie aber lernt man schnell und speichert Dinge trotzdem dauerhaft ab? „Zum einen sollte man das Gehirn durch Bewegung fit halten. Zum anderen geht es beim Lernen um das Wie“, erklärt Neurowissenschafterin Manuela Macedonia dazu. Eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit, Wörter dauerhaft abzuspeichern, als durch bloßes Lesen/Hören erreiche man, indem man den Körper als Lernwerkzeug einsetzt.

Neurowissenschafterin Manuela Macedonia
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„Gesten unterstreichen das gesprochene Wort“, betont die Gedächtnisexpertin und bringt ein einfaches Beispiel: Wenn man sich das italienische Wort casa, Haus, merken will, stellt man etwa mit den Armen die Form eines Daches nach. Diese Bewegung in Kombination mit dem gesprochenen Wort sollte man mehrmals wiederholen. „Experimente haben ergeben, dass junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren rund zwölf Wiederholungen der Bewegung und des Begriffes brauchen, um das Wort dauerhaft ins Gedächtnis einzubringen“, sagt Macedonia.

Mathematik mit dem Körper lernen?

Mathematik, Biologie, Chemie mit dem Körper lernen? „Auch das gelingt.“ Formeln, die man sich schwer merkt, könnte man mit einer kleinen Choreografie ins Gedächtnis einpflegen, mit Bewegungen, die inhaltlich zum Begriff passen. Simples Beispiel: „Das Wurzelziehen kann man unter anderem darstellen, indem man eine imaginäre Wurzel aus dem Fußboden zieht.“

In der Schule wie auch während des Studiums sind enorme Wissensmengen aufzunehmen. Wiederholungen seien das Um und Auf, doch auch hier sei das Wie entscheidend, betont die Expertin und führt ein Beispiel im Bereich Geometrie an: „Nicht alle haben die Fähigkeit, dreidimensional abstrakt zu denken. Man kann diese aber ausbauen - etwa indem man imaginäre dreidimensionale Gegenstände vor sich ,abtastet' und ,umfasst'. Erst dann ist das Gehirn in der Lage zu verstehen, was ein Kubus ist.“

Auch in der Biologie oder Chemie könne man durch Bewegung veranschaulichen, dass sich etwa ein Molekül abspalte - all das führe „zu einer gesteigerten nachhaltigen Speicherung“.
Wer den Körper als Lernhilfe einsetzt, könnte noch eine Steigerung des Effekts erzielen, wenn ein Gegenüber die Bewegungen vormacht. „Man aktiviert dadurch einen wichtigen Lernmechanismus - die Spiegelneuronen, Gruppen von Gehirnzellen, die das Imitationslernen steuern und gestalten“, sagt Macedonia. Diese evolutionäre neurobiologische Basis jeglichen Lernens betrifft Mensch wie Tier. Einem Baby braucht man nichts zu sagen, man muss es ihm nur zeigen. „Wenn die Lehrkraft die Bewegungen vorzeigt und die Lernenden anregt, sie nachzumachen, erzielt man das Optimum an Effizienz.“

Wie man schneller Wissen einspeichert

Was außerdem funktioniert, um schneller und besser Wissen zu speichern? Wiederholung macht den Meister, erklärt die Expertin. Doch „ein-, zwei-, dreimal reichen meist nicht aus“. Außerdem empfiehlt sie, vor und nach dem Lernen „gut und lange genug“ zu schlafen. Das führe zu einem guten Aufbau von Netzwerken im Gehirn, die das neu erworbene Wissen speichern.

Und: Körperliche Bewegung an der frischen Luft führe zur Anregung vieler neurobiologischer Prozesse im Gehirn - unter anderem zur Ausschüttung des Nervenwachstumsfaktors, der sich auf die Neuronen wie ein Dünger auswirke und sie besonders leistungsfähig macht. Ein Mangel an Nervenwachstumsfaktor, einem Protein, führe „nicht nur zu schlechter Gedächtnisleistung, sondern auch zu Depressionen, Essstörungen wie Bulimie oder Anorexie und fördert auch die Neurodegeneration mit dem Auftreten von Demenz“, erklärt die Expertin.

In der Pubertät

Extrem wichtig sei Bewegung vor allem auch in der Jugend. Im Übergang vom Kindes- zum Erwachsenenalter verändert sich der Körper - und somit auch das Gehirn. „Wie beim Umbau eines Hauses finden im Körper Veränderungen statt, die kurzfristig auch zu Mangelerscheinungen oder Fehlleistuntgen führen können“, führt Macedonia aus. „Eltern nehmen das als Gemütsschwankungen der Teenager wahr. Sie werden auch als ,heftiges Pubertieren' bezeichnet. Dem zugrunde liegen biochemische Prozesse.“ Es könne auch sein, erklärt sie weiter, dass das eigene Kind zu dem Zeitpunkt zu wenig Nervenwachstumsfaktor produziere. Bewegung rege die Ausschüttung an, fördert somit das Lernen, aber auch - zur Freude der Eltern - die Ausgeglichenheit ihrer Kinder.

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