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Extremes RadabenteuerEine Reise an die Grenze - und weiter

Helmut Pucher wagte mit dem Rad die Reise von Feuerland nach Alaska. Mit im Gepäck auf 30.000 Kilometern: Einsamkeit, Entbehrung und das große Glück im Kleinen.

Helmut Pucher in Honduras. Nicht immer ging es nur mit dem Rad weiter
Helmut Pucher in Honduras. Nicht immer ging es nur mit dem Rad weiter © Helmut Pucher
 

Wie beginnt man eine Reise wie diese? Eine Reise auf dem Rad vom Süden Südamerikas in den hohen Norden? Alleine, allen nur denkbaren Strapazen ausgesetzt, über 30.000 Kilometer Asphalt, Schotter, Schlamm, Sand, Schneematsch? Man steigt nicht aufs Rad, tritt in die Pedale und fährt los. Man muss planen, trainieren, braucht Geld, die perfekte Ausrüstung. Aber irgendwann kommt doch der Moment, in dem man sich auf den Sattel setzen muss. Für Helmut Pucher aus dem kleinen Mittertrixen bei Völkermarkt kam dieser Moment im Jänner 2016 in Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens.

Pucher, damals 31 Jahre alt, wählte eine ungewöhnliche Reiserichtung. Die "Panamericana", die Straße durch zwei Kontinente, die es so eigentlich nicht gibt, weil sie aus vielen Straßen und Wegen besteht, ist ein Traumziel für Radabenteurer. Aber diese fahren sie normalerweise von Norden in den Süden, mit den Pazifikwinden. "Ich wusste schon, dass ich riesige Gegenwinde vor mir hatte. Die Winde von Patagonien erinnern mich an die Winde in den Geschichten von J. R. R. Tolkien ... sie wollen kein Ende nehmen", sagt Pucher. Man hoffe auf das Bessere am nächsten Tag, und alles beginne wieder von Neuem, "du bist immer noch in Mittelerde".

Diese Reise war – nach einer nach China und zurück vor vier Jahren – die Verwirklichung einer Sehnsucht. Aber Pucher hat immer gewusst, dass er dabei an seine Grenzen gehen, dass er ans Aufgeben denken wird. "Oft sind es wochenlang nur Entbehrungen, Strapazen, Rückschläge", sagt er. Was treibt einen trotzdem an? "Da ist etwas in mir, das hat so viel Kraft und Glauben, und genau das aus sich herauszukitzeln, ist für mich der größte Antrieb."

Extremes Radabenteuer: Von Feuerland nach Alaska

Die Reise Helmut Puchers begann im Eis Feuerlands und führte von Jänner 2016 bis zum September 2017 bis ins Eis Alaskas. Dazwischen gab es Wüste, Urwald und vieles mehr. Klicken Sie sich durch eine Reise von einem der südlichsten Punkte Südamerikas in den hohen Norden.

Helmut Pucher
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Es wurde eine Reise der Widersprüche. Unberührte Natur auf der einen Seite, Naturkatastrophen auf der anderen, Überschwemmungen in Chile, die riesigen Waldbrände in British Columbia. Hitze, Kälte. Die Einsamkeit Patagoniens und der Atacama-Wüste, dann Millionenstädte wie Bogotá, Mexiko-Stadt, Los Angeles, deren Durchquerung mit dem Rad schon an sich ein Abenteuer darstellt. Aber oft finden sich in Widersprüchen unerwartete Gemeinsamkeiten. Pucher: "Gerade in L. A. hat sich die Einsamkeit noch verstärkt. Kranke, verwirrte Menschen streunen herum, und alles andere bewegt sich völlig desinteressiert motorisiert an ihnen vorbei. Ein fast apokalyptisches Bild."

Pucher, ein genauer Beobachter seiner Umwelt, wollte seiner Reise immer auch einen "Mehrwert" geben. Deshalb unterbrach er sie in Peru und arbeitete viereinhalb Monate in Honduras in einem Waisenhaus als Lehrer. Honduras, eines der ärmsten Länder Mittelamerikas, ist auch eines mit der größten Kriminalität, Drogen- und Bandenkriege sind tägliche Begleiter der Menschen. "Das Waisenhaus war wie ein Sicherheitstrakt", sagt Pucher. Auf die Straße zu gehen, auch am Tag, war ein Risiko. Vor allem als Weißer fällt man auf.

Die Kriminalität ist insgesamt ein Thema auf dieser Reise. Die Länder Mittelamerikas, Nicaragua oder Guatemala, hat er möglichst schnell durchquert, nicht wie sonst gecampt, sondern in Hotels übernachtet. Trotzdem war die Angst ständig mit dabei, man plant jeden Schritt, ist immer vorsichtig. "Man schaut, wer sitzt im Auto am Straßenrand? Warum bleibt das Auto plötzlich stehen?" Nach Wochen der Anspannung sei man "mental richtig geschlaucht", aber auch dankbar für das, was man in der Heimat hat. "Ich habe gemerkt, wie sicher das Leben bei uns ist, wie unbeschwert. Wie viel fröhlicher, positiver die Gesprächsthemen sind."

Die Multivisionsshow von Helmut Pucher

Termine der Multivisionsshow.
"Mythos Panamericana - 30.000 Kilometer Radabenteuer. Von Feuerland nach Alaska".
3. 11.: Villach, Warmbaderhof;
8. 11.: Wolfsberg, Kuss.
10. 11.: Klagenfurt, WKO.
14. 11.: Leibnitz, Kulturzentrum.
17. 11.: Weiz, Volkshaus.
22. 11.: Graz, Krone-Center.
24. 11.: Spittal, Schloss Porcia.
28. 11.: Fürstenfeld, Stadthalle.
29. 11.: Gleisdorf, Forum Kloster.
Jeweils 19.30 Uhr. Mit peruanischer Live-Musik von Carlos Escobar Pukara und Jesús Huamán.
Karten. Ö-Ticket-Verkaufsstellen, www.oeticket.com Preis: VVK 13, AK 15 Euro. Ein Teil der Einnahmen geht an das Waisenhaus in Honduras, in dem Helmut Pucher gearbeitet hat.

Wie beendet man so eine Reise? Pucher sprang – zur Feier des Tages – ins eiskalte Arktische Meer, das er endlich erreicht hatte. Aber fast zwei Jahre kann man nicht einfach wegschieben und dann zur Tagesordnung übergehen, das merkte er bald. Er war erschüttert. Er konnte zehn Tage nicht begreifen, dass es vorbei war. Es war, sagt er, "wie eine Trauer". "Fast zwei Jahre lang habe ich mich jeden Tag motiviert, weiterzumachen. Egal, wie es mir gegangen ist." Er hat Menschen getroffen, viel erlebt. In Alaska hatte er auf den letzten 300 Kilometern durch die arktische Tundra kaum etwas zu essen, alles war nass, und da hat er einen Fischer getroffen, der seine Melone mit ihm teilte. "Er hat sie aufgeschnitten und wir haben sie im Freien gegessen. Es ist erstaunlich, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein", sagt Pucher. Und dann war alles auf einen Schlag weg.

Seit er Anfang September in Alaska vom Rad gestiegen ist, hat er sich nicht wieder draufgesetzt. "Das Radfahren geht mir nicht ab", sagt er. "Das Rad ist für mich zu einem Arbeitsgerät geworden." Er kehrte – mit dem Flugzeug – noch einmal nach Honduras zurück und war sogar zu Gast bei mehreren Fernsehsendungen. Am 10. Oktober kam er nach seinem Flug von Costa Rica nach Frankfurt wieder nach Kärnten. "Es war fast Mitternacht und ich saß in einem Zugabteil. Da kam der Schaffner herein und fragt auf Kärntnerisch, ob das wohl meine Radkiste ist, die im anderen Waggon steht. Ich antwortete mit ,Jå'." Und damit wusste er nach 30.436 Kilometern auf dem Rad, 270.481 Höhenmetern, 13 Ländern und zwei Kontinenten, dass er wieder zu Hause war.

 

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