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VölkermarktStadtrat hetzte gegen Schüler auf Facebook

Unrühmliches Nachspiel der 10.-Oktober-Feier: Völkermarkter Stadtrat der FPÖ würdigte zweisprachigen Schüler wegen seiner Rede und Herkunft in Sozialen Medien herab.

Die Feier am Vorabend des 10. Oktober in Völkermarkt auf dem Unteren Hauptplatz © SUJETFOTO CHRISTIAN ZECHNER
 

Für die diesjährige Feier zum 10. Oktober auf dem Völkermarkter Hauptplatz hat die Stadtgemeinde die Praxis-HAK Völkermarkt dazu eingeladen, einen Schüler namhaft zu machen, aus der Sicht seiner Generation einen Redebeitrag dazu zu leisten.

Der 17-Jährige hat Dienstagabend in seinem durchaus ambitionierten Prolog auf Basis der historischen Ereignisse – vom Ersten Weltkrieg bis heute – sowie literarischen Quellen seine Eindrücke zur Volksabstimmung und den kulturellen Konflikten wiedergegeben. Authentisch reflektierte er auch sein Lebensumfeld in einem Dorf, wo er zweisprachig aufgewachsen war.

Sein Resümee: „Ich persönlich sehe die Zweisprachigkeit als Vorteil und bin froh, in einem Gebiet, in dem zwei Sprachen gesprochen werden, beide zu beherrschen. Immer wieder heißt es, Sprachen öffnen dir die Welt“. Es stelle sich jedoch die Frage, ob Slowenisch nicht dazugehöre, warum löse die Zweisprachigkeit in der Region bei manchen so viele negative Emotionen aus? Warum zögere man, einem Künstler den höchsten Preis des Landes zu verleihen, weil er slowenisch schreibe?

Unser Bezirk könnte Vorbild für Europa sein

„Wenn ich in der Öffentlichkeit meine Sprache verstecke, verleugne ich meine Herkunft, meine Heimat und das ist für mich keine Option“, heißt es in der Rede. „Lasst uns gemeinsam die Abneigung gegen die Zweisprachigkeit in der Region überwinden und die kulturelle Vielfalt Europas genießen. Lasst uns gemeinsam in einem geeinten, friedlichen und schönen Europa leben. Kärnten und gerade unser Bezirk kann hier Vorbild sein“, so der Appell des 17-Jährigen.

Herabwürdigung auf Facebook

Zwei Stunden später hat Stadtrat Christian Steinacher (FPÖ) bereits über seine Facebook-Seite den Schüler herabgewürdigt und haltlose Unterstellungen gepostet. Von Vizebürgermeister Markus Lakounigg (SPÖ) verlangt er, „sich schleunigst für diesen missglückten Auftritt bei der Bevölkerung zu entschuldigen“. Lakounigg: „Für eine weltoffene Jugend braucht sich niemand zu entschuldigen. Steinacher soll für seine politischen Zwecke nicht die Jugend an den Pranger stellen.“

Screenshot Facebook
Das Original-Posting von Stadtrat Steinacher © Screenshot Facebook

Kommentare (9)

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paulrandig
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26
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Austauschen!

Nicht ganz ernst gemeint, aber ich glaube, Völkermarkt könnte viel gewinnen, wenn es die beiden vertauscht: Der Schüler hat genug Weitblick und Verständnis um als Stadtrat gute Figur zu machen. Und Steinacher sollte bitte nochmal in die Schule gehen und zeigen, dass er wenigstens die Grundzüge einer Gemeinschaft verstanden hat.

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silentbob79
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Ich kann es in diesem Zusammenhang nicht oft genug betonen:

Man muss den Hut ziehen vor Josef Feldner und Marjan Sturm. Die beiden waren jahrzehntelang erbitterte Gegner, haben es dann aber doch geschafft, aus ihrem Denken auszubrechen, eigene Fehler einzugestehen, miteinander zu reden und in einen äußerst konstruktiven Dialog einzutreten. Auch wenn Sie dafür von den Extremisten in der eigenen "Volksgruppe" oft angefeindet wurden und werden. Ein großer Dank für seine Verdienste um das Zustandekommen der Konsensgruppe gebührt auch dem ehemaligen Chefredakteur der Kleinen Zeitung, Heinz Stritzl. Diese Herren sollte sich so mancher zum Vorbild nehmen!

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jg4186
2
28
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Traurig bis schockierend!

Kompliment an den Schüler - klingt gut und passend, was ich da in der Kurzfassung lese. Vielsprachigkeit, Multikulti ist eine Bereicherung, ein Geschenk.
Traurig bis schockierend empfinde ich die Reaktion dieses Stadtrats! Dass es solche Ewiggestrigen immer noch gibt, bzw., dass solche in verantwortliche Ämter gewählt werden. Und immer wieder aus der FP. Er allein wäre kein Problem - aber es gibt offensichtlich viele, zu viele, die so denken. Sonst wäre er (und seine Kollegen in der Regierung) ja nicht gewählt worden.

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Sol lucet omnibus
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einfach auf seine FB Seite gehen und

ihm dort den Unmut kundtun.

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silentbob79
1
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Der Herr Stadtrat

sollte sich lieber selbst entschuldigen. Und zwar für die Rede, die er im Vorjahr den Teilnehmern der Feier in St.Margarthen ob Töllerberg zugemutet hat. Dort hat er nämlich den Bogen vom 10. Oktober, über den Hyposkandal bis hin zu Verschwörungstheorien über den Tod Jörg Haiders gespannt ...

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Hildegard11
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Stadtrat

Rücktrittsreif!!!!

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Mein Graz
1
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Ohne zu wissen, dass gestern in Kärnten ein "halboffizieller" (O-Ton eines Kärntners) Feiertag war,

waren wir gestern in Kärnten unterwegs. In einem kleinen Lokal (ausgezeichnetes Essen, aber leider total verraucht und deshalb mussten wir auf einen zweiten Kaffee verzichten. Ausweichmöglichkeit gab es in der Gegend nicht!) stellten wir fest, dass die Kärntner "ihren" Feiertag hoch halten und sogar die Geschichte dazu kennen, sie sind stolz darauf!

Warum kann ein Stadtrat nicht stolz sein auf das Kärnten, wie es ist, auf die Zweisprachigkeit (die eine Bereicherung für das Leben ist), auf Land und Leute? Warum muss er da einen jungen Menschen herunterputzen, nur weil dieser auf seine eigene Geschichte und Herkunft stolz ist?
Ich kann es sagen: weil er ein Blauer ist - und viele von denen sind bis in die Wolle braun eingefärbt.

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erhardvallant
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81
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Vorgestriges Politikverständnis zum Fremdschämen

Weil ein junger, aufgeschlossener Bürger der Stadt Völkermarkt ein Plädoyer für Zweisprachigkeit und internationale kulturelle Vielfalt hält, wird er von einem politisch rückwärts gewandten und kleinkarierten Lokalpolitiker beschimpft und heruntergemacht. Ein peinliches Bild, das dieser Mann mit seinem vorgestrigen Politikverständnis hier abgibt.

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Pollheim
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Steinacher ...

...war noch nie der hellste Stern am Horizont. Ich glaub sogar er leuchtet gar nicht ;)

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