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Trendforscherin im Interview"GTI`s finde ich für die Region nicht zeitgemäß“

Trendforscherin Birgit Gebhardt war beim Tourismusforum in Villach zu Gast. Im Interview spricht sie über Chancen der Region und ihre Sicht zum GTI-Treffen.

Birgit Gebhardt sprach im Rahmen des Tourismusforums über Trends im Tourismus © KK/FOTODIENST
 

Wie war Ihr erster Eindruck von der Region rund um Villach. Würden Sie hier Urlaub machen?
BIRGIT GEBHARDT: Auf der Fahrt vom Flughafen hierher konnte ich wegen der Lärmschutzwände leider nur einen kurzen Blick auf den Wörthersee erhaschen. Villach finde ich aber sehr ansprechend.

Beim ersten internationalen Tourismusforum in Villach im Rahmen der europäischen Toleranzgespräche sprachen Sie über das Thema „Wenn Tourismus und seine Grenzen stößt“. Ab wann tut er das?
Ein Indiz ist, wenn die Bevölkerung anfängt, sich über Touristen aufzuregen. Wenn sie das Gefühl hat, dass sie nicht mehr von ihnen profitiert.

Sie nannten in Ihrem Vortrag Venedig und Amsterdam als Beispiele für „Massentourismus“. In Amsterdam, bekannt für die Freizeitkultur, versucht man mit Lizenzen für Betriebe dagegen anzukämpfen. Das erinnert mich an einen ähnlichen Fall vor Kurzem in unserer Region. Hier versuchen die Behörden die GTI-Vortreffen, die ein immer größeres Ausmaß annehmen, mit vermehrten Kontrollen einzudämmen...
Wer kommt denn auf so eine Idee, GTI mit dem Wörthersee zu verbinden?! Das finde ich unzeitgemäß und es passt meiner Meinung nach auch nicht zur Region. Beim Harley-Davidson-Treffen verstehe ich das noch eher, weil das Klientel aufgrund seines Alters interessierter für die Region ist und wohl auch bereit ist, mehr Geld auszugeben. Das ist es auch, worauf es ankommt: Man muss als Tourismusland die Bedürfnisse jener ansprechen, die wirklich Interesse am Land haben.

Die Region setzt nun immer mehr auf Slow Food, Regionalität. Sehen Sie hier eine Chance?
Ja, da würde ich die Region viel eher sehen. Das klingt zwar klischeehaft, aber die Berge und die Seen bieten sich dafür an. Ich denke weniger an GTI‘s als an Genuss, Sonne, schwimmen, Fitness. Man sollte die Gäste aber nicht nur „körperlich“ abholen, sondern auch kulturell. Ich denke da an den Trend hin zu veganem Essen oder artgerechter Tierhaltung. Es gibt zum Beispiel immer mehr Wein-Experten, hier könnte ich mir vorstellen, dass man hier in der Region auch Experten im Nahrungsmittelbereich ausbildet, die mit den Gästen in den Dialog treten und ihnen erklären, wo das Fleisch herkommt, wie Butter gemacht wird etc.

In der Villacher Ausstellung „Zimmer frei. Die Entwicklung der Fremdenpflege in Kärnten“ wird gezeigt, dass der Gast früher mit weit weniger zufrieden war. Wird heute zu viel Erlebnisprogramm aufgedrängt?
Glaube ich nicht. Der Anspruch, dass der Urlaub gelingt, wird immer größer. Auch bei Schlechtwetter brauchen die Urlauber ein passendes Rahmenprogramm.

Wie steht es um die Digitalisierung? Der Villacher Tourismusregionschef Georg Overs meinte, es darf nicht zu digital sein.
Ich spreche bei Digitalisierung lieber von Vernetzung, weil das einen sozialen Aspekt hat. Und dieser ist nicht zu unterschätzen. Ich kann traditionell arbeiten, aber kommunizieren kann ich das vor allem über Medien. Wenn der Urlauber Selfiefotos aus dem „Schweinestall“ postet, ist man im Gespräch. Andererseits gibt es aber auch einen Gegentrend: „Silent Days“, wo Hüttenurlaub ohne Handyempfang angeboten wird.

Sie sagen, „Datenscanning“ würde helfen, den Gast besser zu verstehen. Klingt erschreckend?
Um zu verstehen, was der Gast will und sucht, bräuchte man mehr persönliche Daten über ihn. Die EU-Datenschutzverordnung verbietet das aber. Dennoch glaube ich, dass es ein Riesen-Vorteil für den Tourismus wäre, wenn Gäste Daten freiwillig hergeben. Amazon, Facebook und Co zeigen es vor.

Hintergrund

Zur Person. Birgit Gebhardt ist Trendexpertin und lebt in Hamburg. Sie ist ehemalige Geschäftsführerin des Trendbüros und unterstützt Kunden aus der Medien-, Konsumgüter- und Mobilitätsbranche. Zudem ist sie Autorin des Buches „2037 – Unser Alltag in der Zukunft“. In Villach sprach sie über „The end of Tourism as we know it. Warum wir die Zukunft neu denken müssen.“
Forum. Im Rahmen der europäischen Toleranzgespräche fand in Villach am Mittwoch erstmals ein internationales Tourismusforum statt. Unter dem Titel „Paradise Day“ diskutierten im Hotel Holliday Inn namhafte Experten mit Tourismusverantwortlichen aus der Region. Der erste Teil der Veranstaltung widmete sich „Paradise lost? Wenn Tourismus an seine Grenzen stößt“. Der zweite Teil beschäftigte sich mit dem Thema „Paradise now! Planet Erde: Wie wir morgen reisen.“ Die Veranstaltung stand in Kooperation mit der Region Villach Tourismus GmbH und dem Travel Industry Club Austria
Zusammenfassung. Alle Nachberichte zur Veranstaltung finden Sie unter www.fresach.org.

Kommentare (3)

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earlofcarinthia
7
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frau obergscheit!!!!

ich weiss nicht ob es notwendig ist, eine Madame von Hamburg herzubestellen, ( Kostenfaktor!!!!) die uns erklärt dass der GTI Fahrer ein schlechterer gast ist als der harley Fahrer (was bei weitem nicht stimmt) die kleine zeitung sollte mal recherchieren wie viel Umsatz die GTI der Region bescheren???Umwegrentabilität!

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gintonicmiteis
1
3
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Das Problem ist leider

dass es eben keine Studien zur Umwegrentabilität des GTI-Treffens gibt... nix, nada, njente... warum wohl?
Vielleicht ist die Umwegrentabilität halt doch kleiner, als sich das manche Vollbluttouristiker durch stetiges Wiederholen einzureden versuchen ;)

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joektn
2
7
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Doch das stimmt.

GTIs braucht hier keiner solang sie sich nicht benehmen können.

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