VillachHanfgeschäfte werden immer häufiger

Mit der Eröffnung der Hempotheke hat Villach ein weiteres Hanfgeschäft. Die Suchtgift-Gruppe der Polizei beobachtet Entwicklung.

Kevin, Nico und Danny Pöhland verkaufen seit vier Jahren sämtliches Zubehör rund um Hanfpflanzen. Mit 600 Quadratmetern ist es der größte Shop in Villach © (c) Hannes Pacheiner HANNES PACHEINER
 

Der Eindruck, dass sich in Villach immer mehr Geschäfte dem Produkt „Hanf“ verschrieben haben, täuscht nicht. „Die Szene wächst, das ist nicht von der Hand zu weisen“, bestätigt Franz Josef Sima. Aus einer traditionellen Gärtnerfamilie stammend, verkauft er seit eineinhalb Jahren im „Happyplant“ selbst gezogene Hanfstecklinge. „Meine Nutzpflanzen finden österreichweit in der Aromatherapie Anwendung“, sagt er. Das Geschäft und den Boom mit Hanf sieht Sima differenziert. „Die Kunden sollten immer nur Verkäufern vertrauen, die sich wirklich damit auskennen.“ Sebastian Stein, Geschäftsführer in Villachs erstem Coffeeshop „soho day“, begrüßt die Dichte an Geschäften. „Wenn mehr Läden da sind, gibt es mehr Aufklärung. Die Nachfrage für die Produkte ist sowieso da.“ In seinem Lokal dürfen Kunden CBD-hältige Produkte gleich konsumieren. „Das machen inzwischen nur mehr Stammkunden. Dafür steigt das Interesse für Cremen, Öle, und Tees“, sagt Stein. Die Kunden seien zudem nicht nur im jugendlichen, sondern auch fortgeschrittenen Alters. Das bestätigt Lukas Taschwer, der seit drei Jahren Hanfprodukte und Pflanzen im „sweedtrees“ verkauft. „Viele ältere Kunden suchen nach alternativen Produkten, die Schmerzen lindern. Manche möchten Rauch-Ersatz oder mögen den Geschmack von Hanfschokolade.“

Dass die Dichte an Hanfgeschäften gestiegen ist, bestätigt auch Stadtpolizeikommandant Erich Londer. „Deshalb gab es im vergangenen halben Jahr aber nicht mehr Aufgriffe oder Sicherstellungen.“ Im Vorjahr gab es in Villach keinen Drogentoten, das Thema Suchtgift werde von der Suchtgift-Gruppe sehr ernst genommen. „Was die Gesetzgebung zulässt, nehmen wir zu Kenntnis. Wir sind aber nicht blauäugig und beobachten die Szene genau“, sagt Londer und Kripo-Leiter Martin Haas ergänzt: „Was alles über Internet oder Darknet in Umlauf kommt, ist ungleich schwerer zu überwachen.“

Alexandra Prilling, Leiterin des Streetwork Villach, kennt die Hanfdiskussion auch unter ihren Klienten. „Viele Jugendliche haben das legale Cannabis ausprobiert, aber gleich wieder damit aufgehört. Sie wollen sich ja berauschen. So gesehen hatte der Konsum für sie null Relevanz.“ Zu einer differenzierten Sichtweise – Cannabis legal in der Medizin oder als Suchtmittel – rät Bettina Quantschnig, Leiterin der psychologischen Abteilung im Krankenhaus de La Tour. „Wir behandeln zwar keine Drogenpatienten, merken aber in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme des Mischkonsums, also einen erhöhten Cannabiskonsum.“ Der niederschwellige Zugang sei hier ein Problem. „Auch je früher Cannabis regelmäßig konsumiert wird, desto deutlicher sind die Auswirkungen auf den Körper.“

 

Hanfpflanze

CBD. Cannabidiol fällt nicht unter das Suchtmittelgesetz, ist kaum psychoaktiv und findet in der Medizin Verwendung. Produkte, die CBD enthalten, sollen unter anderem entkrampfend, schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken.
THC. Tetrahydrocannabinol ist eine psychoaktive Substanz und der rauschbewirkende Bestandteil der Hanfpflanze.
Legal. Der THC-Wert des Produkts muss unter der gesetzlichen Grenze von 0,3 % liegen.

Kommentare (1)

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GordonKelz
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2
Lesenswert?

HANF

Man ist wie leider meist ,politisch nicht in der Lage ,hier klar Stellung zu beziehen !
Marihuana zu legalisieren oder zu verbieten . Jahrzehnte kann man schon aus vielen anderen Staaten ,die Erfahrungen einfließen lassen !
Wie beim Rauchergesetz, dasselbe Desaster ! Ein bisschen Schwanger geht nicht , entweder so oder so !
Es wird eine Endloscausa ,wie in vielen anderen Bereichen auch ! Einfach unfähig !
Gordon Kelz

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