Carinthischer Sommer 2018Carinthische Wassermusik: Elektronik trifft Kärntnerlied

Die Südtirolerin Manuela Kerer komponiert heuer die „Wassermusik“ zum Auftakt des Carinthischen Sommers. Ein Gespräch über Musik, Motorsägen und das Morsealphabet.

Komponistin Manuela Kerer © Neumüller/CS
 

Ihr Psychologie-Studium ist ihr sicher nützlich, wenn es darum geht, Akteure und Publikum mitzunehmen auf ihren Klangreisen: Manuela Kerer, 37-jähriges, energiegeladenes Multitalent, macht Neue Musik und komponiert auch für unkonventionelle Instrumente wie etwa ein Stück für zehn elektrische Zahnbürsten oder für Ensemble und Motorsäge (2016 für den Carinthischen Sommer).

Die Südtirolerin aus Brixen studierte Komposition und Violine, machte quasi nebenbei noch ihren zweifachen Doktor in Psychologie (über Musikalität von Demenzkranken) und Jus (über die Rechte von Komponistinnen) und kann auf eine Jugend als Leistungssportlerin (Eiskunstlauf) zurückschauen. Kärnten kennt die Mutter einer elf Monate alten Tochter, die heuer die zweite Auflage der „Carinthischen Wassermusik“ zur Eröffnung des Carinthischen Sommers komponiert, „vor allem musikalisch“: Die Drittplatzierte des Gustav-Mahler-Kompositionswettbewerbs 2008, ist vor allem ihrem zeitweiligen „Mentor“ Bruno Strobl, aber auch dem „guten Freund“ Dieter Kaufmann verbunden.

Die Carinthische Wassermusik vor zwei Jahren hat ja nur teilweise funktioniert. Wie legen Sie dieses Experiment an?
MANUELA KERER: Man weiß ja jetzt, was geklappt und was weniger geklappt hat, und wir versuchen zu optimieren. Ich soll nicht zu viel verraten, aber dem Holger Bleck ist ganz wichtig, dass auch die andere Seeseite irgendwie involviert wird. Die große Aufgabe ist: Wie kriegt man das hin, dass das auch musikalisch-akustisch funktioniert?

Carinthische Wassermusik

Carinthische Wassermusik. Eröffnung des Carinthischen Sommers. Am 14. Juli, 21.20 Uhr, Ossiach. Eintritt frei. Bei Schlechtwetter am 15. Juli. Bewegliche Klanginstallation für Hunderte Mitwirkende, Chöre und Blasmusikkapellen unter dem Motto „Wia a Spiagl“.
Mitmachen. Wer mitmachen will (auch einzelne Sänger): Bewerbungen bis Ende Februar, Tel. (042 43) 25 10.
www.carinthischersommer.at

Was wird gleich, was wird anders?
Statt zwei Schiffen wird es eines geben, darauf Elektronik, bei der sich alles um Wasserklänge drehen wird, rundherum viele Tretboote, die wir mit Ghettoblastern ausstatten – wir alle versuchen, mit möglichst wenig viel zu machen. Wir wollen das Publikum ein bisschen mehr zusammenhalten, sodass es sich nicht so zerstreut wie damals. Vielleicht informieren wir die Leute auch mit Handzetteln.

Wer werden die Akteure sein?
Chöre und Blaskapellen können sich noch bis Ende Februar melden. Die zweite Auflage heuer hat einen gewissen Nachteil, weil die Leute zurückhaltender sind, sich vielleicht sagen: Das kenn’ ich schon. Aber wir brauchen jeden, auch das Publikum soll mitmachen, besonders beim großen Finale, wo dann alle gemeinsam das Kärntnerlied „Üban See sing i ume“ singen werden – übrigens auch mit einer slowenischen Strophe. Auch Leute, die nur unter der Dusche singen und Lust haben mitzumachen, sollen sich melden.

Müssen sie dann mit Motorsägen und elektrischen Zahnbürsten rechnen?
Es wird vielleicht Ungewöhnliches geben, aber ich verlange nur Sachen, die jeder kann, bis zu Flüstern oder Sprechen, Bewegung und visuelle Eindrücke spielen auch eine Rolle. Aber wenn die Teilnehmer eh schon relativ unkonventionelle Sachen machen müssen, geb’ ich ihnen nicht auch noch einen Eierschneider in die Hand – weil dann kippt es ins Kasperltheater.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?
Es gibt einen Teil, der ganz rhythmisch sein soll, da werden alle Beteiligten im Rhythmus ihres Herzschlages spielen. Es gibt ja Forschungen, die belegen, dass sich der Herzschlag aneinander anpasst, wenn man zusammen singt – das find ich schön. Eine andere Idee ist, dass alle das Morsealphabet bekommen und ihren Vornamen morsen – da kommen auch die unterschiedlichsten Rhythmen raus.

Sie sind deutschsprachige Südtirolerin mit ladinischen Wurzeln. Was halten Sie von der Initiative der österreichischen Regierung in Sachen Doppelstaatsbürgerschaft?
Ich bin nicht dafür. Das weckt nur wieder Konflikte, die wir heute nicht mehr brauchen. Wenn sie mir einen europäischen Pass geben, sage ich hurra! Aber diesen österreichischen Pass brauche ich nicht, weil wir Südtiroler von Österreich als Schutzmacht im Prinzip sowieso gleich behandelt werden. Wozu jetzt noch Öl ins Feuer gießen?

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