Der Engpass ist nicht neu, spitzt sich durch steigende Bevölkerungszahlen aber weiter zu.
Vor allem im Bereich der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, der Dermatologie und der Augenheilkunde heißt es auch in der Region Villach: bitte warten!

57 Kassenärzte ordinieren in der Region in Summe, 26 davon in der Stadt, 31 im Umland. Mit Blick auf die einzelnen Fachrichtungen wird der Ruf nach mehr Kassenstellen immer wieder laut. Vor allem in den genannten Fachrichtungen reichen die Wartelisten für Muttermaluntersuchungen oder Rachen-Kontrollen nach Corona-Infektionen in die kommenden Monate hinein. „Im Bereich der Dermatologie haben wir in Villach zum Beispiel drei Kassenärzte, wovon eine im Sommer in Pension geht. Die Nachfolge ist gesichert, der neue Kollege muss aber nicht nahtlos übernehmen“, sagt Fachgruppenvertreter, Dermatologe Max Wutte. Ein Umstand, der Patienten und ordinierenden Ärzten Sorge bereitet, denn die Situation könnte sich im Sommer, zusätzlich Urlaubszeit, weiter verschärfen.

Bis zu 100 Patienten am Tag

Während der Ärztekammer derzeit keine Patientenbeschwerden vorliegen, sprechen die Ärzte selbst quer über alle Bereiche von einer enormen Auslastung. „An Tagen, an denen wir ganztags ordinieren, behandeln wir bis zu 100 Patienten Das ist eine Anzahl, die junge Kollegen vielfach nicht mehr so mittragen wollen“, sagt etwa Johanna Staubmann-Kury. Die langjährige Dermatologin ist es, die ihre Kassenstelle mit Sommer abgibt und sich mit 65 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Auch einer ihrer Kassenkollegen, Dermatologe Michael Gasser, ist bereits im pensionsreifen Alter, will aber noch weitermachen. Auch im Bereich der Kinder- und Frauenheilkunde melden Patientinnen immer wieder lange Wartezeiten. In der Region gibt es vier Kassen-Kinderärzte und sechs Frauenärzte.

Psychiatrie als Problemfeld

Überhaupt nur ein niedergelassener Arzt ordiniert in den Bereichen Psychiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Expertinnen habe gerade während der Pandemie mehrfach auf einen Engpass hingewiesen. Bezirksärztevertreterin Toria Mörtl sprach in einem Interview mit der Kleinen Zeitung von einem „Versäumnis der Politik, dem drohenden Ärztemangel rechtzeitig entgegenzuwirken“. Zur Entlastung wurde in der Stadt das erste Psychosoziale Zentrum eröffnet, bereits zum Zeitpunkt der Eröffnung im März waren knapp 20 Personen in Behandlung.


Zwei Kassenstellen werden in absehbarer Zeit nachbesetzt. Eben jene der Dermatologin Staubmann-Kury und jene des Orthopäden Franz Ischepp. Für Aufstockungen der Planstellen braucht es eine Erhebung und Begründung von Ärztekammer und Gebietskrankenkasse. Für Villach wären solche Erhebungen derzeit nicht geplant.

Generell sind aber nicht nur Kassenstellen ein Mangel, sondern vor allem Ärzte, die sie besetzen wollen. Die Fülle an Patienten und die Versorgungspflicht sollen entscheidende und abschreckende Faktoren sein.