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St. VeitEine Überflutung gibt Rätsel auf

40 bis 30 vor Christus wurde eine keltische Siedlung am Zollfeld von einer gigantischen Flut vernichtet. Sie riss einen ganzen Wald mit. Unklar ist, welcher Fluss die Überschwemmung verursacht hat.

lfeld
Die Glan sorgte bereits öfters für Überschwemmungen – aber war sie auch für jene von vor 2000 Jahren verantwortlich? © Markus Traussnig
 

Feststellungsgrabungen im letzten Jahr veränderten die Geschichtsschreibung. Unter einer 1,5 Meter dicken Sedimentschicht wurden Reste einer Siedlung entdeckt, die um 40 bis 30 vor Christus durch eine katastrophale Überflutung ausgelöscht wurde. Die Sedimentschicht schützte die nun ausgegrabenen Funde über 2000 Jahre vor Natureinflüssen. Ausgrabungsleiterin Regina Barlovits vom archäologischen Dienst Kärnten stellte fest: „Anhand der Funde können wir belegen, dass die Romanisierung der Kelten in Kärnten um 80 vor Christus begonnen hat, ein halbes Jahrhundert früher als angenommen. Die Funde sind in der archäologischen Bedeutung mit jenen von Pompeji vergleichbar.“

 
Durch die Sedimentschicht wurden die Funde über 2000 Jahre lang geschützt Foto © Phino

Für den Drautaler Hobbyhistoriker Dietmar Simoner ist diese Entdeckung aus einem anderen Blickwinkel wichtig. Während Barlovits die Glan als möglichen „Verursacher“ der Überschwemmung sieht, glaubt Simoner, dass die Gurk der Auslöser sei: „Im Schluchtbereich von Launsdorf nach Brückl dürfte sich im Flussbett der Gurk ein ganzer Wald von Bäumen verfangen haben und für Verklausungen gesorgt haben.“
Simoner vermutet, dass die Gurk auf der Nordseite der Burg Hochosterwitz über ihre Ufer trat und dass ein Überlauf Richtung St. Donat entstand. Der Bodenabtrag durch den Gurkabfluss ließe sich auf mindestens fünf Millionen Kubikmeter Sedimente schätzen.

Dass die Gurk Sedimente auf das Zollfeld geschwemmt hat, ist laut Simoner in der Natur noch erkennbar und durch Kartenmaterial dokumentiert. Simoner: „Die bestehende Geländemulde vom Burgbereich herab Richtung Westen, wo der Ziegelbach verläuft, könnte noch darauf zurückzuführen sein.“

Im Schluchtbereich dürfte sich im Flussbett der Gurk ein ganzer Wald verfangen haben.

Dietmar Simoner
Stöflin
Dietmar Simoner © Stöflin

Aus der Abteilung der Landesgeologie setzt sich Jochen Schlamberger mit der Simoner-These auseinander. Er sieht die Gurk „eher nicht“ als Auslöser: „Die Glan kann durchaus dafür infrage kommen, die Sedimentschichten transportiert zu haben. Denn die heutige Charakteristik des Flusses ist nicht mit jener von vor 2000 Jahren vergleichbar. Vor allem nicht bei den angenommenen sintflutartigen Regenfällen“. In jedem Fall sei die Vernichtung der keltisch-römischen Siedlung ein Jahrtausendereignis, das in keinem realistischen Katastrophenschutz-Plan Berücksichtigung finden könnte.

Kommentare (3)

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dietmarsimoner
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EU-Kulturerbejahr 2018

Naturereignisse können auch kulturhistorische Wendepunkte sein. Dieses Sintflutereignis könnte zum Ende der Keltenzeit in Kärnten beigetragen haben und das nichts fürchtende, mächtige, am norischen Eisen interessierte, Rom, konnte friedlich, schon vor dem Alpenfeldzug, die Herrschaft im südalpinen Noricum antreten.
Dietmar Simoner / Irschen

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dietmarsimoner
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Floss die Gurk ursprünglich auf das Zollfeld?

Ich vermute die voreiszeitlich auf das Zollfeld fließende Gurk bildete den tiefen Ziegelbachgraben den der Draugletscher, über den Glantalboden kommend, auffüllte und dabei die Gurk drängte, sich durch den Fels Richtung Brückl zu fressen.
Dieses sintflutartige Ereignis führte dort zur Verklausung und zu vorübergehender Stauseebildung mit Überlauf und dammbruchartigem Abgang nördlich der Burg Hochosterwitz Richtung Zollfeld, wobei der aufgefüllte Ziegelbachgraben wieder abgetragen und auf das Zollfeld geschwemmt wurde. So kann ich mir den jetzt bestehenden großen Graben erklären, der im Volumen auch der Zollfeldauflandung mit 1,5 m entsprechen würde. Dietmar Simoner / Irschen

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dietmarsimoner
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mein Blickwinkel

Mit der Siedlung wurde gleichzeitig eine das Zollfeld querende Römerstraße freigelegt, in der ich die frühe Eisenstraße, die sogenannte „Via Iulia Augusta“ erkenne. Es ist die von Aquileia über den Plöckenpass ins Drautal führende Römerstraße, die vom antiken Straßenknoten Potschling/Irschen aus, durch ganz Kärnten verlaufend, zu den Eisenvorkommen ins Görtschitztal führte. Die um drei Tagesfahrten kürzere Strecke durch das Kanaltal wurde erst mit der römischen Provinzgründung Noricum ausgebaut. Dietmar Simoner / Irschen
Siehe auch: https://www.kleinezeitung.at/kaernten/stveit/5271308/Zollfeld_Grabungen-veraendern-die-Geschichte)

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