AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

ZollfeldGrabungen verändern die Geschichte des Landes

Bei Untersuchungen am Zollfeld wurde festgestellt, dass Romanisierung der Kelten früher stattfand als angenommen. Dies schließen Archäologen aus Fundstücken in einer dicken Sedementschicht.

Regina Barlovits mit einer Münze aus der Römerzeit
Regina Barlovits mit einer Münze aus der Römerzeit © Philipp Novak
 

Etwa 30 bis 40 Jahre vor Christus ist die Glan im Bereich St. Michael massiv über die Ufer getreten: Sedimentschichten von eineinhalb Metern haben eine spätkeltische Siedlung verwüstet. Reste der Siedlung wurden jetzt, rund 2030 Jahre nach der Katastrophe im Zuge von Feststellungsgrabungen entlang der S37 freigelegt.
„Anhand der Funde können wir belegen, dass die Romanisierung der Kelten in Kärnten um 80 vor Christus begonnen hat, also ein halbes Jahrhundert früher als bisher angenommen. Das ist eine Erkenntnis mit wissenschaftlicher Relevanz für ganz Mitteleuropa. Mit unseren Grabungsergebnissen werden sich noch viele Wissenschaftler in Zukunft beschäftigen. Die Landesgeschichte muss teilweise neu geschrieben werden“, sagt Grabungsleiterin Regina Barlovits vom Archäologischen Dienst Kärnten. Funde, etwa Glasschmuck, Tongefäße, Fibeln, Perlen, Sargnägel, Amphorenteile, Würfel aus Bernstein, Toiletteartikel lassen durch die verwendeten Materialien und Machart genaue zeitliche Datierungen zu. „Die gefundenen Gegenstände wurden im römischen Reich aber auch in Werkstätten des Orients hergestellt“, sagt die Archäologin Desiree Ebner-Baur.

 

Die Archäologin Desiree Ebner-Baur mit dem Fuß einer römerzeitlichen Amphore
Die Archäologin Desiree Ebner-Baur mit dem Fuß einer römerzeitlichen Amphore Foto © Philipp Novak

„Weil die Fundstücke unter einer 1,5 Meter dicken Sedimentschicht in einem klaren Zeitrahmen zeitlich versiegelt waren, sind sie von der wissenschaftlichen Dimension vergleichbar mit den Funden aus Pompeji“, betont Barlovits.

Bis zu 40 Beschäftigte, darunter bis zu zehn Archäologen, graben seit Herbst 2015 entlang der S37. Es gilt vor dem möglichen Sicherheitsausbau der Straße archäologisch Relevantes zu bergen. Dabei wurde von den Grabungsteams auch die verschüttete Siedlung westlich von Willersdorf entdeckt. „Zusätzlich haben wir eine neun Meter breite römische Straße gefunden. Sie zweigt bei Willersdorf von der norischen Hauptstraße – diese liegt unter der der Zollfeldlandesstraße – in Richtung Westen nach Blintendorf und Liebenfels ab. Wir haben die römische Fahrbahn ebenso freilegen können wie die spätere mittelalterliche Rollsteinschicht“, erklärt Ebner-Baur.

Das ist eine Erkenntnis mit wissenschaftlicher Relevanz für ganz Mitteleuropa. Die Landesgeschichte muss teilweise neu geschrieben werden.

Regina Barlovits

Die gefundenen Gegenstände gehören zur Hälfte den Grundeigentümern und zur anderen Hälfte der ASFINAG als Auftraggeber der Grabungen. Was mit den Funden nach deren genauen wissenschaftlichen Dokumentation geschehen soll wird laut ASFINAG-Projektleiter Franz Gruber noch mit dem Land Kärnten geklärt.

Kommentare (1)

Kommentieren
dietmarsimoner
0
1
Lesenswert?

frühen Romanisierung im südalpinen Noricum

Gratulation zu diesem Grabungserfolg!
Mit diesem Bericht wird meine Deutung der frühen Romanisierung im südalpinen Noricum bestätigt (siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Dietmar_Simoner ).
Mit meiner Richtigstellung der Aufzeichnung im Itinerarium Antonini für die Straße von Aquileia nach Veldidena (compendium) als Abkürzung zur Hauptstraße über den Plöckenpass und den Gailbergsattel ins Drautal, mit der dortigen Verzweigung – nach Westen über Aguntum und Littamum nach Veldidena und nach Osten mit dem Verlauf durch ganz Kärnten ins Görtschitztal, wurde die bestehende Forschungsmeinung zum frühen Noricum quasi über den Haufen geworfen.
Aus dieser Erkenntnis leitet sich auch meine Entdeckung des antiken Irschen ab – es handelt sich um den antiken Straßenknoten im Oberen Drautal mit Drauübergang für die Straße nach Italien. Hier an strategischer Stelle befindet sich der Burgbichl, wo seit 2016 archäologische Grabungen durchgeführt werden. Dietmar Simoner, Irschen

Antworten