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Interview

"Das Menschliche würde dabei verloren gehen"

Mit dem 78-jährigen Gurker Bürgermeister Siegfried Kampl stellt sich Kärntens ältester Gemeindechef 2015 erneut zur Wahl.

© APA/Robert Jäger (Archivbild)
 

Herr Kampl, mit 78 Jahren stellen Sie sich erneut der Wahl zum Gurker Bürgermeister. Gibt es in Ihrer Gemeinde keinen Nachwuchs?

SIEGFRIED KAMPL: Doch, den gibt es. Ich habe ja auch gesagt, dass eine Verjüngung gut wäre, aber die Partei hat mich gebeten, dass ich es noch einmal machen sollte.

Seit 1991 sind sie Bürgermeister. Was war das prägendste Projekt Ihrer Ära?

KAMPL: Wir haben 140 Wohnungen gebaut, wir haben nur eine geringe Abwanderung und sind keine Zuschussgemeinde mehr. Wir haben den Weihnachtsbaum nach Rom schicken dürfen und haben eine wunderschöne Ortsgestaltung und eine 100-prozentige Finanzierung des gesamten Wegenetzes. Seit ich Bürgermeister bin, gibt es nur zwei oder drei Beschlüsse, die nicht einstimmig gefasst wurden.

Ein Wahlkampfthema dürfte die Abwanderung werden. Wie wollen Sie dieser entgegenwirken?

KAMPL: Wir müssen die Kulturvereine gut unterstützen, sodass die jungen Menschen sich dort wohlfühlen und eine gute Kameradschaft haben und nicht abwandern. Das Zweite ist die Unterstützung des privaten und sozialen Wohnbaus. Da geben wir jeder Familie 2000 Euro, wenn sie ein Eigenheim baut. Wir haben im Ort einen praktischen Arzt, einen Zahnarzt, einen Tierarzt, eine Post, eine Bank, zwei Kaufhäuser und eine gut funktionierende Gastwirtschaft. Das muss man erst einmal haben.

Wie aufgeschlossen sind Sie dem Thema Gemeindezusammenlegungen gegenüber?

KAMPL: Das ist ein Für und Wider. Wenn man das rein kommerziell sieht, dann dürfte das günstiger für die Budgetsituation sein. Das Menschliche und die Bürgernähe würde dabei aber verloren gehen. Die Bürger im ländlichen Bereich wollen noch angesprochen werden und eine direkte Verbindung zu den Gemeindevertretern haben.

Wie sehr hat sich die Politik verändert?

KAMPL: Sehr zum Nachteil der Bürger. Früher war der Politiker mehr mit den Menschen verbunden. Es gibt auch weniger Respekt zwischen den Fraktionen. Ich habe andere Parteien immer respektiert. Wenn ich diesen Respekt nicht habe, dann erhalte ich auch selber keinen. Ich muss schwächere Fraktionen genauso einbinden und reden lassen.

Sie waren bei der FPÖ, beim BZÖ und bei der FPK. Für welche Partei treten Sie dieses Mal an?

KAMPL: Wieder für die FPÖ. Ich bin aus Treue zu Jörg Haider mit zum BZÖ gegangen. Damit war ich aber nie ganz glücklich.

Nach 2015 stünden 2021 die nächsten Wahlen an. Wieder mit Ihnen als Spitzenkandidat?

KAMPL: Die kommende Periode möchte ich – wenn mir der liebe Gott die Gesundheit gibt – fertig machen. Ich habe meinen Leuten aber gesagt, dass für zukünftige Aufgaben ein neuer Kandidat aufgebaut werden muss.

Würden Sie Ihre Rede im Parlament, in der Sie Deserteure als Kameradenkmörder bezeichnet haben, wieder so halten?

Ich habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu beleidigen. Ich habe das damals so gesagt, wie ich es erlebt habe. In welchem Staat gibt es das, dass man Deserteuren 50 Jahre Pension nachzahlt und dann noch eine Auszeichnung verleiht? Ich wollte nur, dass das überprüft wird. Weil solche dabei waren, die eben nicht ausgezeichnet gehören.

Das Amt des Bundesratspräsidenten blieb Ihnen dadurch versperrt...

KAMPL: Ich wäre es gerne geworden. Ich hätte mich auch nur entschuldigen müssen. Aber warum soll ich mich entschuldigen? Ich habe das erzählt, was ich erlebt habe.

Vielleicht nützen Sie jetzt die Chance, um sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren?

Sie brauchen nicht schreiben, ich distanziere mich. Das war eine Situation. Da waren 99 Prozent dafür. Nur von dem, was sie gemacht haben, distanziere ich mich, nicht vom Nationalsozialismus. Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war. Da ist die Kinderbeihilfe eingeführt worden. Die alten Leute sind damals im Stall verstorben. Das war ein Elend. Es gab keine Altersvorsorge, keinen Kirchenbeitrag. Aber die Auswüchse - das hat ja keiner gewusst, das hat die Masse der Menschen ja nicht gewusst. Sonst hätte der Krieg nicht so lange gedauert.

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