Sommergespräch aus OsttirolSpielsuchtforscher Michael Auer: "Ich besuche Casinos auf der ganzen Welt"

Der Lienzer Psychologe und Statistiker Michael Auer hat „Mentor“ entwickelt, ein Programm zur Spielsuchtprävention, und ist mit seiner Firma Weltmarktführer in Sachen Spielerschutz

Michael Auer beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Thema Spielsucht. Seine Firma Neccton ist Weltmarktführer in Sachen Spielsuchtprävention © (c) Daniel Raunig
 

Sie sind Doktor der Psychologie. Was fasziniert Menschen derart am Glücksspiel?
MICHAEL AUER: Beim Glücksspiel ist alles Zufall. Damit können die meisten Menschen nichts anfangen. Sie suchen nach Mustern, die sie erkennen wollen, aber im Spiel nicht finden können. Wenn ich ins Casino gehe, kann ich das beobachten. Es endet immer wieder mit einem erklärenden Gespräch, dass nach zehn Mal rot trotzdem nicht schwarz kommen muss.

Spielsuchtprävention ist für Sie ein großes Thema. Warum?
Ich bin einer der wenigen Österreicher, der in Bezug auf das Glücksspiel Studien publiziert und mit internationalen Wissenschaftlern zusammenarbeitet. Ich stehe mit keiner österreichischen Universität in Verbindung. Es gibt keine Wissenschaftler hierzulande, die sich dezidiert mit dem Glücksspielverhalten akademisch beschäftigen. Für Österreich wurde die letzte Prävalenzstudie 2015 erstellt. 1,1 Prozent zeigten ein krankhaftes Spielverhalten.

Sie haben das Präventionsprogramm „Mentor“ federführend mitentwickelt. Die Firma Neccton mit Sitz in Lienz ist damit in Sachen Spielerschutz Weltmarktführer. Wie funktioniert diese Software?
Mit Mentor haben wir eine Vorreiterrolle. Es ist uns gelungen, vorangegangene Datenanalysen mit psychologischen und marketingtechnischen Komponenten zu verknüpfen. Das Spielverhalten wird mittels Mentor aufgezeichnet, Verhaltensmuster abgeleitet und der Spieler erhält ein Feedback in Form von Textnachrichten, Grafiken und Diagrammen. So kann er selbst einschätzen, ob sein Spielverhalten bedenklich ist. Es geht dabei um Bewusstseinsbildung. Die Daten, die wir erfassen, sind Einsatzhöhe, Gewinn, Verlust und Spielzeit.

Wie sieht es in Österreich mit dem Spielerschutz aus?
Die Spielerkarte wurde eingeführt. Wer eine Glücksspielhalle besucht, wird registriert und so seine Spiele aufgezeichnet. Es gibt Vorschriften, wie mit auffälligen Spielern umgegangen wird. Bei der Überprüfung müsste mehr getan werden. In den Casinos haben die Mitarbeiter die Aufgabe, das Spielverhalten im Auge zu behalten und bei Auffälligkeiten zu reagieren. Problematisch ist es bei den Online-Anbietern. Hier könnten ausländische Anbieter blockiert werden. Das ist aber gesetzlich schwer regelbar. Österreich zählt zu den wenigen Ländern, in denen Sportwetten kein Glücksspiel sind.

Interview im Casino in Velden mit Blick auf den Wörthersee Foto © (c) Daniel Raunig

Gehen Sie persönlich oft ins Casino?
Schon allein aus beruflichen Gründen besuche ich Casinos auf der ganzen Welt. Ich spiele gerne Roulette. Das dauert am längsten und ich verliere am wenigsten (lacht). Am außergewöhnlichsten ist für mich ein Casinobesuch in Las Vegas. Mit den vielen Automaten zählt dort der Entertainment-Faktor.

Stichwort Entertainment. Wie vergnügen Sie sich in Ihrer Freizeit?
Sport und Krafttraining. Ich werde mit einem Bekannten ab Herbst ein Fitness-Center betreiben. Wir haben beide eine Ausbildung im Bereich Muskelaufbau „starting strength“ in Chicago gemacht. Er wird die Trainingseinheiten abhalten. Wann immer es geht, spiele ich Gitarre. Ich bin in der Rockband Helldorado. Übrigens haben wir am 26. Oktober einen Auftritt in Lienz.

Zur Person

Michael Auer, ist gebürtiger Lienzer und einer der Geschäftsführer der Firma Neccton mit Sitz in Lienz und London. Er studierte Psychologie und Statistik und machte den Doktor in Psychologie in Nottingham. Der 43-Jährige lebt mit seiner Familie
in der Nähe von Eisenstadt.

Wie oft sind Sie in der Heimat?
Alle zwei Monate. Die Zweigstelle unserer Firma Neccton ist in Lienz. London haben wir als Sitz gewählt, weil wir dadurch einen internationalen Charakter bekommen. Dort herrscht einfach mehr „Brainpower“. So gut wie alle Verwandten wohnen in Osttirol. Ich bin gerne hier und fühle mich in der Region verwurzelt.

Wortspenden

Glück. Glück ist etwas, das
man nicht beeinflussen kann. Also sollte man sich nicht
darauf verlassen.
Sucht. Viele sagen, ich bin
ein Workaholic. Die Arbeit ist
für mich eine positive Sucht.
Erfolg. Erfolg bedeutet, angenommen zu werden. Wenn
die Musik, die ich mache, gefällt, ist das auch ein Erfolg.
Lieblingsplatz. Ich bin gerne im Wald, dort kann ich alleine sein.
Sicherheit. Die einzige Konstante ist die Veränderung.

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