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Osttirol

Mayerl attackiert Billa in einem offenen Brief

In einem offenen Brief liest Bezirksbauernobmann Martin Mayerl der Handelskette die Leviten. Der Werbeslogan mit einem Schwein in der Hauptrolle hätte nichts mit der Realität zutun.

TV-FERKEL TRETEN IM PINZGAU IHRE PENSION AN
Bezirksbauernobmann Martin Mayerl hat mit dem "Schweinderl" keine Freude © APA/Ja! Natürlich
 

"Ja natürlich" ist das Schweinderl aus der Billa-Werbung fast jedem bekannt. So auch dem Bezirksbauernobmann Martin Mayerl. In einem offenen Brief an alle Osttiroler liest er der großen Handelskette jetzt die Leviten.

"B...a, sagt der Hausverstand. Mit Befremden stelle ich beim Abhören dieses Werbespot´s dieser Handelskette fest, dass hier der Hausverstand ausgeschaltet wurde, wenn im Namen eines Schweinchens die Landwirtschaft von einer verniedlichenden, romantischen, aber keinesfalls in der Realität existierenden Seite dargestellt wird", heißt es im Schreiben.

Dass Bio am besten ist, wenn die Tiere das ganze Jahr Freilauf haben, so Mayerl, "mag unter gewissen Umständen stimmen", sei aber nicht zwingend richtig. Sie alle würden 365 Tage im Jahr Verantwortung für ihre Tiere tragen. "Diesen Betrieben zu unterstellen, dass ihnen das Wohl der Tiere kein Anliegen ist, ist eine Täuschung des Konsumenten und einer Herabwürdigung der bäuerlichen Familien", sagt Mayerl. Gleichzeitig appelliert er an die Konsumenten, ihren "Hausverstand" beim Einkauf einzusetzen.

 

Den gesamten Brief gibt es hier als Download:

So hat REWE International AG auf den offenen Brief von Martin Mayerl reagiert.

Paul Pöttschacher, Pressesprecher der REWE International AG, schreibt: "Ja! Natürlich arbeitet seit Jahrzehnten erfolgreich mit zahlreichen Biobäuerinnen und -Bauern zusammen und trägt damit ganz wesentlich zu deren Einkommenssicherung bei. Bäuerliche Familienbetriebe liefern uns hochqualitative Bio-Jungrinder, im Gegenzug sorgt Ja! Natürlich für ein für die Biobauern attraktives Preisniveau.

In dem genannten Inserat heben wir die Leistungen unserer Biobauern und der Marke Ja! Natürlich hervor. Diese werbliche Hervorhebung von Leistungen – in diesem Fall jener Bauern, die diese anspruchsvollen Tierhaltungsbedingungen nachweislich erfüllen - ist das Grundprinzip jeglicher Werbung. Die getroffenen Aussagen sind fachlich richtig, eine Herabwürdigung anderer Marktteilnehmer ist dadurch nicht gegeben. 

Wenn dem so wäre, dürften auch Bergbauernprodukte nicht beworben werden, da sie Bauern in Tallagen diskriminieren könnten, oder Heumilch da sie Bauern die Silage füttern schlechter stellt, oder … Das Prinzip der Werbung ist die Zuspitzung der Aussagen auf die eigene Leistung.  

Es steht fachlich außer Streit, dass die Bewegungsfreiheit und die ständige Option zum Auslauf an die frische Luft Eckpfeiler einer artgemäßen Bio-Tierhaltung sind. In der Praxis ist das keine Selbstverständlichkeit, bei Ja! Natürlich aber alles andere als zu viel versprochen, es ist nämlich absolute Grundvoraussetzung. Das ist eine besondere Leistung unserer Bio-Bauern in den verschiedenen Regionen Österreichs, auf die wir sehr stolz sein können und die wir daher auch bewerben.

Wir sprechen uns auch nicht gegen eine Stallhaltung aus, wie dies im offenen Brief vermittelt wird – selbstverständlich gehört der Schutz der Tiere vor Wetterextremen zu einer artgemäßen Nutztierhaltung, sondern wir sprechen uns für ganzjährige Freilaufhaltung aus. Trotz allem Verständnis für manch schwierige Situation der Bauern kann daraus keine Berechtigung zur dauerhaften Fixierung der Tiere und zur Unterbindung des „Sozialkontaktes dieser Herdentiere“ – wenn auch nur winters, abgeleitet werden.

Die Sicherung eines Einkommens für bäuerliche Familienbetriebe kann langfristig nur im Einklang mit den Wünschen der Kunden erfolgen. Eine artgemäße Tierhaltung wird für immer mehr Menschen zum schlagenden Argument und zur Grundvoraussetzung für  den Kauf  tierischer Lebensmittel. Der Fleischkonsum ist in Österreich rückläufig, vor allem Frauen und immer mehr Junge wenden sich ab, werden zu Kaufverweigerern. Demgegenüber registrieren wir einen starken Anstieg des vegetarischen und veganen Lebensstils. Dies ist Ausdruck der Unzufriedenheit über die von ihnen artikulierten agrarpolitischen Versäumnissen der Vergangenheit und die herkömmliche Praxis der tierischen Erzeugung. Mit einem Festhalten am Status quo ist keinem viehhaltenden Betrieb geholfen, die Tierhaltung muss sich ändern. Deshalb bietet Ja! Natürlich unseren Kunden ein entsprechendes auf artgemäßer Tierhaltung beruhendes umfassende Produktangebot an biologischen Lebensmitteln.  

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Danke für Ihr Verständnis.

Sporades
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Billa-Werbung

Vor einiger Zeit habe ich einmal bei Billa nachgefragt, wo die 'Hofstätter'-Fleischhauerei ist?
Zögerliche Antwort von Billa: Es gibt keinen 'Hofstätter'-Betrieb, denn das ist nur ein Phantasie-Name für Fleischwaren, die Billa vertreibt.
Mein Hausverstand sagt mir schon lange: Glaube nie etwas, was dir von der Werbung vorgegaukelt wird!!!

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Vor allem ...

glaub nicht an sprechende Schweinderln!

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dukostmi
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Auch wenn nicht jeder weiß,

dass Kühe nicht lila sind, darf man doch hoffen, dass keiner glaubt, dass Schweine sprechen können und mit dem Bauern spazieren gehen. Aber seit man bei Billa "die Hausverstand" eingeführt hat, obwohl es für die neue Werbefigur viele logischere Möglichkeiten gegeben hätte (die Vernunft z. B.) fragrt man sich ohnehin, wer dort für die Werbung verantwortlich ist.

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janoschfreak
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Es...

...ist erstaunlich, was Herrn Mayerl wirklich bewegt.

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erstdenkendannsprechen
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und das wäre?

er hat ja recht.

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