Im Bildungshaus Osttirol sprach die Sozialpolitik-Expertin Eva Fleischer zur Altersvorsorge von Frauen. Die Pensionslücke zwischen Frauen- und Männerpensionen beträgt in Österreich 37 Prozent, damit ist das Thema Altersarmut für viele Frauen relevant. Um dieser Ungleichheit entgegenzuwirken, braucht es Veränderungen im Pensionssystem, bei den Angeboten zur Kinderbetreuung, Behindertenhilfe und Pflege älterer Menschen, aber auch ein Bewusstsein für die Auswirkungen von individuellen Entscheidungen.

Österreich hat im Europavergleich mit 37 Prozent eine besonders große Lücke zwischen Männer- und Frauenpensionen und bildet damit das Schlusslicht in Europa. In Tirol ist mit 44,3 Prozent der Unterschied der mittleren Bruttopension zwischen Männern und Frauen besonders hoch.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Frauen arbeiten überwiegend in schlecht bezahlten Frauenbranchen wie im Tourismus oder im Gesundheits- und Sozialwesen. Daraus ergeben sich massive Unterschiede in den Lebenseinkommen auch bei Vollzeitarbeit. So kann mit 45 Jahren Erwerbsarbeit bei Vollzeitarbeit im Bereich Technik ein Lebenseinkommen von 1.696.000 Euro erzielt werden, im Bereich Beherbergung und Gastronomie nur 911.000 Euro.

Geringere Aufstiegschancen

Frauen haben geringere Aufstiegschancen, selbst in den von Frauen dominierten Branchen sind Männer überproportional in Leitungsfunktionen vertreten. Aufgrund von Sorgeverantwortung unterbrechen Frauen häufiger und länger ihre Erwerbstätigkeit, oft kehren sie nach Phasen der Kinderbetreuung nur in Teilzeit wieder in die Erwerbstätigkeit zurück oder auch nach Phasen der Betreuung von pflegebedürftigen Personen gar nicht mehr.

Hinzu kommt, dass seit der letzten Pensionsreform 2004 der Durchrechnungszeitraum schrittweise auf die gesamte Erwerbstätigkeit erweitert wurde. Da die Pensionshöhe von der Höhe des Lebenseinkommens und der Anzahl der Versicherungsjahre abhängt und nicht mehr die "besten 15 Jahre" relevant sind, wird die Zahl der armutsgefährdeten Frauen zunehmen.

Frauenzentrum Osttirol informiert über Altersvorsorge

"Frauen können auf verschiedenen Ebenen aktiv für die Existenzsicherung im Alter vorsorgen, indem sie das eigene Einkommen wichtig nehmen, z. B. Qualifizierungen angehen und staatliche pensionserhöhende Leistungen nutzen, z. B. die kostenlose Weiter- bzw. Selbstversicherung bei Pflege von Angehörigen. Innerhalb von Paaren und Familien geht es darum, Ausgleich einzufordern, z. B. über das Pensionssplitting, aber auch über die Aufteilung von Sorgearbeit. Es müssen sich aber auch der Arbeitsmarkt und das Pensionssystem ändern, indem Sorgearbeit besser bewertet wird und die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Frauen auch weniger Teilzeit arbeiten müssen, denn Kinderbetreuungseinrichtungen oder Pflegeangebote fehlen", so die Expertin.

Das Team des Frauenzentrum Osttirols stellt fest, dass wenig Frauen über die Möglichkeiten der Altersvorsorge Bescheid wissen und informieren anonym und kostenlos in Lienz zu allen Fragen rund um dieses Thema. Für Fragen und Informationen dazu kann jederzeit im Frauenzentrum Osttirol ein Termin vereinbart werden unter 04852/ 67 193 oder info@frauenzentrum-osttirol.at