Es soll ein Wochenende der Begegnung in Anras werden. "Einander kennenlernen und voneinander lernen", erklärt Gottfried Unterweger, vom Pfleghaus Anras, das Motto der inklusiven Ausstellung im Anraser Pfleghaus mit dem Titel "Inklusion-Kreativität-Wertschätzung". Künstlerinnen und Künstler mit Beeinträchtigung aus den beiden Lebenshilfe-Kunstwerkstätten in Lienz und Bruneck werden gemeinsam einige ihrer Werke der Öffentlichkeit präsentieren.

In der Kunstwerkstatt können die Künstler mit besonderen Bedürfnissen, "ungestört von Einflüssen der Außenwelt ihre Werke formen und schaffen, ganz in ihrem Ermessen und ihrem individuellen Tempo", erklärt Werkstättenleiter Rudolf Ingruber aus Lienz. Dabei ist es besonders wichtig, dass sie sich ausprobieren können. "Manche Werke brauchen Wochen, andere sind in fünf Minuten fertig. Das entscheidet alleine der Künstler", erzählt Sarah Zingerle von der Kunstwerkstatt Akzent in Bruneck, die mit ihrem Team die Künstler begleitet in Alltagssituationen, die ihnen schwerer fallen. Jedoch nicht in der Kunst, wie sie betont. Das kreative Gedankengut und die Umsetzung liegen alleine bei den Künstlern. Auch wenn die Gesellschaft sich in der Thematik Inklusion bereits positiv geöffnet hat, so liegt noch ein langer Weg bis zur toleranten Gesellschaft vor uns allen, beteuern die beiden Werkstättenleiter.

Gottfried Unterweger, Sarah Zingerle und Rudolf Ingruber
© Eder

Ein kleines Puzzlestück auf diesem Weg kann daher die Veranstaltung in Anras sein. Am Freitagabend um 18 Uhr wird die Ausstellung vom Anraser Bürgermeiser Johann Waldauf eröffnet. Im Anschluss wird zum Rundgang durch die Ausstellung geladen, mit den geübten Präsentatoren Julian Messner aus Bruneck und Gerwin Farcher aus Lienz. Um 20 Uhr findet das Symposium "Einander kennenlernen – voneinander lernen" statt, das die Erfahrungswerte der Referenten mit Beeinträchtigung sowie Angehörigen widerspiegeln und aufzeigen soll, wie Inklusion gelingen kann.

Die Band "Miteinanders" spielt am Sonntagvormittag
© KK/Pfleghaus Anras

Am Samstag und Sonntag hat die Kunstausstellung jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Am Samstag findet um 14.30 Uhr die Theateraufführung "Vom Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat" von der Theaterwerkstatt Akzent statt. Am Sonntag um 11 Uhr lesen Julian Messner und Annemarie Delleg aus ihren literarischen Werken, im Anschluss um 11.45 gibt die Band "Miteinanders" ihre Lieblingsstücke zwischen ruhig, melodisch und mitreißend rockig zum Besten.

Die Theaterwerkstatt Akzent spielt am Samstag das Stück "Vom Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat"
© KK/Kunstwerkstatt Akzent

Die Öffentlichkeit ist den Künstlern ein Anliegen. Sie freuen sich über das Feedback und die Gedanken der Besucher, welche sie wiederum in ihre Arbeit einfließen lassen. "Nur so wird man eine unverwechselbare, eigenständige Künstlerpersönlichkeit", sagt der Ingruber, der seit 23 Jahren die Kunstwerkstatt Lienz leitet.