Hermagor

Interview mit der Kunstsammlerin Agnes Essl

Kunstsammlerin, Geschäftsfrau, Christin – Agnes Essl. Im Hermagorer Schloss Möderndorf erzählte sie über Leben, Familie und Liebe zum Gailtal.

Kunstsammlerin Agnes Essl © kk/Esslmuseum
 

Ihr Name steht in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem für Kunst. Selbst für weniger Kunstinteressierte, denn die Schlagzeilen, die Ihre Familie mit der Baumax-Krise gemacht hat, waren nicht immer erfreulich und für Sie persönlich sehr belastend. Ist Ihnen da der Gedanken gekommen, Sie hätten in Ihrem Leben etwas anderes machen sollen?
AGNES ESSL: Ich würde nichts anders machen. Es ist manchmal nicht leicht. Aber ich habe erlebt, dass Gott einen Weg für uns vorgezeichnet hat. Er hilft uns aus Problemen heraus und führt uns auf Wege, von denen wir uns gar nicht vorstellen können, dass wir die gehen wollen. Dann entdecken wir, dass dieser Weg goldrichtig war. Wer das akzeptiert, kann mit einem fröhlichen Gesicht durch das Leben gehen.


Ihr Leben bezeichnen Sie als „Gewebter Teppich“, so lautet auch der Titel Ihrer Biographie. Wer steht hinter der Kunst?
ESSL: 15 Jahre lang war ich Mutter und Ehefrau. Erst dann hatte ich die Gelegenheit wieder in den Betrieb einzusteigen. Das hat mich damals schon sehr gefreut, dass ich gebraucht wurde.

kk/Esslmuseum
Hochzeit von Agnes und Karlheinz Essl © kk/Esslmuseum


Wie fügt sich Ihr tiefer Glaube da ein?
ESSL: Mein Vater war katholisch und meine Mutter evangelisch. Sie sind kaum miteinander in die Kirche gegangen. Ich habe das bedauert. Darum dachte ich mir, ich heirate einen Mann, der evangelisch ist, damit die Kinder mit uns in die Kirche gehen. Es war eine göttliche Fügung, das ich Karlheinz getroffen habe.

Lesekostprobe

Einmal hatte ich einen jungen Mann bei einem Seminar kennengelernt. (...) Meine Mutter meinte, ich solle ihn sonntags zum Kaffee einladen. Als er eintraf, war die Schwester meiner Mutter mit ihrer großen Familie erschienen. Auch meine Schwestern mit Anhang waren gekommen. Für mich war es eine Überraschung, dass die ganze Sippschaft zu Besuch war. (...) Nach einem kurzen Blickwechsel formulierte mein Vater eine eigentlich ungeheuerliche Frage: „Was haben Sie mit meiner Tochter vor?“ - „Nichts!“, war seine Antwort. Kurz entschlossen stand er auf und suchte das Weite. Auf diese Weise wurde ich meinen Freund los.


„Wie ein gewebter Teppich“, Agnes Essl, 304 Seiten, Amalthea Verlag.


Ihr Vater war auch in der Schwiegersohnauswahl streng. Hätte Karlheinz Essl, wenn Sie ihn in Österreich kennengelernt hätten, eine Chance gehabt?
ESSL: Ich glaube nicht. Wir mussten uns in Amerika kennenlernen. Er ist so eine starke Persönlichkeit, wie mein Vater. Das wäre nicht gut gegangen. Aber dann, als wir schon verlobt waren und er sich bei meinen Eltern vorgestellt hat, war es gut.

Das Verlobungsfoto von Agnes und Karlheinz Essl in New York, 1959 Foto © kk/Esslmuseum


Wann wussten Sie, dass „dieser Gailtaler Bursche“ Ihr Mann fürs Leben ist?
ESSL: Als er erzählt hat, dass er geschäftstüchtig ist. Ich habe so einen Mann gesucht.

Das klingt berechnend . . .
ESSL: (lacht) . . . ich bin raffiniert.

Fröhliche Stunden in Amerika 1959 Foto © kk/Esslmuseum

Sie haben in zweieinhalb Jahren vier Kinder zur Welt gebracht. Das fünfte Kind, eine Tochter, folgte bald. Wie haben Sie das geschafft?
ESSL: Mein Mann hat mir sehr geholfen. Er hat die Kinder gewickelt und ins Bett gebracht. Wir haben unser Leben gemeinsam angefangen und so weitergeführt.

Es gab nie Meinungsverschiedenheiten?
ESSL: Wir haben eine andere Sicht auf die Welt. Doch kommen wir immer auf einen grünen Zweig. Ein Ehepaar kann seine Meinungsverschiedenheiten auch im gemeinsamen Gebet aufarbeiten.

Mit der Familie Essl entstand eine tiefe Verbundenheit mit dem Gailtal. Fühlen Sie sich hier wohl?
ESSL: Ja, vor allem als meine Schwiegereltern noch gelebt haben. Wenn wir gekommen sind, hat meine Schwiegermutter oft gesagt: „Jetzt machst du einmal Pause und ich nehme die Kinder.“

Agnes Essl mit ihren Kindern Foto © kk/Esslmuseum

Und so kam es zur Verbundenheit mit dem Nötscher Kreis?
ESSL: Ja, den habe ich über den Essl Opapa kennengelernt. Diese Künstler liegen mir am Herzen.

Wie passen Künstler wie Hermann Nitsch in Ihr christliches Weltbild?
ESSL: Nitsch musste ich erst kennenlernen, um ihn zu verstehen. Erst fand ich das Blut-Farben-Gemisch ekelhaft. Ich glaube aber, jeder Mensch hat eine tiefe Sehnsucht nach Gott. Wenn einer sagt, er sei Atheist, dann gibt er diese Sehnsucht nur nicht zu.

Johanna Kandl und Agnes Essl Foto © kk/Esslmuseum

Das braucht eine große Portion Menschenliebe. Wie eröffnen Sie diese Zugänge auch anderen?
ESSL: Wenn man Kunst sammelt, hat man die Verantwortung, das der Öffentlichkeit zu präsentieren und Künstlergespräche möglich zu machen.

Agnes Essl mit Bianca Regl Foto © kk/Esslmuseum

Wie bringen Sie das Außenstehenden bei?
ESSL: Im Essl-Museum gibt es hervorragende Kunstvermittler. Die Hintergründe, Geschichte der Künstler werden erklärt – auch Kindern. Der Leiter der Kunstvermittler, Andreas Hoffer, steht mir bei Ausstellungen zur Seite. Ich habe ja leider nie studiert, sondern mir alles mit den Augen angelernt. In liebevoller Art und Weise kann er mich auch fachlich auf den rechten Weg führen. Das ist wichtig.

Zur Person

Agnes Essl wurde am 16. Mai 1937 in Klosterneuburg geboren.
Kindheit. Mit ihren Schwestern wuchs sie streng pietistisch auf.
Kunst. 1958 ging sie nach New York, sammelte Erfahrungen in der Zabriskie Gallery. Dort lernte sie den Kaufmann Karlheinz Essl aus Hermagor kennen und lieben. Gemeinsam schufen sie die bedeutende Kunstsammlung. Zu sehen ist diese im Essl Museum.

 

Was hängt in Ihrem Schlafzimmer?
ESSL: Aquarelle von Gottfried Salzmann. Ich mag diese Leichtigkeit.

CLAUDIA LUX

Kommentieren