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KinojubiläumEine Institution für Filmfans feiert einen "Runden"

Am 13. Dezember wird das Kino in Millstatt 60 Jahre alt. Seit 2013 ist Marielies Auersperg die treibende Kraft hinter dem "Millino", das von ihrem Vater mitgegründet wurde.

Marielies Auersperg im Millino“, das von 2010 bis 2013 modernisiert wurde. Der alte Charme ist aber geblieben
Marielies Auersperg im Millino“, das von 2010 bis 2013 modernisiert wurde. Der alte Charme ist aber geblieben © Rie-Press
 

Die Digitalisierung der Kinos, die 2010 in vollem Gange war, gab weltweit vielen kleinen Kinos den Rest. Sie trauten sich nicht über die finanzielle Hürde, die diese Umstellung mit sich brachte. Auch im Kino in Millstatt stellte sich in diesem Jahr die Frage: investieren oder zusperren? Dazu kamen sicherheitstechnische Auflagen, die weitere Investitionen notwendig machten. Der damalige Betreiber Anton Tacoli, der das Kino von 1976 an geleitet hatte, wollte aufgeben. Das war für seine Schwester Marielies Auersperg aber keine Option.

So kam es, dass das Kino in Millstatt einen anderen Weg ging, als so viele kleine Kinos – und daher heuer den 60. Geburtstag feiern kann. Für Auersperg, Tochter von Gherardo Tacoli, der das Kino mit seinem Kompagnon Kurt Moritz 1958 erbaut hat, war klar, dass das Kino im Ort bleiben muss. Mit EU- und Bundesmitteln, Förderungen des Regionalverbandes Nockberge und privatem Geld wagte sie – als Kinobetreiber-Neuling, der sich alles erst selbst beibringen musste – den Schritt ins Abenteuer Kino.

Das "Millino"

Geschichte.
Das Kino in Millstatt wurde 1958 von Architekt und Kinobesitzer Karl Moritz gebaut. Gherardo Tacoli war 50-Prozent-Eigentümer. Moritz leitetet das Kino bis 1975, danach folgte Gherardos Sohn Anton (bis 2010). Von 2010 bis 2013 modernisierte seine Schwester Marielies Auersperg das Kino, das bei der Wiedereröffnung in „Millino“ umbenannt wurde. Derzeit ist Auersperg auf der Suche nach einem neuen Pächter für das Kino und das angeschlossene Kaffeehaus. Informationen dazu gibt es unter Telefon 0664/1903111.
Karteninfos.
kino-millstatt.at. Kartentelefon: 0664/1258810, (04766) 2200.

Was sie dazu brachte, ist kein Geheimnis. Für Auersperg, die in den Sommern ihrer Jugend im Kino Millstatt jeden Film mit ihren Freunden gesehen hat, ist das Kino eine "Herzensangelegenheit". "Es ist für mich das Wichtigste, dass es einen Ort gibt, an dem man noch träumen kann. Es ist eine andere Welt, in der man die täglichen Sorgen für zwei Stunden vergessen kann." Aber es ist für sie nicht nur ein Ort der Flucht, sondern einer, an dem man nachdenkt, über sich und die Welt, das Leben und den Tod.

Deshalb hat Auersperg das Kino, das seit seiner Wiedereröffnung 2013 "Millino" heißt – den Namen hat Auerspergs Sohn Christoph beigesteuert –, nicht nur, was die Projektion und Tonanlage betrifft, modernisiert, sondern auch inhaltlich runderneuert. War es früher ein Kino, in dem man den kommerziellen Mainstream spielte – nicht anders als in den näheren und ferneren Kinocentern –, so setzt sie auf künstlerischen Anspruch. Programmatisch dafür war schon der erste Film, der im Jahr 2013 gespielt wurde: Julian Pölslers Verfilmung von Marlen Haushofers "Die Wand". Seither gab es Dokumentarfilme, manchmal mit Diskussionen, Arthouse-Kino, Konzerte und Kabarett.

Das Kino in Millstatt hat sich also in den Jahrzehnten seines Bestehens weit von den Anfängen entfernt. Einst stand es in einer Reihe mit anderen Kärntner Seenkinos, die in Fremdenverkehrsorten zur touristische Infrastruktur beitrugen. Von diesen Kinos hat einzig und alleine das "Millino" überlebt.

Ein wenig aus der Zeit gefallen - und gerade deshalb wunderbar: das "Millino" Foto © Rie-Press

Auersperg freut sich heute darüber, dass manche ihr Kino bereits das "Kultkino Millstatt" nennen. Sie freut sich auch darüber, dass das Einzugsgebiet für das "Millino" groß ist und weit über den Bezirk hinausgeht. Es ist aber mit einem Kinobetrieb mit 170 Sitzen – vor dem Umbau waren es 240 – nicht leicht, gegen die Konkurrenz aus Kinocentern und Pay-TV zu bestehen. Sie würde sich manchmal mehr Besucher wünschen.

Der 60er ist für ein Kino zwar ein schönes Alter, sie wird den runden Geburtstag aber nicht feiern. Auch deshalb, weil sie gemeinsam mit dem derzeitigen Pächter – Auersperg selbst lebt im Lavanttal – für das Kino und das angeschlossene Kaffeehaus einen neuen Pächter und Betreiber sucht. Kein leichtes Unterfangen.

Aber trotzdem kann man den Geburtstag gebührend feiern: mit einem Kinobesuch. Am 13. Dezember, dem Tag, an dem vor 60 Jahren das Kino das erste Mal vor zahlenden Besuchern gespielt hat, wird um 19.30 Uhr die österreichisch-deutsche Bestsellerverfilmung "Der Trafikant" von Nikolaus Leytner gezeigt.

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