Mölltal"Nǐ hǎo" heißt es in der Großglockner-Region

Die Bemühungen um den chinesischen Tourismusmarkt tragen im Mölltal Früchte. Die Region bereitet sich bereits auf die Gäste vor.

Wandern und Skifahren – Bergerlebnisse liegen in China im Trend
Wandern und Skifahren – Bergerlebnisse liegen in China im Trend © KK/Christian Senger
 

Die Kontakte sind geknüpft und werden gepflegt – China soll der neue Hoffnungsmarkt für das Mölltal werden. Und die Zeichen dafür stehen gut. Die Region rund um den Großglockner befindet sich gerade auf dem Weg zum Unesco Weltnaturerbe, ein Magnet für chinesische Urlauber. „Die Chinesen fahren gerne diese Welterbelisten ab. In Österreich wollen sie Salzburg und Wien als Weltkulturerbe sehen. Wir möchten den Großglockner auch auf die Must-Do Liste bringen“, sagt Sabine Seidler, Obfrau des Vereins Pro Mölltal.

Chinesischer Nationalchor im Mölltal

Den Anfang machte der Besuch des chinesischen Nationalchores im Mölltal, der mit einem fulminanten Konzert das Tal erklingen ließ. Mölltaler Sänger haben bereits einen Gegenbesuch in China gemacht. „Unsere Bemühungen tragen schon kleine, aber bedeutende Früchte“, freut sich Seidler. So hat sich die stellvertretende Direktorin des Chors so in das Mölltal verliebt, dass sie hier ihre Flitterwochen verbracht hat. Der chinesische Botschafter Li Xiaosi ist von der Bergwelt ebenso begeistert und ein Film, der mit den Gästen in der Region entstanden ist, wirbt bereits subtil für die Urlaubsregion in China. Doch ein freundliches „N ho“ (Guten Tag) reicht nicht aus, wenn die Gäste aus Fernost kommen. Die Tourismusanbieter müssen sich vorbereiten: Von Leih-Ausrüstungen für Wanderungen und Alpinsport angefangen bis hin zum Umgangskurs mit chinesischen Gästen in den Hotels.

Im Zuge der China-Offensive der Kärnten Werbung werden deshalb auch Beherbergungsbetriebe geschult. Einer der ersten Betriebe, der das in Anspruch genommen haben, ist die Nationalpark Lodge Großglockner. „Chinesische Gäste wollen immer ein Zimmer mit Badewanne, in der sie ihre Füße waschen können und natürlich müssen Wasserkocher und Tee bereitstehen“, erklärt Claudia Reibnegger von der Nationalpark Lodge.
Heißes Wasser wird überhaupt immer und zu jeder Zeit getrunken und sollte am Tisch immer eingedeckt werden. Bei der Begrüßung muss es dafür nicht immer eine Verbeugung sein, viele chinesischen Urlauber reichen in westlicher Manier gerne die Hand. „Es gibt kleine Finessen, die man zu beachten hat. Aber der chinesische Gast ist freundlich und dankbar“, sagt Reibnegger.

Komplizierte Visa-Bestimmungen

Rund um die Bemühungen, Urlauber aus dem Reich der Mitte in das Mölltal zu bringen, wird auch Kritik laut. Die Einreisebestimmungen seien problematisch, so ein Tourismusunternehmer mit geschäftlichen Kontakten in China. Die Visa-Bestimmungen seien mühsam, ja sogar ein „erniedrigendes Prozedere“. Die Gäste aus dem Mölltal müssten, laut Hotelier, zur Fingerabdruckabnahme auf die Bezirkshauptmannschaft Spittal gekarrt werden.

KK/Christian Senger Fasziniert vom Großglockner. Das Mölltal möchte sich als eines der  Lieblingsziele der Chinesen etablieren
Fasziniert vom Großglockner. Das Mölltal möchte sich als eines der Lieblingsziele der Chinesen etablieren © KK/Christian Senger

Tatsächlich gibt es gewisse Anforderungen, bestätigt Regina Roschitz vom Außenministerium. Darunter ein detaillierter Reiseplan oder eine Bestätigung über ein regelmäßiges Einkommen. Roschitz: „Es ist richtig, dass für den Antrag auf ein Schengenvisum Fingerabdrücke abgenommen werden müssen. Die Beantragung von Schengenvisa kann bei der Österreichischen Botschaft in Peking, beim Österreichischen Generalkonsulat Shanghai oder bei einem der Visa application centers erfolgen.“ Sabine Seidler, die dieses Verfahren für den chinesischen Nationalchor bereits hinter sich gebracht hat: „Man muss sich damit beschäftigen. Aber bei allen Stellen – von der Botschaft bis zum Ministerium – wurde mir stets freundlich weitergeholfen.“

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