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Reisseck

"Die Reißeck Hütte aufzugeben, tut schon weh"

Eisern hielten Maria und Johann Pschernig nach Einstellung der Reißeckbahn heuer am Berg die Stellung für ein paar Gäste am Tag. Nun wollen sie sich aber nach einer neuen Hütte umsehen.

Die langjährigen und beliebten Hüttenwirte Maria und Johann Pschernig blicken in eine ungewisse Zukunft © Camilla Kleinsasser
 

Stockfinster ist es. Lediglich eine Stirnlampe schafft für Johann Pschernig etwas Licht im Dunkel des Tunnels. Geräusche macht nur der Reifen der Radeltruhe auf dem feuchten Boden, die Pschernig vor sich her schiebt, beladen mit Lebensmitteln. Was man auf einer Almhütte halt so braucht für ein paar Gäste. „Hier ist es still. Das ist besser als Yoga“, scherzt Pschernig.

Er ist der Einzige, der den Tunnel außer den Verbund-Mitarbeitern nutzen darf. Zentimeter neben seinen Füßen verlaufen die alten Gleise der Schmalspurbahn, die bis vor zwei Jahren Gäste von der Reißeckbahn am Schoberboden bis zum alten Hotel befördert hat. Rund 60.000 Gäste bevölkerten hier die Gegend unterhalb der Mühldorfer Stauseen pro Saison. Viele kehrten auch bei der Reißeck Hütte von Maria und Johann Pschernig zu, auf Fleischnudel, Schweinsbraten, Schnitzel, Scheiterhaufen oder Käsespätzle, die die Wirtin nach einer Saison in Vorarlberg hier erst etabliert hat. Jetzt tummeln sich hier nur noch ein paar Schafe und Murmeltiere.

Wehmut spielt mit

„Wenn man so allein durch den dunklen Tunnel geht, zweieinhalb Kilometer, ein-, zweimal die Woche, kommt auch mal Wehmut auf, wenn man an diese Zeiten denkt. Wir waren jeden Tag gut besucht. Auch bei schlechtem Wetter sind viele auf Kaffee und Mehlspeise gekommen. Man kann sich kaum vorstellen, dass es so weit gekommen ist, dass die Bahn nicht mehr fährt. Immerhin war sie eines der beliebtesten Ausflugsziele in Kärnten. Manchmal packt uns auch der Ärger, dass nicht Klartext gesprochen wurde. Alle Versprechungen waren am Ende wertlos. Hier hat man ein touristisch komplett erschlossenes Gebiet sterben lassen“, kritisiert Pschernig, der im Winter als Liftwart am Obertauern arbeitet.

Lebensmittel brachte Johann Pschernig in den vergangenen zwei Jahren mit der Radeltruhe durch den alten Schmalspurbahn-Tunnel zur Hütte Foto © Camilla Kleinsasser

REISSECK HÜTTE

Geschichte. Erbaut 1908 in 2300 Metern Seehöhe. Die Hütte gehört dem Österreichischen Alpenverein, Sektion Gebirgsverein. Von 1948 bis 1958 wurden die Staumauern hinter der Hütte errichtet. Von 1962 bis zum Ende des Skibetriebs am Reißeck im Jahr 2000 war die Hütte auch im Winter in Betrieb. 2006 wurde sie noch einmal renoviert.

Die Hütte war Zuhause

Trotz Einstellung der Bahn hielten die Pschernigs auch heuer als Einzige die Stellung für ein paar Gäste. Zum einen, weil sie die Geräte, mit denen sie die Hütte ausgestattet haben, ohne Zufahrt nicht wegbringen. Vor allem aber, weil es schwer ist, zu gehen: „Wir haben hier so viele Leute kennengelernt, Freunde gewonnen. Die Hütte war 32 Jahre im Sommer unser zu Hause, bis 2000 auch im Winter. Unsere Kinder sind hier aufgewachsen, unsere Tochter wollte die Hütte weiterführen.“

Wir müssen nach vorn schauen. Es nutzt nix. 

Johann und Maria Pschernig
Zusammen wollen sie sich nun nach einer neuen Hütte umsehen, die Reißeck Hütte sperren sie am 15. September zu. „Für ein paar Gäste offenzulassen, lohnt sich nicht. Wir müssen nach vorn schauen. Es nutzt nix.“ Die Hoffnung, dass es doch noch weitergeht und sich ein Betreiber für die Bahn findet, ist gering.

Stützpunkthütte am Höhenweg

Die Reißeck Hütte mit ihren 30 Schlafplätzen ist allerdings Stützpunkthütte des Alpenvereins am Reißeck Höhenweg. Bis zu den nächsten Hütten oder ins Tal ist es weit. Für Weitwanderer müsste die Hütte also irgendwie zugänglich bleiben. „Wie wir das machen könnten, müssten wir dann überlegen. Aber noch ist die Sache mit der Bahn für uns nicht vom Tisch“, erklärt Thomas Walenta vom Gebirgsverein. Verständnis für die wirtschaftlichen Sorgen des Pächters hat er allemal: „Wir hätten es verstanden, wenn er heuer nicht aufgesperrt hätte und sind ihm dankbar.“

PARLAMENTARISCHE ANFRAGE

Konzessionsinhaber der Reißeckbahn ist die Verbund Austrian Hydro Power AG. Dass eine Einstellung wegen wirtschaftlicher Unzumutbarkeit für die drei Bahnsektionen beim Verkehrsministerium beantragt wurde, bestätigt die Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, die Mühldorfs Bürgermeister Nationalrat Erwin Angerer ans Ministerium gerichtet hatte. Die Konzession würde erst im Mai 2022 enden. Vor einer Entscheidung müssten jedenfalls die betroffenen Gemeinden angehört werden, sie haben aber keine Parteistellung. Eine Entschädigung für Investoren, die im Vertrauen auf den Bestand der Bahnen investiert haben, sei laut Seilbahngesetz nicht vorgesehen.

Reisseck: Menschenleeres Seenplateau

Am Seenplateau, das früher von hunderten Gästen bevölkert wurde, tummeln sich heute nur noch ein paar Schafe.

Camilla Kleinsasser

Nur Maria und Johann Pschernig von der Reißeck Hütte haben Stellung gehalten.

Camilla Kleinsasser

Die Lebensmittel für die Hütte transportierte Pschernig mit dem Auto bis zum Schoberboden.

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Anschließend mit der Radeltruhe durch den finsteren Tunnel bis zum Seenplateau.

Camilla Kleinsasser

Von dort mit dem Traktor bis zur Hütte.

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Das ehemalige Hotel und Restaurant am Reißeck ist komplett verlassen.

Camilla Kleinsasser

Am Spielplatz gibt es kein freudiges Kindergeschrei mehr.

Camilla Kleinsasser

Hier war der "Bahnhof" der Schmalspurbahn beim Hotel.

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Die verlassene Restaurant-Terrasse.

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Eine Wanderung zu den Mühldorfer Stauseen ermöglichte Besuchern den Ausblick auf ein traumhaftes Panorama.

Camilla Kleinsasser

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Kommentare (8)

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steel
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ewig

schade

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gundolfm
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Schade

Schade um diese schöne Tourismusregion! Es war ein Ausflugsziel für jung und alt, man konnte sogar mit kleinen Kindern direkt ins Hochgebirge fahren - die 2 Bahnen - ein Erlebnis für die Kleinen (und auch für die Großen), und für mich ein toller Ausgangspunkt für manche wunderschöne Bergtour.

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adrianklafu
9
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ach gott

tut mir ja leid für die betreiber der hütte , bin aber prinzipiell jedesmal froh wenn die touristen vor allem in den bergen weniger werden und die natur wieder zurückkehrt. es muss nicht auf jedem berg vor touris nur so wimmeln. es muss auch nicht jedes tal landwirtschaftlich bewirtschaftet sein wenns nur mehr mit subventionen aufrecht erhalten werden kann. ich seh wenig positives an kulturlandschaft mit glyphosat-spritzmittel und monsanto-monokulturen. gebt der natur einfach mal ein wenig raum zurück. man sieht ja in afritz was passiert wenn überall der mensch alles kaputt macht und sich überall ausbreitet. ich weiss ich bin echt radikal aber wenn wir uns ehrlich sind, so ist es die menschheit die die umwelt seit über hundert jahren radikal und gnadenlos ausbeutet.

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jahcity
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Dort oben

ist die Natur mehr oder weniger vollständig zerstört. Staustufen, Tunnels, Wasserableitungen, alte Skipisten, Hotelruine usw. Dort können Touristen nix mehr kaputt machen...

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jahcity
1
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Bahn weg

Wasser weg, Touristen weg, Talschaftsalmosenvertrag, Das gesamte Mölltal hat sich über den Tisch ziehen lassen...

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machr
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Wo waren die Bürgermeister?

Da haben die Bürgermeister vor der Genehmigung von Reißeck 2 vergessen eine Bestandsgarantie für die Reißeckbahn auszuhandeln. Jetzt wo Reißeck 2 fertig ist und die Gemeinden kein Druckmittel mehr haben, kann man die Reißeckbahn einfach schließen.

Aus wirtschaftlicher Sicht des Verbunds ist es ja verständlich. Aber wenn man soviel Natur zerstört und Gewinn aus der Region lukriert, muss auch etwas zurückgegeben werden!

Ich hoffe die Gemeinden finden noch ein Druckmittel um die Reißeckbahn zu erhalten.

Ob eine Straße auf einem Lawinenhang die Zufahrt zu den Staumauern im Winter sichern kann ist für mich auch fraglich...

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2jr2xavtcuwifhmsai41tpdn8vqydwos
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darf man

durch den Tunnel zur Hütte wandern?

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machr
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Der Hüttenwirt ist der einzige nicht Verbund Mitarbeiter der durch den Tunnel gehen darf

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