Für die Bewohner am Maltaberg, Gemeinde Malta, heißt es derzeit ausharren. Nach zwei Murenabgängen, die sich gestern in der Früh und gegen 17 Uhr ereigneten,  ist die Gemeindestraße als einziger Verbindungsweg ins Tal komplett gesperrt. Selbst Fußgänger dürfen nicht passieren. Auch im hinteren Maltatal musste die Maltatal Landesstraße im Bereich Koschach gesperrt werden.

Gemeindestraße ist zerstört, die Bewohner des Maltabergs sitzen fest
Gemeindestraße ist zerstört, die Bewohner des Maltabergs sitzen fest © KK/Rüscher

Pioniere im Einsatz

Diese Bäume werden von den Villacher Pionieren entfernt
Diese Bäume werden von den Villacher Pionieren entfernt © KK/GEMEINDE MALLNITZ
Feuerwehrmänner helfen beim Ausladen der Lebensmittel
Feuerwehrmänner helfen beim Ausladen der Lebensmittel © KK/GÜNTHER NOVAK

In Mallnitz wird alles unternommen, um nach Tagen des Unwetters wieder Normalität einkehren zu lassen. Der Zivilschutzalarm wurde Dienstagfrüh aufgehoben. 20 Villacher Pioniere sind mit Kompaniekommandant Markus Jansche seit Dienstag in Mallnitz im Assistenzeinsatz, um die Mallnitzer Straße nach einem Murenabgang wieder freizuräumen. „Wir unterstützen die Aufräumarbeiten mit Baggern, Kippern und Kettensägen, um die Hauptverkehrswege von den Geröllmassen und Verklausungen zu befreien und wieder befahrbar zu machen.“, sagt Jansche. Diese Arbeiten werden vermutlich mehrere Tage brauchen.

Das Bundesheer führte in Mallnitz Dienstagvormittag auch Versorgungsflüge durch, um den örtlichen Billa mit Lebensmitteln zu beliefern. Montagabend ist es laut Bürgermeister Günter Novak gelungen, Allgemeinmediziner Christian Schroth nach Mallnitz zu bringen: „Er konnte bis zum Murenkegel im Ort Lassach fahren, die Feuerwehr hat ihn dort abgeholt und nach Mallnitz gebracht.“ Die Lawinengefahr ist in Mallnitz noch immer erheblich. „Die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Lawinenkommission tagen quasi permanent, um situationsbedingt sofort entscheiden und handeln zu können“, lobt Novak die freiwilligen Helfer.

Hangrutschung bedroht bis zu zehn Häuser

In Berg im Drautal bleibt der Zivilalarm aufrecht und an die zehn Häuser weiterhin evakuiert. Betroffen sind Anwohner der Ortschaften Oberfrallach, Berg und Emberg. "Es regnet weiterhin und alle paar Stunden setzt sich der Hang und es bilden sich Risse", erklärt Bürgermeister Wolfgang Krenn. Auch auf der Emberger Alm ist die Situation noch angespannt. Die Straße ist noch verlegt und die Verbindung zu den Anwohnern nur zeitweise gegeben.

In der Nacht zum Mittwoch befürchtet man, dass sich die Situation mit weiterem Niederschlag noch anspannen könnte. "Wir sind bereit", sagt der Bürgermeister. Ebenso wie beide Gasthäuser der Gemeinde: "Dort hat man sich bereit erklärt 24 Stunden erreichbar zu sein, falls noch mehr Evakuierungen notwendig sind und jemand in der Nacht eine Unterkunft braucht", sagt der Bürgermeister. 

Kremsbrücke über Gmünd nicht erreichbar

Ein Bild der Verwüstung zeigt sich nach den verheerenden Regenfällen auch in der Gemeinde Krems. Schlamm und Geröll haben die Katschberg Bundesstraße ab Kremsbrücke in Richtung Gmünd unpassierbar gemacht. Die Sperre wird sicher über Tage wegen der Schäden und massiver Erdrutsche gesperrt bleiben. Bürgermeister Johann Winkler: „Wir warten auf den nächsten Hubschrauberflug, um die Lage zu erkunden.“ Die Bewohner in Krems haben Glück im Unglück: Die Straße nach Rennweg ist befahrbar. Dort kann man auf die Autobahn auffahren.

Die Innerkremser Landesstraße zwischen Kremsbrücke in Richtung Innerkrems war wegen abgegangener Muren bis heute, Dienstag, 14.30 Uhr gesperrt. Dort können die Bewohner nun aufatmen. Gesperrt bleibt in Krems auch die Gemeindestraße in Richtung Heitzelsberg.

Muren verlegten Straßen in die Innerkrems
Muren verlegten Straßen in die Innerkrems © KK/Stoxreiter

Am Montag gingen in der Vorderkrems weitere Muren ab, die die Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten haben. "Die Muren kamen links und rechts herunter. Gott sei Dank ist niemandem etwas passiert. Ich bin nicht zur Arbeit gekommen", schildert Eveline Stoxreiter. Die Betroffenen setzen auf Nachbarschaftshilfe: "Wir schauen untereinander, wer Hilfe braucht." In Eigeninitiative wurde eine WhatsApp-Gruppe gegründet, um einen Informationsfluss zu gewährleisten und über Straßensperren zeitnah zu berichten.

Drautalstraße: Mure kann nicht geräumt werden

Seit Montag in der Früh ist die Drautalstraße zwischen Radlach (Steinfeld) und Greifenburg für jeglichen Verkehr gesperrt. Zwei Muren sind abgegangen. Die Dauer der Sperre ist nicht absehbar, da der Hang noch immer rutscht und Räumungsarbeiten in diesem Abschnitt zu gefährlich wären. Straßenmeister Michael Hartlieb: "Die Aufräumarbeiten bei der ersten Rutschung sind im Gang. Bei der zweiten Rutschung ist der Hang zu labil. Erst wenn der Hang abtrocknet können wir hier arbeiten." Wann dies der Fall sein wird, entscheidet ein Geologe. Wann die Räumung startet und die Straße wieder frei ist, sei nicht einzuschätzen.

LKW-Stau bis nach Steinfeld

Kurioserweise wollten sich LKW-Fahrer von ihrer Route durch das Drautal trotz Straßensperre, auf die schon in Sachsenburg hingewiesen wird, nicht abbringen lassen. Bis nach Steinfeld staute sich eine LKW-Kolonne. Hartlieb: "Die Exekutive hat die Fahrer auf die Sperre aufmerksam gemacht. Viele wollten aber lieber warten, anstatt zu wenden und eine Ausweichroute zu nehmen."  Noch immer harren einige uneinsichtige Fahrer vor der Straßensperre aus, obwohl es ungewiss bleibt, wann eine Weiterfahrt wieder möglich ist.

Straßenarbeiter sind gefordert

"Wir arbeiten mit zirka 60 Mann und allen verfügbaren Geräten im gesamten Bezirk", sagt der Leiter des Straßenbauamts Spittal, Horst Tuppinger. "Im Bereich Radlach müssen wir warten bis sich die Wasserführung im Hang beruhigt. Dort zu arbeiten, wäre viel zu gefährlich. Das ist ein unscheinbarer Hang, der sich aber schlagartig entladen kann, ähnlich wie in Bad Kleinkirchheim", erklärt Tuppinger, der seit Samstag unentwegt mit den Landesgeologen unterwegs ist, um zu schauen, wo die Verkehrsbedingungen wiederhergestellt werden können. "Der gesamte Bezirk ist betroffen, so etwas habe ich bisher nicht erlebt. Hier geht es auch um Ressourcen. Es gibt drei Landesgeologen, die aber überall gebraucht werden."

Mölltal

Der Iselsberg konnte laut Straßenbauamt wieder geöffnet werden. Im Mölltal ist die Strecke von Rottau bis Schmelzhütten stündlich einspurig mit einem Lotsendienst für PKW befahrbar.

In Stall im Mölltal ist die Lage nach wie vor angespannt, wie Bürgermeister Peter Ebner berichtet: "Wir haben die Straße nach Sonnberg und Steinwand mittlerweile freigegeben, aber wir wissen nicht, für wie lange, denn es regnet schon wieder. Wir werden am späten Nachmittag eine Entscheidung treffen. Die Mitarbeiter vom Bauhof sind mit der Feuerwehr und freiwilligen Helfern im Dauereinsatz. Hut ab und Danke an alle!" Am Stiefelberg sei die Situation weiterhin kritisch, was die Gefahr für ein Stallgebäude und eine Güllegrube betrifft.

Die Bürger, die nahe des Reißbachs in Flattach wohnen und am Sonntag evakuiert wurden, durften wieder in ihre Häuser zurück.

Feuerwehr-Hotspots

Laut Walter Egger, Pressesprecher des Bezirksfeuerwehrkommandos war die Einsatz-Lage während der Nacht auf Dienstag ruhig: "Der heute Tag wird vorwiegend für Versorgungsflüge und Befliegungen bzw. Begutachtungen durch die Geologen genutzt. Hubschrauber konzentrieren sich auf das Mölltal. In Flattach gibt es im Bereich Fraganter Straße Straßenabbrüche, die begutachtet werden müssen. In Baldramsdorf muss vordringlich der Gschießer Bach begutachtet werden."

Versorgung im Lesachtal über Osttirol möglich

Im Lesachtal ist man bemüht die Versorgung aufrecht zu erhalten. „Die Straße von Osttirol wird heute für die Strommonteure und den Lebensmittel-LKW zur Versorgung geöffnet. Freigegeben wird sie noch nicht, da ein Schneebrett am Hang noch in Bewegung ist und beobachtet werden muss“, erklärt Bezirkshauptmann Heinz Pansi. Auch am Gailberg ist die Straße noch gesperrt.

Im restlichen Gailtal ist die Lage soweit unter Kontrolle. „Der Pressegger See und die Gail führen Hochwasser, das wird erst in den nächsten Tagen zurückgehen“, erklärt Pansi.

Auch die Seen führen Hochwasser

Die Hochwasserstände in Oberkärnten sind erhöht, aber noch im Rahmen eines fünf- bis zehnjährigen Ereignisses“, erklärt Stefan Santner von der Abteilung 12 für Wasserwirtschaft. Der Millstätter See, der Pressegger See und der Weißensee führen Hochwasser, die teils als 30-jähriges Ereignis eingeteilt werden. Zum Mittelwasser ist der Millstätter See 133 Zentimeter, der Pressegger See 114 Zentimeter und der Weißensee 120 Zentimeter angestiegen. „Die Abflüsse werden kontrolliert, es gibt keine Behinderuhngen, sie kommen aber auch an ihre Grenzen“, erklärt Santner. Man wird die nächsten Tage abwarten müssen, bis sich die Pegel wieder normalisieren. Ein technisches Eingreifen in den Abfluss von Seen wird hinausgezögert. „Jeder Eingriff beeinflusst den Wasserhaushalt und die Hydrologie eines Sees. Das gilt es zu Vermeiden“, so Santner.

Katschberg wieder mit Ketten befahrbar

Am Katschberg hat sich die Lage beruhigt. Die Katschbergstraße ist wieder freigegeben und mit Ketten befahrbar. "Die Katastrophe ist hier zum Glück ausgeblieben. Jetzt geht es an die Arbeit, um den Weg ins Gontal zu räumen. Dort startet am 27. November der Katschberger Adventweg", schildert Destinationsmanager Markus Ramsbacher.