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Interview

Wilhelm Kuehs: "Schreiben lernt man nur durch Schreiben"

Autor Wilhelm Kuehs im Interview über die Teilnahme beim Bleiburger Literaturpreis „Kärnten wortwörtlich“ und seinen Kärnten-Krimi "Der letzte Rock hat keine Taschen", der jetzt erschienen ist.

Das Buch „Kärntner Sagen“ von Wilhelm Kuehs wurde gut angenommen
Das Buch „Kärntner Sagen“ von Wilhelm Kuehs wurde gut angenommen © Daniela Grössing
 

Sie haben im Vorjahr den Bleiburger Literaturpreis gewonnen. Was zeichnet den Bewerb aus?
WILHELM KUEHS: Der Wettbewerb ist so spannend, weil er ein mehrsprachiger Bewerb mit Einsendungen von hoher Qualität aus dem Alpen-Adria-Balkan-Raum ist. Ich habe einen Text mit dem Titel „Sarajevo Falling“ eingereicht. Es ist eine Roadstory, die 1999 spielt und in der die Zerstörungen des Krieges, die noch immer allgegenwärtig sind, beschrieben werden.


Warum haben Sie dieses Thema gewählt?
KUEHS: In dieser Erzählung verarbeite ich die traumatischen Erfahrungen, die ich während meiner Zeit als Lektor an der Universität in Osijek in Kroatien gesammelt habe. Ich habe damals nicht damit gerechnet, in ein Kriegsgebiet zu kommen, da der Krieg schon Jahre vorbei war. Es gab aber noch viele Landminen, denen auch Bekannte von mir zum Opfer gefallen sind. Der Krieg hört nicht einfach auf. Das ist die Botschaft des Textes.


Ist es wichtig, als Autor an solchen Bewerben teilzunehmen?
KUEHS: In der Jury sitzen oft Lektoren, das hilft bei der Verlagssuche. Der Haymon-Verlag, wo ich jetzt gelandet bin, kriegt in der Woche 200 Manuskripte. Die kann man nicht alle lesen. Die nehmen Leute, die empfohlen werden oder die man von Bewerben kennt. Außerdem lernt man das Schreiben nur durch das Schreiben. Je mehr Erfahrungen man sammelt, desto besser.


Ist es schwierig, einen Verlag zu finden?
KUEHS: Enorm schwierig. Man muss sich darauf gefasst machen, dass, wenn man ein Manuskript an 30 Verlage schickt, man 31 Absagen kriegt. Das sagt nichts über die Qualität des Textes aus. 


Was braucht ein guter Text?
KUEHS: In der Literatur muss es ums wirkliche Leben gehen. Um das, was uns bewegt. Wie etwa, dass in Kärnten Geld veruntreut worden ist. 


Vor wenigen Tagen ist ein neues Buch von Ihnen erschienen. Ein Kärnten-Krimi. Worum geht es?
KUEHS: Ein tibetischer Mönch stürzt über den Gebetspfad des Tibet-Zentrums in Hüttenberg und stirbt. Bei den Ermittlungen spielen die Machenschaften der Kärntner Politik in der Zeit, als Jörg Haider Landeshauptmann war, die Tibeter und die nationalsozialistische Vergangenheit von Heinrich Harrer eine Rolle. 


Kann man als Schriftsteller in Kärnten (über)leben?
KUEHS: Man muss sich engagieren. Mein neues Buch erscheint jetzt und das erste Gehalt dafür sehe ich nächstes Jahr im März. Um das zu überbrücken, erhalten Schriftsteller Arbeits- und Werkstipendien vom Bund und vom Land, jetzt aufgrund der schwierigen Situation in Kärnten aber wahrscheinlich nicht mehr. Davon kann man aber kein Luxusleben führen. Ich mache beispielsweise zusätzlich Sagenlesungen und Sagenwanderungen und bin als Lektor an der Universität Klagenfurt tätig. 


Warum ein Krimi? Sind Sie der Sagen überdrüssig geworden?
KUEHS: Nein überhaupt nicht, aber man muss auch schauen, wo man Geld verdienen kann und das kann man bei Krimis besser als bei den Sagenbüchern. Aber die Sagen und die Mythologie spielen auch bei den Krimis eine Rolle. Der nächste Kärnten-Krimi ist übrigens auch schon fertig und erscheint im Jänner. Ich plane eine Kärnten-Trilogie, in der der Niedergang des Landes in ganz persönlichen Schicksalen beschrieben wird. 

Wilhelm Kuehs bei einer Sagenlesung
Wilhelm Kuehs bei einer Sagenlesung Foto © Daniela Grössing

AUF EINEN BLICK

Preis. Heuer schreibt die Stadtgemeinde Bleiburg zum sechsten Mal den Literaturpreis „Kärnten wortwörtlich/Koroška v besedi“ aus. Texte in zweifacher Ausführung können in deutscher oder slowenischer Sprache bis zum 31. Juli an das Kulturreferat geschickt werden. Der Bewerb teilt sich in die Kategorien Lyrik und Prosa. Eingereicht werden dürfen entweder sieben bis neun Gedichte oder ein Prosatext in einem Umfang von sechs bis acht A4-Seiten. Schriftgröße 12, Zeilenabstand 1,0. Text und Name des Autors sollen durch ein Kuvert getrennt und mit einem neutralen Code versehen werden.


Verleihung. Die Texte werden von einer Fachjury bewertet und im Rahmen einer Lesung bekannt gegeben. Als Preis winken 700 Euro.

Buch. „Der letzte Rock hat keine Taschen“, ein Kärnten-Krimi von Wilhelm Kuehs, ist ab dieser Woche in den Buchläden erhältlich.


Autor. Der Wolfsberger Wilhelm Kuehs lebt in Völkermarkt.


INTERVIEW: DANIELA GRÖSSING

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