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Ära Bischof SchwarzZehn Fragen zur Mission des Visitators

Im Auftrag des Papstes startet Erzbischof Lackner am Montag mit der Kontrolle der Kärntner Kirche. Es geht um die Ära von Bischof Schwarz und die jetzige Kirchenleitung. Viele Konsequenzen sind möglich.

Erzbischof Franz Lackner beginnt am Montag mit der Visitation der Katholischen Kirche Kärnten © APA/GEORG HOCHMUTH
 

1. Was bedeutet die apostolische Visitation der Kärntner Kirche, die am Montag beginnt?
Es soll eine „transparente Klärung“ sein, die im Auftrag des Papstes erfolgt. Während jeder Bischof routinemäßig seine Pfarren visitiert, ist eine apostolische Visitation selten und anlassbezogen. In Kärnten sind die Vorwürfe gegen Bischof Alois Schwarz in seiner Ära in der Diözese Gurk-Klagenfurt der Anlass. „Eine Unruhe, die die Diözese seit Jahren erfasst hat, ist mit der Sedisvakanz (Zeit ohne Bischof, Anm.) aufgebrochen“, heißt es. Durch die Prüfung von übergeordneter Stelle soll eine gute pastorale Entwicklung ermöglicht werden.

2. Wann gab es zuletzt eine apostolische
Visitation in Österreich?
2004 visitierte der damalige Vorarlberger Bischof Klaus Küng die Diözese St. Pölten. Anlass war die Affäre im Priesterseminar. Bischof Krenn trat in der Folge zurück, Küng wurde Bischof von St. Pölten.

3. Warum wurde der Salzburger Erzbischof Franz Lackner von Rom zum Visitator für Kärnten bestellt?
Im Normalfall wird der Metropolit, also der für eine Diözese zuständige Erzbischof, bestellt. Für Gurk-Klagenfurt ist es Franz Lackner. Hätte Rom nicht Lackner ernannt, wäre das als Misstrauen ihm gegenüber ausgelegt worden. Allerdings gibt es Kritik, zuletzt auch vom Salzburger Dogmatikprofessor Hans-Joachim Sander: Lackner wäre gut beraten gewesen, zu sagen, dass er befangen sei. Auch in Priesterkreisen wird darauf hingewiesen, dass Lackner und Schwarz eine persönliche Freundschaft verbinde. Zudem sitzt Lackner seit Jahren in der Bischofskonferenz und sei deshalb bestens über die Causa Schwarz und die Vorwürfe gegen diesen informiert gewesen.

4. Wie reagiert der
Visitator auf die Vorwürfe der Befangenheit?
Erzbischof Franz Lackner deponierte, dass er Sorge tragen werde, dass die Visitation „in großer Objektivität stattfinden wird“. Aus Salzburg heißt es, „der Herr Erzbischof wird an seiner Arbeit zu messen sein“. Seine erste Aufgabe in Kärnten sei es, zu hören. „Mit größtmöglicher Offenheit werde ich auf alle Seiten zugehen und alles prüfen.“ In Kärnten betonen manche, dass der Prüfbericht der Arbeitsgruppe Bistum zur Ära Schwarz ohnehin bereits vorliege.

5. Wie lautet der Prüfauftrag aus Rom?
Der Prüfauftrag aus Rom wurde per päpstlichem Dekret an Erzbischof Lackner übermittelt. Laut Kathpress soll „der Zustand der Diözese Gurk-Klagenfurt in Bezug auf die katholische Lehre und Leitung in Augenschein genommen werden, das heißt, die tieferliegenden Gründe, die zur gegenwärtigen Verwirrung führten, zu erforschen und dem Heiligen Stuhl zu berichten“. In Kärnten herrschte zuletzt Aufregung, weil es hieß, dass nur die Zeit der Sedisvakanz, also jene von Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger als Interimsleiter, geprüft werde. Freitag stellte Erzbischof Lackner klar, dass „das Ganze“ geprüft werde: das Wirken der jetzigen Kirchenleitung und die letzten zehn Jahre der Ära Schwarz. In Abstimmung mit der Bischofskongregation in Rom sei der Prüfungszeitraum ab 2008 festgelegt worden. Innerkirchlich wird Letzteres von manchen als Ausweitung des ursprünglichen Prüfauftrages gesehen.

6. Stimmt es, dass der Visitator auch den Auftrag hat, Akte der jetzigen Kirchenleitung zu revidieren, die gegen das Kirchenrecht verstoßen, wonach während der Sedisvakanz nichts verändert werden darf?
Einen entsprechenden Passus im Prüfauftrag zitiert „Die Presse“. Es sei dem Diözesanadministrator untersagt, etwas zu tun, was eine Beeinträchtigung der bischöflichen Rechte mit sich bringen könnte. Guggenberger und das Domkapitel als Entscheidungsgremium haben seit Juli Dienstverträge beendet und die Chefsessel im Bildungshaus St. Georgen/Längsee, im Bistum und in der Finanzkammer der Diözese neu besetzt. Als Paket präsentiert wurde zudem: Die Verwaltungseinheiten von Diözese und Bistum wurden verschränkt, um künftig bischöfliche teure Alleingänge zu verhindern. Erstmals soll es eine Offenlegung des Rechnungsabschlusses des Bistums geben. Diese Maßnahmen gelten für die Zeit der Sedisvakanz, betonte Kanzler und Kirchenrechtsexperte Jakob Ibounig bei der Bekanntgabe Mitte Dezember. Über die Zeit danach habe der neue Kärntner Bischof zu entscheiden. Wobei man davon ausgehe, „dass dieser die Korrekturen dankend annimmt, um unbefangen starten zu können“.

7. Wie lange soll die
Überprüfung dauern?
Erzbischof Lackner sprach zuletzt davon, dass er und die von ihm eingesetzte Arbeitsgruppe bis zum Beginn der Fastenzeit (der Aschermittwoch fällt auf den 6. März) tätig sein wolle. Details zur Prüfung wird er Montagvormittag mit dem Visitationsteam bei einem Pressetermin in Klagenfurt der Öffentlichkeit bekannt geben. Da soll klar werden, ob Guggenberger und das Domkapitel in der Zeit der Visitation Entscheidungen treffen dürfen. Oder ob diese der Visitator trifft. Oder ob dieser nur ein Fragender und Hörender ist. Montag findet das erste Arbeitsgespräch mit Guggenberger und dem Domkapitel statt.

8. Wer ist im Prüfteam mit dabei?
Bis jetzt sind der Vorarlberger Bischof Benno Elbs und der steirische Caritas-Direktor Herbert Beiglböck offiziell bestätigt. Im Team sollen zudem der Grazer Spitalsleiter Christian Lagger und Kirchenrechtsexperte Helmuth Pree aus München sein.

9. Was passiert in der Folge mit dem Prüfbericht?
Der Visitator muss ihn dem Papst übermitteln, er ist nur diesem gegenüber verpflichtet. Die Kärntner Kirchenleitung müsste den Prüfbericht gar nicht erhalten, erwartet das allerdings im Sinne von Transparenz.

10. Was können Konsequenzen aus der apostolischen Visitation sein?
Das ist selbst für Kirchenexperten „völlig offen“ und deshalb Anlass für Spekulationen: Es könnte „eh alles passen“. Es könnte eine Rücktrittsaufforderung für Bischof Schwarz geben. Guggenberger könnte als Administrator abgesetzt werden und Rom einen apostolischen Administrator einsetzen. Viele rechnen damit, dass Rom eher rasch nach der Visitation einen neuen Bischof für Kärnten ernennt, um eine neue Ära einzuläuten.

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Danke für Ihr Verständnis.

GordonKelz
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MAN...

...braucht hier nicht Posten, falls Kritik enthalten ist !
Gordon Kelz

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joschi41
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Ach Gott

Herr Kelz, Sie sind doch nach allem, was ich bisher von Ihnen gelesen habe, ein Gutmensch. Ich denke, gut verpackte Kritik kommt an, und wird nicht gelöscht.

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