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Kärnten internNeue Kirchenführung nützt Zeitfenster

Im Herbst soll nach der exakten Durchforstung des Bistums der Endbericht vorliegen. Mit Konsequenzen für die Zukunft ist zu rechnen.

Engelbert Guggenberger hat Jakoub Ibounig zu seinem ständigen Vertreter gemacht
Engelbert Guggenberger hat Jakoub Ibounig zu seinem ständigen Vertreter gemacht © KK/Kath-kirche-kaernten/Höher
 

Der katholischen Kirche Kärnten steht nach einem heißen Sommer ein heißer Herbst bevor. Dann sollen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe (mit dem Gurker Stiftspfarrer Gerhard Kalidz an der Spitze) vorliegen, die seit dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten aktiv ist und das Bistum durchleuchtet. Schieflagen und nicht rechtmäßiges Agieren der letzten Jahre sind der Anlass. Kenner sagen: „Da war Gefahr in Verzug“ und verweisen auf das mittlerweile korrigierte Bistums-Statut; der Wirtschaftsverwaltungsbeirat des Bistum, der unter Schwarz nur beratende Funktion hatte, wurde bereits wieder zum Kontroll- und Aufsichtsorgan gemacht. Vier Jahre blieb das Bistum als millionenschweres bischöfliche Mensalgut widerrechtlich ohne Wirtschafsprüfung. Die Straßburg, Stift St. Georgen, das bischöfliche Palais und 9500 Hektar Wald zählen zum Besitz. Es ist im österreichweiten Kirchenvergleich der zweitgrößte.

Wirtschaftsprüfer sind mit der Durchleuchtung der Bistums-Finanzen beauftragt, externe Berater schauen sich den Bildungsbereich im Bildungshaus St. Georgen/Längsee an. Schwarz machte dort seine enge Vertraute und Assistentin Andrea Enzinger zur Leiterin. Sie wurde in einer raschen Maßnahme der neuen Kirchenleitung bis vorerst Ende August beurlaubt, damit eine ungestörte Analyse möglich ist.

Seit sechs Wochen leitet der bisherige Generalvikar Engelbert Guggenberger (65) als Administrator die Katholische Kirche Kärnten. Er agiert federführend mit Kalidz und dem Kirchenrechtsexperten Jakob Ibounig, den er zu seinem Ständigen Vertreter machte. Drei unterschiedliche Persönlichkeiten, die an einem Strang ziehen. Ihr Ziel: Das Vertrauen in die Kirche und im Bistum wieder Normalzustand herstellen.

Jetzt mit Einblick

Die neue Kirchenführung nützt jetzt ein Zeitfenster. Denn in Kärnten ist es im Gegensatz zu anderen Diözesen so, dass die Verantwortung für das Bistum einzig beim jeweiligen Bischof liegt. Diözesane Gremien haben keinen Einfluss - und keinen Einblick. Personelles und Projekte wurde in der Ära Schwarz deshalb von der diözesanen auf die Bistumsebene verlegt. Vielsagend war die Aussage von Ibounig im Interview mit der Kleinen Zeitung, wonach „die Erträge des Bistums wieder kirchlichen Allgemeinheit zugutekommen und nicht den Launen Einzelner zur Verfügung stehen sollen“.

In der Zeit bis zur Amtseinführung des neuen Bischofs führt Guggenberger als Administrator die Diözese UND ist auch für das Bistum verantwortlich. Er hat so Einblick in Bereiche, die ihm selbst als Generalvikar verwehrt geblieben sind. Gerüchte, wonach gewisse kirchliche Kreise in Österreich und Rom auf eine rasche Bischofsentscheidung für Kärnten pochen, um genau dieses Zeitfenster zu kappen, wurden mittlerweile widerlegt. Die Worte von Nuntius Peter Zurbriggen, dem offiziellen Botschafter von Papst Franziskus in Österreich, sind in seltener Deutlichkeit: „Die Vorgehensweise der Diözesanleitung in einer für die Diözese Gurk so schwierigen Zeit ist mutig, verantwortungsvoll und konsequent“. Damit ist klar: Es geht um Aufklärung und Aufarbeitung.

Die Konsequenzen

die neue Kirchenführung als Konsequenz aus der Arbeitsgruppe einen Masterplan für das Bistum neu erstellt oder ein neues Statut erarbeitet, bleibt abzuwarten. Dingfest gemacht werden kann jedoch nichts, weil die Interimsführung laut Kirchenrecht keine Beschlüsse fällen darf, die dem neuen Bischof vorgreifen würden. Von einem kann jedoch ausgegangen werden: Bei all dem, was zuletzt an Schieflagen und Fehlleistungen bekannt wurde, wird der neue Kärntner Bischof keine andere Wahl haben, als die notwendigen Neuerungen vorzunehmen.

Gabriel Stabentheiner, Betriebsratsobmann im Ordinariat und der Finanzkammer, sagt dazu: „Vorkehrend ist das zu machen, damit in Zukunft alles seine Ordnung hat. Sämtliche finanzielle Ressourcen müssen Allgemeingut der Kärntner Katholiken sein. Es geht um Offenheit, Transparenz und Glaubwürdigkeit. Auch im Sinne der Kirchenbeitragszahler.“

Eine Besonderheit wird es bei der Herbsttagung der Bischofskonferenz vom 5. bis 8. November in Michaelbeuern in Salzburg geben: Da sitzt dann Guggenberger, der Generalvikar an der Seite von Bischof Schwarz war, als Administrator und Aufarbeiter der Ära Schwarz in Kärnten am Tisch mit dem jetzigen Bischof von St. Pölten.

Kommentare (3)

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orbil
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Die ausgewiesenen Bildungsexperten und Betriebswirte Kalidz, Guggenberger und Ibounig


durchleuchten den Wirtschaftsbetrieb Kirche. Und die Wirtschaftsprüfung machen sie auch gleich. Aufdass endlich aus Gewinnen Verluste werden und die Armut einkehrt.

Das ist fast so als ob die Portiere einen Betrieb übernehmen bis der neue Eigentümer einen Geschäftsführer schickt.

Der Vatikan hat auch jahrzehntelang versucht seine Skandale selbst zu bearbeiten und nicht gelöst.

Und die Missbrauchsfälle wurden auch von internen Experten bearbeitet und schön zugedeckt, dadurch machten Groer und Krenn Karriere.

Die katholische Kirche muss von extern desinfiziert und an das 21. Jahrhundert herangeführt werden sonst geht sie unter. Inzucht führt zwangsläufig zum Aussterben.

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georgXV
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???

warum hat hier Peter Zurbriggen diesem Treiben jahrelang zugesehen und NICHT - wie es seine Aufgabe sein sollte - Vorgänge und Zahlen kontrolliert ???!!!
Insofern triftt ihm auch eine Mitschuld an den Mißständen in der Diözese !!!

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GordonKelz
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DAS....

...war kein Wechsel von Schwarz nach St.Pölten sondern wohl eher eine Flucht ,der wußte das es ENG wird !
Gordon Kelz

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