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St. Veit, KlagenfurtOskar, der junge "Strahlemann" mit Down-Syndrom

Oskar liebt Lachen, Musik, Kinder, Tiere. Und Postkarten aus der ganzen Welt. Oskar hat Trisomie 21, das Down-Syndrom. Seine Eltern berichten über das Leben mit dem kleinen "Strahlemann".

„Strahlemann“ Oskar mit seinen Eltern Nina Vorwalder und Christoph Kanz © Markus Traussnig
 

Oskar sitzt auf dem Boden, schlägt auf die Trommel, klimpert mit dem Tamburin und freut sich über jeden Ton, den er dem Xylofon entlocken kann. Er schaut zu seiner Mama, grinst sie frech an. „Musik findet er besonders toll“, sagt die gebürtige St. Veiterin und jetzt in Klagenfurt lebende Nina Vorwalder, Oskars Mama. Lange mag er aber nicht sitzen bleiben. „Er braucht immer Action, je mehr, desto besser“, sagt Papa Christoph Kanz und hebt den 15 Monate alten Knirps in seine Schaukel. Während Papa ihn immer höher schaukeln lässt, quietscht Oskar voller Vergnügen. „Er ist halt ein Wiesenmarkt-Kind, das wird im Herbst sicher ein Spaß“, sagt die 29-Jährige lachend.

Oskar hat Trisomie 21, das Down-Syndrom. Die Diagnose erreichte die Eltern in der 24. Schwangerschaftswoche. „Eigentlich hatte ich ein anderes Problem, durch Zufall kam bei einer Untersuchung heraus, dass er Trisomie 21 hat“, erzählt Vorwalder. Eine Schwangerschaftsabbruch kam für das Paar nicht in Frage: „Darüber haben wir nicht einmal nachgedacht. Für uns war das doch schon vor der Geburt unser Oskar. Je mehr wir uns informiert haben, desto weniger Angst hatten wir davor.“ Rückhalt bekamen sie auch von ihren Familien. Kanz: „Oskar hat viel Lebenswärme in unsere Familien gebracht. Wenn wir zusammen beim Tisch sitzen, muss er immer den Vorsitz haben und alles dirigieren. Wenn es Streit gibt, sorgt er lautstark für Ruhe.“

Markus Traussnig Schaukeln ist für Oskar immer lustig – je höher, desto besser
Schaukeln ist für Oskar immer lustig – je höher, desto besser © Markus Traussnig

Inzwischen wird Oskar in der Schaukel unruhig und sein Papa verfrachtet ihn in den Hochstuhl. Es gibt eine Jause. „Essen ist für ihn ein Erlebnis. Erst wird es von allen Seiten betrachtet, genau angegriffen, dann kommuniziert er damit und feiert es richtig. Er macht alles mit allen Sinnen“, sagt Vorwalder.

Für uns war das schon vor der Geburt unser Oskar. Je mehr wir uns informiert haben, desto weniger Angst hatten wir. 

Nina Vorwalder

Dass der Kleine anders ist, als andere Kinder, zeigt sich in verschiedenen Momenten. „Er hat sein eigenes Tempo. So kann er noch nicht wirklich krabbeln, aber dafür einen Ball werfen. Wir wissen auch nicht, wie er sich entwickeln wird. Er könnte ein selbstständiges Leben führen oder immer auf uns angewiesen sein“, erklärt sein 30-jähriger Papa. „Wir haben eben ein Überraschungs-Ei“, ergänzt Vorwalder. Oskar soll aufwachsen wie jedes andere Kind. „Er soll in den normalen Kindergarten kommen. Wir wollen ihn nicht besonders machen.“

Down-Syndrom Tag

Am 21. März wird der Welt-Down-Syndrom Tag begangen. 21. 3. ist das Symbol für Trisomie 21, wie das Syndrom auch genannt wird. Das 21. Chromosom ist dreifach, statt zweifach vorhanden. Dieses zusätzliche Chromosom trägt jene Gene, die Menschen mit Down-Syndrom unverwechselbar machen.
Nina Vorwalder, die Mama von Oskar: „Ich finde es gut, dass es den Tag gibt. Es wäre schön, wenn Menschen die Berührungsängste verlieren. Wir haben einen Charmeur mit einem zusätzlichen ,Funkelstein-Chromosom‘, der dir direkt ins Herz schaut.“

Trotz aller positiven Momente und Einstellungen, „scheint nicht immer die Sonne. Ich habe auch meine schlechten Tage, natürlich bin ich manchmal frustriert. Man darf nicht vergleichen, aber tut es natürlich trotzdem. Aber dann sehe ich, wie er sich bemüht und jeden Tag seinen großen Willen zeigt, er strengt sich an und er schaut dir genau ins Herz“, erzählt Vorwalder. Selbst Reaktionen von Ärzten kann die St. Veiterin nicht nachvollziehen: „Ein Arzt sagte einmal ,Da haben Sie sich aber was angetan‘, das war sicher unbedacht, aber trotzdem kann ich das nicht verstehen.“

Gespräche auf freundschaftlicher Ebene

Da sich nicht jede vermeintliche Hilfe von außen auch als wirkliche Hilfe für die Familie entpuppt hat, will Vorwalder mit der Ausbildung zur Familienbegleiterin starten. „Ich würde gerne Familien, die besondere Kinder erwarten, helfen. Egal, ob Trisomie 21 oder etwas anderes. Die Problematik ist die gleiche. Es ist eine Aufgabe, die du nicht bestellt hast.“ Bereits jetzt hilft die 29-Jährige anderen Müttern und freut sich über Zuschriften. „Es darf sich jeder melden. Ich weiß, dass es gut tut, wenn dich jemand abholt, auf freundschaftlicher Ebene mit dir redet. Und ich spreche gerne und ehrlich darüber.“

Durch seine Postkarten „erlebt“ Oskar Geschichten auf der ganzen Welt. Inzwischen hat er schon eine große Sammlung zusammen
Durch seine Postkarten „erlebt“ Oskar Geschichten auf der ganzen Welt. Inzwischen hat er schon eine große Sammlung zusammen Foto © Markus Traussnig

Vor einiger Zeit haben die Eltern übrigens eine Aktion gestartet: „Wir haben Freunde gebeten, ihm aus dem Urlaub Postkarten zu schicken. Die schaut er an und wir lesen sie vor.“ Inzwischen hat Oskar eine ganze Schachtel voller Karten. Vorwalder: „Es ist so schön, dass sich das verselbstständigt hat. Er hat sogar Karten aus Afrika bekommen, von einer Frau, die wir gar nicht kennen.“

Nehmen Sie Kontakt auf

Nina Vorwalder bietet freundschaftliche Gespräche an, um Ängste zu nehmen. E-Mail: nina.vorwalder@gmx.at

Wollen auch Sie Oskar eine Postkarte schreiben? Dann schicken Sie sie an die Kleine-Zeitung-Redaktion St. Veit, Hauptplatz 27a, 9300 St. Veit. Wir leiten jede Karte gerne an die Familie weiter.