AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Bodypainting FestivalAlex Barendregt: „Wir sollten Kärnten und die Leute hier nicht unterschätzen“

Alex Barendregt sorgt mit dem Worldbodypainting Festival dafür, dass Klagenfurt ein Stück bunter ist. An den Millstätter See will er mit seinem Festival nicht zurück – doch Ideen für Neues hat er schon.

Weiterlesen mit unserem Digitalabo

Gratis testen

    Sie erhalten Zugriff auf:

  • Alle Kleine Zeitung Plus Artikel
  • Tägliches E-Paper
  • Smartphone App
Alex Barendregt CEO Agentur WB Production Veranstalter des World Bodypainting Festivals in Klagenfurt
Alex Barendregt malt selbst übrigens nicht: „Ich kann Computergrafik, das war es“ © Weichselbraun
 

Das Bodypainting Festival in der Klagenfurter Innenstadt geht dem Ende zu – dachten Sie sich in den letzten Tagen nie: Irgendwie wäre es doch schön, wieder am Millstätter See oder Wörthersee zu sitzen und zwischendurch hinein zu springen?
Alex Barendregt: Das Festival ist 22 Jahre alt, hat also schon verschiedene Phasen hinter sich. Wir haben mit dieser Veranstaltung Bodypainting als neue Kunstform entwickelt, wenn sich dieser Weg fortsetzen soll, brauchen wir ein urbanes Umfeld und keinen kleinen Ort. Hier können wir uns vernetzen, die Galerien und Museen in Klagenfurt machen mit. Das ist ein Turbo für die Stadt, welcher Villacher geht schon ins Museum Moderne Kunst Kärnten – gut, vielleicht die Pflichtschüler. Aber wir zeigen mit dem Festival auch Kärntnern, dass die Stadt mehr zu bieten hat, als die City Arkaden.

Sie sehen sich auf einer Ebene mit der Hochkultur, etwa dem Carinthischen Sommer?
Jede Kunstform hat ihre Ausprägung, natürlich gibt es bei uns auch Anfänger und Kitsch. Aber ich verbeuge mich vor niemandem mehr.
Sie haben schon die verschiedenen Entwicklungsphasen des Festivals angesprochen. Heißt dann der logische Schritt nach Seeboden, Pörtschach und Klagenfurt Berlin oder Barcelona?
Eine Kleinstadt hat Potenzial, hier ist man rasch mit allen Playern vernetzt, das macht es leichter. Wir bekommen positives Feedback von der Wirtschaft, dem Tourismus und der Politik und geben das auch gerne zurück.

Zur Person

Der 43-Jährige organisiert seit 22 Jahren das Worldbodypainting Festival – erst am Millstätter See, später in Pörtschach und nun in Klagenfurt. Er stammt aus Ferndorf, wo seine Eltern ein Gasthaus betrieben haben, und lebt mittlerweile in Rothenthurn.
Das Festival entwickelte in diesen 22 Jahren das Bodypainting von der Undergrund-Szene hinaus in den Kulturbetrieb. Heuer kamen über 20.000 Besucher.


In Seeboden war das anders.
Da war ich Tourismusverbandsleiter, mein Job war es, etwas zu machen. Aber plötzlich sagten zwei, drei Leute: Das ist ein Blödsinn, dann kommt das Thema in den Wahlkampf, dann ist es eine Sauerei, was das kostet, und dann kippt die Stimmung. Ein Jahr nach unserem Abzug später schimpften dann 80 Prozent der Touristiker, weil sie gemerkt haben, dass wir etwas auf die Beine gestellt haben. Aber im Nachhinein ist es gut, wie es gekommen ist. Wir haben Scheuklappen abgeworfen und uns entwickelt

Die Farben sind der eine Aspekt Ihres Festivals, die Musik ist aber nicht minder wichtig. Haben Sie je daran gedacht, ein reines Musikfestival zu veranstalten?
Die Organisation würden wir schaffen, denn ein Musikfestival besteht ja im Wesentlichen aus dem Buchen von ein paar Headlinern und dann geht es um Vertrieb, Vertrieb, Vertrieb. Das könnten wir, haben aber noch nichts geplant. Auch weil wir mit den Lärmauflagen in der Stadt an eine Grenze stoßen. Im Vorjahr hatten wir Alvaro Soler hier, der macht auch keinen Rock sondern im Grunde spanische Volksmusik, und schon der hat gejammert, dass er so leise spielen muss. Wobei: Ein klassisches Konzert auf dieser Bühne hinter dem Klagenfurter Stadttheater – das würde mich schon reizen. Aber da bräuchten wir halt die Stadt dazu. Vorerst wollen wir aber das Festival an sich weiterentwickeln.


In welche Richtung?
Wir wollen in der Stadt präsenter werden. In ein paar Parks kleine Performances oder Installationen machen, das hätte einen Reiz.
Abseits der Festivalwoche sind Sie das ganze Jahr in Sachen Bodypainting weltweit unterwegs. Was lernt man da über Kärnten?
Dass alle anderen auch nur mit Wasser kochen. Die Amerikaner sind im Organisieren schlechter, im Vermarkten sensationell. Und was in Indien und China in Sachen Technik und Veranstaltungsmanagement läuft, das ist unglaublich, da sind wir richtige Nackerpatzerln dagegen. Ich versuche, da viel meinen Mitarbeitern mitzugeben. Tja und Kärnten: Wir sollten das Land und die Leute nicht unterschätzen. Wir haben hier vier Jahreszeiten, können das Wasser aus dem See trinken, wenn die Leute noch etwas mehr reisen und sich dadurch Weitblick verschaffen, ist es ideal.

Ihre Eltern hatten ein Gasthaus in Ferndorf, Sie haben die Tourismusschule in Villach besucht. Je daran gedacht, es zu übernehmen?
Ich hab die Ausbildung gemacht, später auch den Tourismuslehrgang an der Universität Klagenfurt, aber zum Glück haben meine Eltern nie gesagt: Das musst du machen! Ein Wirt schenkt ja nicht nur Bier und Kaffee aus, der ist ja auch Pfarrer und vieles mehr. Das würde ich nicht schaffen.

Ihren Kinder müssen also auch nicht in Ihren Familienbetrieb einsteigen?
Ich habe zwei Kinder, mein Sohn ist elf, meine Tochter siebeneinhalb Monate. Was ich ihnen vermitteln will, ist wie viele Möglichkeiten die Welt hat. Meine Frau stammt aus der Ukraine, meine erste Ehefrau aus Australien, ich selbst bin zur Hälfte Holländer, wir sind also ziemlich multi-kulti. Wenn ich ihnen vermitteln kann, dass sie mit offenen Augen durch das Leben gehen sollen und mit Fleiß etwas erreichen werden, habe ich mein Ziel als Vater schon erreicht.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren