Kärntner des TagesRobert Nagele: Händler mit Hausverstand

Robert Nagele (50), gebürtiger Klagenfurter, ist neuer Vorstandssprecher der Supermarkt-Kette Billa. Das Geschäft kennt er von der Pike auf: Er ist seit 21 Jahren im Unternehmen.

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Die bubenhafte Attitüde hat er sich auch mit 50 noch bewahrt. Die Mühen des Aufstiegs auf der Karriereleiter sieht man ihm nicht an, obwohl sie steil war. Als Student der Wirtschaft-Uni mit Freunden eine Firma gegründet – Traineeprogramm bei Billa gestartet – Uni an den Nagel gehängt. 1997 Organisationsleiter im Bereich Feinkost, 1999 Einkaufsleiter Feinkost, 2001 Verkaufsleiter Feinkost, 2003 Direktor im Bereich Feinkost. Seit 2016 Vorstandsdirektor. Und mit heutigem Tag: Vorstandssprecher.

„Was ich in Bewegung setze, wirkt sich unmittelbar aus. Und ich bekomme viel Feedback, weil jeder Billa kennt.“ So beschreibt Robert Nagele, warum ihn gerade die große Rewe-Tochter so fesselt und immer schon gefesselt hat: „Vor über 20 Jahren schon war Billa ein extrem innovatives und expansives Unternehmen und der damals noch aktive Billa-Gründer Karl Wlaschek der charismatischste Self-made- Unternehmer Österreichs.“

Der gebürtige Klagenfurter Nagele ist ein „Wirtshauskind“. Die Eltern hatten Gastronomiebetriebe, die Mutter war später viele Jahre in einem Reisebüro tätig. Der Hausverstand ist ihm offenbar in die Wiege gelegt. Und auch eines seiner größtes Hobbys (neben dem Laufen): das Reisen.

Nach der Volksschule am Spitalberg wechselte Nagele ins (heutige) Europagymnasium. Nach der 4. Klasse zog es ihn an die Tourismusakademie in Krems. Mit Feinkost, ja Lebensmitteln überhaupt, kennt er sich aus. Führungsaufgaben übernahm er früh.

Jetzt geht es ihm um nicht weniger als die „Zukunft der Haushaltsversorgung in Österreich und die Nahversorgung von täglich 900.000 Menschen.“

Was Nagele mit seinen Kollegen anpacken muss, ist die digitale Transformation von Billa. Zwar entsprach der Billa-Online-Umsatz 2017 dem Äquivalent des Umsatzes von (nur) fünf Filialen. Das war aber immerhin eine 40-prozentige Umsatzsteigerung gegenüber 2016. Aktuell schreibt der Online-Shop keine schwarzen Zahlen. Nagele versteht ihn dennoch als (und hier formuliert ein Geschäftsmann:) „fixen Kernbestandteil unseres Service-Portfolios“. Eine digitale Preisauszeichnung am Regal wird dieses Jahr installiert. Digital ist Billa auch nach innen: Alle der insgesamt 19.000 Billa-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen sind mit einer Mitarbeiter-App ausgestattet, können damit online ihre Dienstpläne abrufen oder untereinander kommunizieren.

Der stationäre Handel soll sich mit dem Online-Shop verbinden, sich aber auch selbst weiterentwickeln – Stichwort: Ambiente. „Wir möchten noch näher zu den Menschen, in ihren Haushalt, in ihre Küchen“, sagt Nagele. Daher baue man auf Küchen- und Haushaltsambiente, etwa im Obst- und Gemüsebereich, in der Feinkostabteilung, der Weinabteilung. Die Fachwerkoptik soll ein heimeliges Einkaufserlebnis schaffen.
Rund 8000 Produkte sind im Sortiment. Eigenmarken und Fertigprodukte, darunter auch kochfertiges Gemüse, nehmen laut Nagele an Bedeutung weiter zu.

2017 wurde das Filialnetz ausgebaut, außerdem wurden 48 Filialen umgebaut – darunter sind auch fünf Shops aus Kärnten, die generalsaniert wurden. „2018 errichten wir 31 neue Filialen und erweitern damit unser Filialnetz auf 1069 Shops“, verrät Nagele. In Kärnten hat Billa 90 Filialen und beschäftigt 1400 Mitarbeiter, darunter 100 Lehrlinge.
Die Preise im Lebensmittelhandel hält Nagele – verheiratet und Stiefvater von zwei erwachsenen Töchtern – über die letzten Jahre gesehen für „stabil“. Weil Billa heuer 65 Jahre alt wird, kündigt er ein „Aktionsfeuerwerk“ gleich zu Beginn des neuen Jahres an.

Was wünscht sich der Manager von der neuen Regierung? Nagele antwortet aus seiner Sicht: „Wichtig wäre eine Senkung der lohnabhängigen Abgaben, um mehr Arbeitsplätze generieren zu können. Billa hat im vergangenen Jahr 580 neue Jobs geschaffen, bei Senkung der Abgabenquote hätten wir mehr als doppelt so viel Personal aufnehmen können.“ Auch ist er für eine Ausweiterung der Ladenöffnungszeiten von 72 auf 76 Stunden, um den Rahmen wochentags von 7 bis 20 Uhr setzen zu können.

Und er wünscht sich „Maßnahmen gegen multinational agierende Konzerne wie Amazon, die ihre Geschäfte und Profite in Österreich machen, ohne hier Steuern zu zahlen oder Arbeitsplätze zu schaffen“.

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Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
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Ein Ratschlag bzw. Bitte

an den Vorstandssprecher Nagele:
kümmern Sie sich um die korrekte Preisauszeichnung.

Uns ist es schon öfter passiert, dass die am Regal bzw. am Produkt ausgewiesenen Preise mit denen auf der Rechnung nicht korrespondieren.

Das schafft wunderbare Stresssituationen für die Reklamierenden, die vor der Kassa Wartenden und das bedauernswerte Kassenpersonal.
Vollkommen unwürdig und in Zeiten wie diesen auch unnötig!

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CuiBono
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Die Rechnung stimmt nicht

Derzeitige Ladenöffnungszeiten 72 Stunden - also offensichtlich 6 Tage x 12 Stunden.
Gewünscht sind Rahmenöffnungszeiten von 07 bis 20 Uhr, also 13 Stunden täglich.
Mal 6 Tage ergibt 78 Stunden pro Woche!

Da oben steht 76 Stunden.
Ein lässlicher Tippfehler oder bewusste Fehlinfo?
Wenn Fehlinfo - von wem?

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