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Kärntner des TagesAlbert Winkler ist ein Meister des lebendigen Verfalls

Albert Winkler (62) aus Spittal macht nach 30 Jahren Pause wieder aufregende Kunst. Das sieht man auch in Chemnitz.

Wenn (Foto-) Künstler wie Albert Winkler „Kärntner des Tages“ sind, setzen sie sich – oft sehr beeindruckend – selbst in Szene
Wenn (Foto-) Künstler wie Albert Winkler „Kärntner des Tages“ sind, setzen sie sich – oft sehr beeindruckend – selbst in Szene © KK/Privat
 

Es gibt schon skurrile künstlerische Lebensläufe! Wie der von Albert Winkler. Teenager, die sich in den 1960er Jahren für die Kunst der „Secession“ interessieren, sind hobbymäßig einsam. Das störte Albert Winkler nicht. Er zeichnete und malte, erst für sich, dann für andere. In seinen Zwanzigern stellte er in Spittal aus: „Der Bürgermeister rügte mich, weil drei Weingläser kaputt gingen.“ Er war bei einer Gruppenausstellung in der „Wiener Secession“ dabei.

Dann drei Jahrzehnte: Nix! Er macht Kunst nur mehr im Verborgenen, geht nie mehr in die Öffentlichkeit: „Zum einen war mir der Kunstmarkt zuwider. Zum anderen achtete ich meine Sachen nicht für gut genug für Ausstellungen. Und zum dritten war ich sehr eingespannt in meinen Job.“

Der war auch spannend: Um sein Studium an der Kunsthochschule in Wien zu finanzieren, heuerte er bei der ersten Firma an, die Computerzeichentrickfilme produzierte. Er wechselte in Wiens erstes Videopostproduction-Studio, machte sich mit Partnern selbstständig. Wer Computer für 20 Millionen Schilling abbezahlen muss, hat wenig Zeit für Kunst.

Stillleben der anderen Art

Vor drei Jahren schrumpfte er sich gesund – und darauf hatte seine Kunstlust nur gewartet. „Ich fing an, Stillleben zu fotografieren – mit Dingen, die man sonst nicht darauf finden: Maden, Schmetterlinge, verrottende Pflanzen, Funde aus dem Wald, in dem ich lebe, wie einen Wildschweinschädel.“ Er entwickelte eine Technik, mit der Fotos wie gemalt und völlig scharf aussehen.

Ein Künstler und sein Werk

Ausstellung: „Last Exit“, Chemnitz, Mühlenstr. 2 (bis 27. 11. 17)
Homepage: www.albertwinkler.at (sehenswert!)
Arbeit (aktuell): Lektor Hochschule für Angewandte Kunst, freier Grafiker, Fotograf, Künstler.
Familie: getrennt, eine Tochter.
Wohnort: aufgelassenes Kloster mitten im Wienerwald.

So kommen für einen – faszinierenden – Lego-Stein bis zu 50 Makroaufnahmen und 10 Gigabyte Daten zusammen. Inzwischen umfasst seine Sammlung hunderte Fotos.

Seine Kreativität kennt keine Grenzen: Er komponiert, spielt Gitarre, entwickelte die App „allchords“ für Akkorde und Tonleitern mit. Im Wienerwald baute er eine kleine Klosterkappelle aus. Im Workshop „Vier Tage allein in der Toskana-Natur“ litt er nicht, sondern baute sich ein Lager aus Wurzelholz und eine Art Xylofon aus Steinplatten.
Vor diesem Hintergrund ist die Erklärung, wie er denn seine Batterien wieder auflade, völlig logisch: „Einfach normal weiterleben!“

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