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Kärntner des Tages

"Burschi, ein Tenor wird wohl nie aus dir"

Abschied einer Theatergröße: Peter Pikl (68) eröffnet am Mittwoch seine 19. und letzte Saison als Intendant der Komödienspiele Porcia.

© Stöflin
 

Als Herbert Wochinz ihn Ende der 1960er-Jahre zum Gespräch in ein Kaffeehaus bat, hat Peter Pikl damit gerechnet, "etwas über mich und meine Ausbildung erzählen zu müssen." Doch der Intendant des Klagenfurter Stadttheaters empfing den Mitzwanziger mit den Worten: "Grüß Gott. Im Sommer spielen Sie in Porcia und das Jahr über bei mir in Klagenfurt." Und Peter Pikl dachte sich: "Warum nicht?"

In Klagenfurt war er dann ein Jahr im Ensemble und später häufiger Gast des Hauses, in Porcia hat er viele Saisonen lang gespielt. Und als das Angebot kam, im Jahr 1996 die Leitung der Komödienspiele zu übernehmen, "habe ich mit Freuden zugesagt, ich kannte den Laden ja sehr gut."

Am Mittwoch eröffnet Pikl nun seine 19. und letzte Saison als Intendant. Seinen Rückzug hat der gebürtige Salzburger schon seit sechs Jahren vorbereitet - und dann kam er fast nicht schnell genug. Denn vor zwei Jahren versagte während der Vorstellung der "Csárdásfürstin" an der Wiener Volksoper seine Niere (die andere hatte er schon früher eingebüßt). Die Vorstellung konnte er noch fertig spielen, "dann wurde ich auch schon ins Krankenhaus eingeliefert." Seit damals muss er zur Dialyse - drei Mal die Woche vier Stunden lang. Seinen Job im Volksopern-Ensemble hat er aufgegeben. "Aber meinen Vertrag als Intendant wollte ich erfüllen", erzählt der 68-Jährige.

Zeitgenössisch

Als Intendant hat Pikl viele Autoren gespielt, die in Spittal noch nicht zu sehen waren. Oscar Wilde, etwa, oder auch Arthur Schnitzler. Auch dem zeitgenössischen Theater hat er mit vielen Uraufführungen Platz eingeräumt. Als Regisseur und Schauspieler hat er quer durch den deutschen Sprachraum gearbeitet und später auch (etwa an der Volksoper) Rollen im Operettenfach übernommen.

Zur Bühne ist der Sohn der Opernsängerin Herta Eibelstorfer aber über Umwege gekommen. Nach der Matura studierte er Germanistik und Geschichte. Als Statist am Salzburger Landestheater verdiente er sich ein Taschengeld dazu. Seine erste Abendgage waren 35 Schilling, das reichte "für fünf Achterl Wein". Dann gab ihm der Regisseur Horst Sieder eine kleine Sprechrolle und schließlich die Empfehlung, eine Schauspiel-Ausbildung zu machen. "Eigentlich wäre ich ja lieber Tenor geworden. Das waren für mich die Götter der Bühne", erzählt der begeisterte Segler: "Aber mein Lehrer hat gleich in der dritten Stunde gesagt: Burschi, ein Tenor wird nie aus dir. Und bevor ich Bariton wurde, wurde ich lieber Schauspieler".

Bei der Abschlussprüfung am Mozarteum lernte er die Schauspielerin Trude Gmeinböck kennen, mit der er seit 43 Jahren verheiratet ist. Gemeinsam ist das Paar durch schwere Zeiten gegangen: 1990 ist Tochter Juliana 13-jährig bei einem Reitunfall ums Leben gekommen: "Von da an habe ich nur mehr gearbeitet. Damit habe ich mich kaputt gemacht", ist Pikl überzeugt.

Die Komödienspiele werden den Theatermann, der mit seiner Frau von Mai bis September am Millstätter See und den Rest des Jahres am Salzburger Mattsee lebt, auch künftig beschäftigen. Seiner Nachfolgerin Angelica Ladurner wird er beratend zur Seite stehen. Und er hat begonnen, seine Erinnerungen aufzuschreiben: "Das geht mir flink von den Fingern." Einziges Problem: "Ich komme immer vom Hundertsten ins Tausendste." Bald hat er ja die Zeit dafür.

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