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Kärntnerin des Tages

Monika Kircher: Eine Managerin mit Herz und Hirn

Sie hatte einen der verantwortungsvollsten Jobs, den eine Frau in Österreich überhaupt erreichen kann. Trotzdem hat sich die Vorstandsvorsitzende von Infineon Österreich dafür entschieden, auszusteigen. In ein neues, erstmals selbstbestimmtes Leben.

© Daniel Raunig
 

Ihre Augen leuchten mit dem Kobaltblau ihres feschen Kleides um die Wette. Die Vorstandsvorsitzende Monika Kircher (56) scheint mit ihrer Entscheidung, den Technologiekonzern Infineon Österreich im April 2014 zu verlassen, im Reinen zu sein. Im Unterschied zu ihren über 3000 Mitarbeitern am Standort Villach, die über den plötzlichen Abgang zuerst einmal erschrocken waren. "Sie haben mir aber auch Anerkennung gezollt und für die künftige Weichenstellung gedankt", freut sich Kircher und ergänzt: "Es ist der richtige Zeitpunkt, weil ich sicher bin, dass mein Team der beste Garant für eine erfolgreiche Zukunft am Standort ist."

Ein mutiger Schritt. Nicht in die Pension und schon gar nicht in die Politik, sondern erstmals in eine selbstbestimmte Zukunft, in der Verantwortung und Disziplin nicht mehr an erster Stelle stehen. "Ich freue mich auf eine Phase, in der ich nur für mich, meinen Mann, meine Kinder und die zum Glück gesunden Eltern verantwortlich bin."

Früh wurde Kircher mit den Härten des Unternehmertums konfrontiert. Wusste, was es bedeutet, an Wochenenden zu arbeiten und um Aufträge zu bangen, denn die Eltern führten einen Malerbetrieb in Oberkärnten. Farbkübel mit dem Lieferwagen auf Baustellen zu transportieren, war selbstverständlich. Der Vater war aber auch Vorbild im Loslassen: "Ich habe ihn bewundert, dass er den Betrieb am Höhepunkt seiner Energie meinem Bruder übergeben hat."

Ihr "Baby Infineon" hat auch Monika Kircher jetzt losgelassen. "Obwohl sie nicht mir gehört, habe ich die Firma jeden Tag als meine eigene gesehen." Unter ihrem "Management mit Herzblut" hat sich das Unternehmen von einem "Fertigungsstandort zu einem Wissensstandort für Energieeffizienz und Hochtechnologie entwickelt".

Ausgebildet ist Kircher in Internationaler Wirtschaft. Für die Doktorarbeit ging sie eineinhalb Jahre nach Mexiko, wo sie im Kulturinstitut der österreichischen Botschaft arbeitete. Die Dissertation hat sie irgendwann verworfen. Der Ehrendoktor wurde dann von der Universität Salzburg nachgereicht. "In Mexiko habe ich gesehen, wie Menschen ums Überleben kämpfen", sagt Kircher. Eine Erfahrung, die sie prägte. Jungen Leuten rät sie, die "Komfortzone zu verlassen", um die eigenen Talente aufzuspüren.

Mexiko wird auch das erste Sehnsuchtsziel in Kirchers neuem Privatleben sein: für einen - bisher kaum gekannten - dreiwöchigen Urlaub mit ihrem zweiten Mann, dem ehemaligen Treibacher-Vorstand Reinhard Iro.

Dass die Politik für sie Vergangenheit und nicht Zukunft bedeutet, wollen ihr manche nicht abnehmen. Sie gäbe tatsächlich eine visionäre Ministerin ab. Dass sie die Politik beherrscht, hat Kircher (damals noch Kircher-Kohl) mit 33 Jahren als jüngste Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin in Villach bewiesen. Die Villacher profitieren noch heute von der klugen und weitsichtigen Veranlagung der 1,5 Milliarden Schilling aus dem Kelag-Anteils-Verkauf. Mit den Zinsen wurden so effiziente Dinge wie der Technologiepark Magdalen, das CTR, die Fachhochschule ermöglicht. "Und ein Schwimmkurs für alle Sechsjährigen", betont Kircher.

Dass Kircher nach zehn Jahren Politik in einen Konzern mit "offener Unternehmenskultur" gerufen wurde, sieht sie als Glücksfall. Weil sie Bildungsfanatikerin ist, gründete die Mutter zweier Töchter eine internationale Ganztagsschule in Villach, wo der Direktor sein Lehrerteam aus 150 Bewerberinnen und Bewerbern aussuchen durfte.

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