Susi* ist gesund zur Welt gekommen, hat sich körperlich sehr gut entwickelt, aber sie spricht mit ihren fünf Jahren noch nicht. Kein einziges Wort kommt ihr über die Lippen, egal wie sehr Eltern und Verwandte auch versuchen, sie dazu zu motivieren.

Mario* hat sich mit seinen 7 Jahren ebenfalls körperlich sehr gut entwickelt. Er ist ein ruhiges Kind, spricht aber durchaus gerne. Er zieht sich sehr oft zurück, meidet größere Ansammlungen von Kindern und liegt einfach gerne auf dem Boden, ob zu Hause oder im Freien.
Auf den ersten Blick möchte man meinen, dass die beiden nichts miteinander zu tun haben, sie sind aber von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen.

Lange Wartezeiten

Beim Autismus handelt es sich nicht um eine Erkrankung. Autismus ist angeboren und entsteht nicht erst im Laufe der Entwicklung, kann auch nicht durch Medikamente geheilt werden. Dabei ist das Spektrum ein sehr weites und es bedarf daher gut ausgebildeter Spezialistinnen und Spezialisten, um zu einer Diagnose zu kommen. "Von Autismus-Spektrum-Störungen in verschiedensten Ausprägungen sind unterschiedlichen Schätzungen zufolge 1 bis 3 Prozent der Gesamtbevölkerung betroffen – und das in jeder Altersgruppe. Ein großes Problem stellen vor allem die langen Wartezeiten auf eine Diagnose im Kindesalter dar, die einige Sitzungen mit ausgebildeten Klinischen Psychologen umfasst. Jahrelange Wartezeiten verringern die Aussichten auf therapeutischen Erfolg und somit auf ein selbstbestimmtes Leben massiv", sagt die Klinische Psychologin Iris Koppatz, die das Kompetenz-, Diagnostik- und Therapiezentrum des Dachverbandes Österreichische Autistenhilfe leitet.

In Klagenfurt ist mit einem auf diesem Gebiet sehr angesehenen Kinderpsychiater eine Anlaufstelle für die Diagnostik gegeben.

Keine Unterstützung

Eine weitere Hürde stellt meist auch die Finanzierbarkeit von Therapieformen dar. Susi und Mario zum Beispiel nehmen ein "Autismusspezifisches heilpädagogisches Training" in Anspruch, was bei den beiden viel bewirkt und deutliche Fortschritte und Verbesserungen zu erkennen sind. "Da das Spektrum von Autismus-Erkrankungen so vielfältig ist, stimmen wir jede Therapie völlig individuell auf unsere Klient:innen ab", sagen Christin Einsiedler und Silke Saurer, von der Praxis Sonnenblau, die ein solches heilpädagogisches Training in Klagenfurt anbietet.

Durch die hohe Behandlungsfrequenz fallen dabei Kosten von mehreren Tausend Euro im Jahr an. Die "Autistenhilfe Österreich" benennt in ihrem Jahresbericht 2021 diese bei einem Jahresdurchschnitt von 96 Behandlungsstunden mit 8640Euro. In dem Fall der beiden Kinder lehnt die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) eine Übernahme der Kosten aber ab. In einer Stellungnahme der ÖGK heißt es unter anderem dazu: "Zu Ihrer Anfrage dürfen wir Ihnen mitteilen, dass § 135 ASVG (Allgemeines Sozialversicherungsgesetz, Anmerkung der Redaktion) abschließend regelt, welche Leistungserbringer im Rahmen der Krankenbehandlung tätig werden können. Nur für Untersuchungen/Behandlungen, die von Angehörigen der dort genannten Gesundheitsberufen erbracht werden, ist die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) leistungszuständig. Nachdem das Gesetz die Heilpädagogen nicht nennt, sind die Leistungen dieser Berufsgruppe auch nicht von der Krankenversicherung mitumfasst und folglich keine Kostenübernahme durch die ÖGK möglich."  

Solche Kosten sind für die betroffenen Familien nicht finanzierbar, wären aber für die Zukunft der Betroffenen gut investiertes und vor allem System schonendes Geld. Susi und Mario sind daher auf die Hilfe der Leserfamilie der Kleinen Zeitung angewiesen, die es durch "Kärntner in Not" ermöglicht, dass die beiden ihre Therapien auch zukünftig wahrnehmen werden können.

* Um die Anonymität zu wahren, wurden der Name und das Alter der Kinder geändert.