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Generation KlimaschutzEnergiewende bringt doppelte Dividende

100.000 neue Jobs jährlich entstehen, wenn ab sofort kräftig in den Ausbau erneuerbarer Energieformen investiert wird. Die Zeit für die Energiewende ist ideal, sagen Linzer Wirtschaftsforscher.

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Biomasse hat mit 100 Prozent den höchsten Grad an heimischer Wertschöpfung unter den Energieformen © Kelag
 

Man wundert sich, warum wir nicht schon längst damit angefangen haben: Mit Investitionen von 4,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien kann Österreich die Wirtschaftsleistung um knapp zehn Milliarden steigern und 100.000 Arbeitsplätze schaffen – jedes Jahr. Diese Zahlen hat das Energieinstitut der Johannes Kepler Universität Linz errechnet. Die Autoren nennen die positiven Auswirkungen der Energiewende eine „doppelte Dividende“, die gleichzeitig Klimaschutz und Wirtschaftswachstum ermöglicht. Hätten wir das nicht schon früher haben können?


„Die Wirtschaft liegt am Boden. Vieles, was normalerweise an erheblichem Widerstand gescheitert wäre, scheint nun möglich“, sagt Friedrich Schneider. Der emeritierte Wirtschaftsprofessor schlägt vor, in einer außergewöhnlichen Situation außergewöhnliche Maßnahmen zu treffen, um die Rezession zu überwinden und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Mit dem Team des Energieinstituts hat er Simulationsberechnungen angestellt, die die volkswirtschaftliche Rentabilität von Investitionen des Ausbaus von erneuerbaren Energien beleuchten.


Dabei stellte sich heraus: Nicht nur der ökologische Effekt einer Investitionsoffensive von 4,5 Milliarden Euro jährlich wäre ein beträchtlicher, sondern auch der ökonomische: Bis zum Jahr 2030, das als wichtiger Meilenstein der österreichischen Klimaziele gilt, könnten eine Million neue Arbeitsplätze entstehen. „Das sind nicht nur hoch qualifizierte Facharbeiterjobs in der Energiebranche. Denn durch den Ausbau der Erneuerbaren entstehen auch induzierte Beschäftigungseffekte“, sagt Sebastian Goers, Co-Autor der Studie.

Zur Studie

Wirtschaftswachstum und Beschäftigung durch Investitionen in erneuerbare Energien“ lautet der Titel einer Studie des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität Linz, die im Oktober veröffentlicht wurde. Untersucht wurden die volkswirtschaftlichen Effekte durch Investitionen in Biogas, Biomasse, Geothermie, Wasserkraft, Photovoltaik, Solarthermie, Windkraft und Pumpspeicherkraftwerke. Die Studie von Sebastian Goers, Friedrich Schneider, Horst Steinmüller und Robert Tichler ist eigenfinanziert. Der Tenor: Mit der Investition von einem Prozent der Wirtschaftsleistung (4,5 Milliarden Euro) lassen sich 13 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen. Gleichzeitig bringt das 100.000 Arbeitsplätze und ein Wirtschaftswachstum von fast zehn Milliarden Euro jährlich.

Damit meint er Arbeitsplätze, die im Umfeld der Infrastruktur-Investitionen entstehen – höhere inländische Produktion, stärkerer privater Konsum, steigende Investitionen in andere Wirtschaftsbereiche.
Die heimische Wirtschaft profitiere jedenfalls, macht Goers deutlich: „Durch die Einfuhr fossiler Brennstoffe fließen Erlöse größtenteils ins Ausland ab. Erneuerbare Energien sind dagegen stärker heimisch verwurzelt, die Wertschöpfung bleibt im Land.“ Das gelte besonders für die Produktion von Biomasse-Brennstoffen, die mit hoher Inlandsbeschäftigung verbunden ist, aber auch für andere Energieformen. Für Photovoltaik haben die Wirtschaftsforscher eine Wertschöpfung von 50 Prozent in der Erzeugung der Anlagen berechnet, in der Windkraft hingegen nur 20 Prozent, weil es hier kaum heimische Hersteller gibt. In Summe bedeuten Investitionen in erneuerbare Energien aber einen beträchtlichen Anschub für die heimische Wirtschaft – und das ist mit Zahlen untermauert.


Schneider ist deshalb auch zuversichtlich, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für den Ausbau mit diesen Argumenten verbessert werden kann. „Wir wissen, dass es bei Infrastrukturprojekten zu Konflikten kommen kann, wenn nicht behutsam vorgegangen wird. Wir hoffen aber auch, dass die positiven Effekte auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt so manche Widerstände aufbrechen kann.“

 

Eine Initiative der Kelag in Kooperation mit der Kleinen Zeitung.

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