AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Pfleger schlagen Alarm„Wir werden im Stich gelassen und ausgenützt“

In Pflegeberufen arbeiten Menschen, die ein großes Herz haben. Davon ist Pflegeassistent Markus Prantl überzeugt. Das werde von der Politik ausgenützt.

Pflegerinnen und Pfleger wissen häufig nicht, wie sie mit der täglichen Arbeit überhaupt fertig werden sollen
Pflegerinnen und Pfleger wissen häufig nicht, wie sie mit der täglichen Arbeit überhaupt fertig werden sollen © Alexander Danner
 

Für Markus Prantl war immer klar, dass er gerne in einem Beruf arbeiten würde, in dem er etwas mit Menschen zu tun hat. Die Büroarbeit, die sei ihm nicht gelegen, sagt er. Dann machte er eine Ausbildung zum Pflegeassistenten. „Nach dem ersten Tag habe ich gewusst, das ist das Richtige für mich“, erinnert sich Prantl.

Seit sieben Jahren ist er jetzt in diesem Beruf tätig, zurzeit in einem Pflegezentrum in Villach. Denkt er heute über diese Entscheidung nach, kommt er ins Grübeln. Das hänge aber nicht mit dem Beruf an sich zusammen, wie er betont. „Es ist ein gutes Gefühl, etwas Gutes für Menschen tun zu können.“

Was ihn zum Grübeln bringt, das sind die Rahmenbedingungen: zu wenig Verdienst, zu wenig Personal, große Verantwortung und damit einhergehend eine enorme psychische Belastung. „Mich wundert es selbst, dass ich noch gerne arbeiten gehe“, sagt er. „Aber das ist eben die Liebe zum Beruf. Man konzentriert sich auf die Bewohner.“ Zudem könne er sich gut abgrenzen: „Wer das nicht kann, schleppt die Arbeit 24 Stunden mit sich und daran zerbricht man früher oder später.“ 

Kluft zwischen den Branchen

Derzeit verfolgt er mit Spannung die Kollektivvertragsverhandlungen für die 100.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Pflegebereich. In Kärnten sind 6000 Menschen betroffen. Die Gewerkschaft fordert sechs Prozent mehr Lohn, eine 35-Stunden-Woche und eine sechste Urlaubswoche. „Es gibt viel zum Nachholen“, sagt Valid Hanuna von der Gewerkschaft der Privatangestellten. Die Metaller hätten zum Beispiel in den vergangenen 15 Jahren um 22 Prozent höher abgeschlossen als die Sozialwirtschaft, und das bei einer höheren Gehaltsbasis. „Die Kluft zwischen den Branchen ist also gewaltig.“ Nicht nur das. „Unter diesen Bedingungen sind die Beschäftigten im Pflegebereich von Altersarmut bedroht.“ Denn kaum jemand halte die Belastung bis zur Pensionierung durch.

Fragt man Prantl, worin die größte Belastung bestehe, muss er kurz nachdenken. „Die Frage ist falsch gestellt“, sagt er dann. „Man muss fragen, wo ist keine Belastung? Sie beginnt, wenn man die Tür des Pflegezentrums aufmacht, und sie endet erst, wenn man sie wieder zumacht.“ Es jemandem zu erklären, der damit nichts zu tun habe, sei fast unmöglich. Das jetzige System sei nur auf das Notwendigste ausgerichtet: warm, satt, sauber. „Geht es darüber hinaus, dann scheitert man, weil man dafür keine Zeit hat.“ Fast täglich stehe man vor dem Dilemma: „Man hat keine Ahnung, wie man mit der Arbeit fertig werden soll, und man wird auch nicht damit fertig.“

Kaum Wertschätzung

Wertschätzung gebe es nur von den Bewohnern und von den Angehörigen. Sonst fühle man sich grob im Stich gelassen. „Die Tatsache, dass in diesem Beruf vor allem Menschen arbeiten, die ein großes Herz haben, wird von der Politik schamlos ausgenützt“, sagt Prantl. Und dass diese Branche fast zu 90 Prozent von Frauen getragen wird, auch. „Wäre die Pflege ein reiner Männerberuf, dann hätte sich schon längst etwas geändert.“

Prantl hat noch 19 Jahre bis zur Pensionierung vor sich. Aber wenn die Rahmenbedingungen sich nicht bessern, zweifelt er eher daran, dass er es noch so lange in diesem Beruf aushält. Traurig finde er das. Nicht nur für ihn. „Die Generation, die jetzt in den Heimen ist, hat Österreich aufgebaut. Dass man sie im Stich lässt, haben sie nicht verdient.“

Kommentare (2)

Kommentieren
wahrheitverpflichtet
0
3
Lesenswert?

NICHT WEG ZU SCHAUEN!

ja die gesamte politischen partein scheißen den Pflegekräften was bzw den ganzen personal im sozialen bereich den diese haben dieses system mit zu voranwerten jetzt heißt es seitens des Pflegepersonals auf stehn auf die Strasse gehn arbeit niederlegen den was würde passieren wenn alle zusammen halten sollen die heimbetreiber und die Politiker innen in den Heimen den dienst verrichten was am argsten ist die Caritas und die Diakonie haben den personal erklärt das sie keinen streik dulden weil sie eigene Verträge mit den personal abschließen dies 2 kirchlichen Institutionen zahlen natürlich keinerlei Zulagen usw eine dipl Schwester verdient um 450 euro netto weniger als wie in den kabek Krankenhäusern!

Antworten
GordonKelz
2
9
Lesenswert?

EINE VERHEERENDE NIEDERLAGE...

...für alle Verantwortlichen ist dieser Bericht !!
Gordon Kelz

Antworten