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Schulsprache Deutsch"Man würde das Kind damit mundtot machen"

ÖVP und FPÖ in Oberösterreich zeigen sich verärgert über das erneute Nein des Bildungsministers. In Kärnten gibt es eine breite Front gegen eine verpflichtende Schulhofsprache.

THEMENBILD: SCHULE/SCHULREFORM/AUTONOMIEPAKET
Die Unterrichtssprache ist deutsch, Pausensprache gibt es keine © APA/Schneider
 

Die (neue) ÖVP ist seit der Übernahme der Regierung zumindest öffentlich bisher äußerst geschlossen aufgetreten. Ein Thema bringt diesen Vorsatz nun aber ins Wanken: Deutschpflicht auf Schulhöfen. Ganz neu ist der von der schwarz-blauen Regierung in Oberösterreich forcierte Vorschlag nicht. Die FPÖ kämpft dafür schon seit beinahe zehn Jahren. Ein erneutes Nein von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) hat nun erstmals den oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer (ebenfalls ÖVP) auf den Plan gerufen.

Im Ö1-Journal bedauerte er die Ablehnung seines Parteikollegen. „Die rechtliche Lage lässt diesen Wunsch nicht in Erfüllung gehen. Das tut mir leid, aber das muss ich zur Kenntnis nehmen“, sagt Stelzer, der jedoch weiter an dieser Idee festhalten will. Er werde die Möglichkeit prüfen, wie man die deutsche Sprache auf freiwilliger Basis in den Hausordnungen der Schulen verankern kann.

Deutlicher reagiert der freiheitliche Koalitionspartner. Man habe dem Bildungsminister ein Gutachten übermittelt, wonach die Maßnahme entgegen anderer Einschätzungen verfassungsrechtlich durchsetzbar sei. Offenbar habe Faßmann das „weder gelesen noch verstanden“, sagt der oberösterreichische FPÖ-Klubchef Herwig Mahr, der gleichzeitig eine „tiefrote Beamtenschaft“ im mittlerweile ÖVP-geführten Bildungsministerium ortet. 

"Das ist pädagogisch wertlos"

In Kärnten ist man durchwegs auf Linie des Ministeriums, das Nein Faßmanns sei zu begrüßen. „Der Vorschlag ist weder für die Integration förderlich noch sonst in irgendeiner Form seriös oder verantwortungsbewusst. Unsere Kinder sollen andere Kulturen und Sprachen kennen- und verstehen lernen“, sagt Landeshauptmannsprecher Andreas Schäfermeier. Wer heute noch immer nicht begriffen habe, dass Mehrsprachigkeit ein unschätzbarer Vorteil ist, der sei offenbar in der Vergangenheit stecken geblieben. „Kärnten ist mehrsprachig und nicht einsprachig“, sagt Schäfermeier. Abgesehen davon wolle die FPÖ mit dieser „polit-steinzeitlichen Idee“ nur von der geplanten Abschaffung der Notstandshilfe ablenken. 

Als „pädagogisch wertlos“ bezeichnet Bildungsdirektor Robert Klinglmair eine verpflichtende Sprache für den Schulhof. Man wisse weder, wie man die Einhaltung kontrollieren sollte, noch, wie man Verstöße sanktionieren könne. „Das ist einfach nicht durchführbar. Sprache und Bildung sind ein wesentlicher Faktor für Integration. Dafür verfolgen wir auch zahlreiche Maßnahmen und Konzepte. In der Pause sollte aber jeder Schüler das Recht haben, sich in der Sprache seiner Wahl zu unterhalten“, sagt Klinglmair. Zudem sei der Anteil an Migranten in Kärnten im bundesweiten Vergleich ohnehin sehr gering.

Direktorinnen sind sich einig

Nichts abgewinnen können einer verpflichtenden Schulhofsprache auch Ilse Fina und Gerlinde Kranner. Die Direktorinnen der Volksschule St. Ruprecht in Klagenfurt und der Khevenhüller-Schule in Villach haben einen besonders hohen Anteil an Schülern mit nichtdeutscher Muttersprache in ihren Klassen. Deutsch würde hier deshalb oft zwangsläufig zur gemeinsamen Sprache führen. „Ein guter Zugang zur Muttersprache ist auch ein guter Zugang zur Bildungssprache“, sagt Fina. Man müsse den Schatz Muttersprache auch als solchen sehen. Abgesehen von der nicht umsetzbaren Kontrolle sei eine Deutschpflicht auch pädagogisch nicht sinnvoll. „Man würde das Kind damit mundtot machen. In meinen Augen sprechen wir hier von einem Menschenrecht“, sagt Kranner.
Die Wichtigkeit der Bildungssprache Deutsch sei damit nicht infrage gestellt. Immerhin spreche man bei den Pausen von lediglich 20 Minuten des gesamten Schultages.

Kommentare (2)

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schulabteilung
1
5
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Fremdsprache

Es wäre doch viel besser, wenn fremdsprachige Kinder dazu angehalten würden, ihre deutschsprechenden Klassenkameraden in den Pausen in ihrer Sprache zu "unterrichten". Da hätten beide Seiten etwas davon, eine win-win-Situation.

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kyon
1
5
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so eine "tolle" idee - polizeispitzel im schulhof?!

„Man würde das Kind damit mundtot machen. In meinen Augen sprechen wir hier von einem Menschenrecht“, sagt Kranner.

so ist es!

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