KärntenWarum sich Zahnarzt auch von Berufsverbot nicht bremsen lässt

Der Betroffene stellt sich auf seiner Homepage als Wahlarzt vor. Und er glaubt, dass er uneingeschränkt tätig sein dürfe.

Berufsverbot bremst Zahnarzt nicht
Berufsverbot bremst Zahnarzt nicht © APA/GEORG HOCHMUTH
 

Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betruges und zudem der schweren Körperverletzung – die Vorwürfe, die gegen einen Kärntner Zahnarzt im Raum stehen sind beileibe keine Lappalien und haben vor drei Wochen zur Verhängung eines Berufsverbotes durch das Land geführt. Alles erklärende Begründung: „Gefahr in Verzug“. Diesem gravierenden Einschreiten der Behörde, was äußerst selten notwendig ist, war eine gründliche Prüfung der Anschuldigungen von Dutzenden Patienten wie auch der Rechtslage vorausgegangen. Aus mehreren Gründen bildet die Angelegenheit aktuell dennoch das Bild einer Farce.

Dazu trägt zuvorderst der betroffene Zahnmediziner bei, der dem Behördenbescheid, so erscheint es jedenfalls bei einem Blick auf seine Homepage, wenig Bedeutung beizumessen scheint. Laut seiner Definition ist das Berufsverbot noch nicht einmal schlagend: „. . . will mir das Land Kärnten . . . vorläufig meine Berufsausübungsberechtigung entziehen“ teilt er den Patienten mit. Bereits als er diese Zeilen veröffentlichte, war das Berufsverbot schlagend – ohne aufschiebende Wirkung.

Zweites Standbein

Allerdings betrifft der Bescheid nur seine Tätigkeit als Zahnarzt. Wie berichtet, ist der Mann aber auch Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg. Und so lange das Land nicht auch diesbezüglich ein Berufsverbot verhängt, darf er in diesem Bereich ungebremst operieren.

Einen Hinweis an potenzielle Patienten, dass er seine Dienste nach amtlicher Definition nur als Chirurg anbieten kann, findet man auf seiner Homepage aber nicht. Aus seiner Sicht ist er auch gar nicht nötig, wie er der Kleinen Zeitung mitteilt. Begründung: Die Kieferchirurgie sei eine übergeordnete Tätigkeit, daher könne er auch ungehindert als Zahnarzt arbeiten.

Seit 1. Oktober arbeitet der schwer unter Druck stehende Zahnmediziner – ob in diesem oder jenen Fach – als „Wahlarzt aller Kassen“. Wobei die Formulierung „alle Kassen“ noch die Juristenköpfe in den Kassen rauchen lassen wird. Ganz bestimmt bei der GKK. „Weil das Vertragskündigungsverfahren noch immer nicht abgeschlossen ist, ist der Mann noch Vertragspartner“, wundert sich GKK-Direktor Johann Lintner, „folglich kann er für GKK-Patienten kein Wahlarzt sein.“ Auch darauf hat der Zahnarzt eine Antwort parat: „Der Vertrag betrifft nur die zahnärztliche Tätigkeit und er ruht durch das Berufsverbot. Und als Kieferchirurg habe ich ohnehin keinen Vertrag mit der GKK.“

Mangelhafter Bescheid?

Unterdessen steht eine Berufung durch die Bundeszahnärztekammer gegen den Bescheid des Landes im Raum. Pressesprecher Claudius Ratschew: „Der Grund ist die juristische Mangelhaftigkeit des Bescheides. Ausdrücklich betont er aber: „Das hat nichts mit den Vorwürfen gegen den Zahnarzt zu tun. Dafür wird er sich vor Gericht verantworten müssen.“

Kommentare (1)

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vandiemen
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Muss...

woh sehr präpotent sein , der Herr! Aber jeder Mensch der weiterhin zu ihm geht ist meiner Meinung nach selbst schuld.

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