Kärnten

Früher die Rabatte nie glänzten: Weihnachtsgeschäft startet

Früh wie nie startet der Handel heuer schon in das Weihnachtsgeschäft. Die Lagerzinsen drücken – das bringt eine schöne Bescherung für die Kunden: In Form von sehr vielen Preisnachlässen.

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Die Preisschlacht beginnt © Helmuth Weichselbraun
 

Der Mensch, auch der konsumierende Mensch, ist träge. Er kauft ungern voraus. Meint, er könne sich etwas sparen. Im Oktober wollte er wegen der sommerlichen Temperaturen keine Winterkleidung kaufen und schon gar nicht an Weihnachten denken.

Jetzt sind die Lager voll und der Handel gibt freiwillig schon vor Dezember Preisnachlässe, um die Kaufzurückhaltung der Konsumenten aufzuweichen und die Lagerzinsen zu senken. Es soll nicht nur geschaut werden, sondern gekauft. H&M gibt bis zu 50 Prozent Rabatt auf Outdoor-Kleidung, C&A zahlt zehn Euro zu Skijacken dazu. Kleiderbauer tituliert seine bis zu 50-Prozent-Rabatte bis 15. November als „Sonderverkauf“. Stiefelkönig verschickt Stammkundengutscheine. Auch der Lebensmittelhandel buhlt um vorweihnachtliche Kundschaft mit Aktions-Flyern, die aus dem Postkasten quillen. Und der Möbelhandel? Feiert quasi täglich „Geburtstag“ oder sonst etwas und zelebriert das Motto: „Alles muss raus.“

Rotstift im Einsatz

Eine Sperrfrist gebot es den Händlern noch bis zum Vorjahr, in der Zeit zwischen Mitte November und Weihnachten keine Aus- bzw. Abverkäufe vorzunehmen. Sie wurde aufgehoben. Jetzt darf es de facto zwölf Abverkäufe im Jahr geben. 

Das Wetter war bisher milde - aber nicht mit den Händlern. Die Lager sind voll. 

Die Kunden sind in Österreich rabattverwöhnt. Sie haben laut Experten zum Teil „kein Preisgefühl“, lassen sich von Prozentzeichen leicht beeinflussen.

„Bei Textilien und Schuhen hinken die Verkäufe wegen der zuletzt hohen Temperaturen nach, aber es ist sehr viel los für diese Jahreszeit“, sagt Richard Oswald, Geschäftsführer des Villacher Einkaufszentrums Atrio, der auf einen Wetterumsturz hofft. „Wir wollen die Kunden animieren, schon jetzt im November auf Weihnachtseinkauf zu gehen“, sagt Ernst Hofbauer, Geschäftsführer der Klagenfurter City Arkaden. Gründe dafür hat Hofbauer genug: Es herrscht Konkurrenzkampf zwischen Einkaufszentren, es herrscht der Trend zum Online-Einkauf. „Die Händler haben nur eine ganz kurze Zeit, um bestimmte Kollektionen zu verkaufen, weil die nächsten nachrücken – die Rabatte sind letztlich eine Optimierungsfrage: Was geht möglichst schnell weg, um einen möglichst guten Preis?“, erklärt der Vorstand des Marketinginstitutes an der Uni Graz Thomas Foscht zur Kleinen Zeitung.

Erlöse gehen zurück

Die Konjunkturentwicklung im Einzelhandel ist nicht berauschend. Die Erlöse gingen laut KMU Forschung Austria im dritten Quartal um 0,9 Prozent zurück. In den letzten Monaten hat sich der österreichische Einzelhandel im Juli und August 2014 schwächer entwickelt als der Durchschnitt der EU-Länder. Die große Hoffnung ist also das Weihnachtsgeschäft. 307 Euro wollen die Österreicher laut Karmasin Motivforschung durchschnittlich für Weihnachtsgeschenke ausgeben, 2012 waren es 367 Euro. Foscht sagt: „Es ist offensichtlich so, dass die Leute eine Summe im Kopf haben. Die Strategie der Kaufleute: Wenn es schon jetzt billiger ist, kauft man früher – und insgesamt mehr.“

EVA GABRIEL

Kommentare (1)

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woelffchen
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Atemlos durch die Gier erwacht

tja wenn man die Konsumenten jahrelang ausnimmt und diese jetzt endlich erwacht sind, dann müssen die gierigen Manager mit den Preisen runter. Über kurz oder lang werden diese Unternehmer dann feststellen, dass sie über die Menge mehr Gewinn machen, als über die Gier. Schön, dass der Preistreiberwahn langsam ein Ende findet.

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