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Museum

Wolfsberger Museum öffnet dunkles Kapitel

Im 20. Jahrhundert beherbergte die Stadt drei Lager: für Flüchtlinge, für Kriegsgefangene und Internierte. Jetzt werden Zeitzeugen für die Ausstellung im Sommer gesucht.

© KK
 

Der Erste und Zweite Weltkrieg haben auf der ganzen Welt Spuren hinterlassen. Vielleicht mehr, als man denkt, hat auch Wolfsberg eine Rolle gespielt. Immerhin gab es einst drei Lager: Doch viel erinnert nicht mehr an das "Ruthenenlager" für Flüchtlinge im Ersten Weltkrieg im Ortsteil Reding oder an das Kriegsgefangenenlager im Zweiten Weltkrieg in Priel, das danach Internierungslager wurde.

"Im 20. Jahrhundert beherbergte die Stadt Wolfsberg drei große Lager, die das Leben und Schicksal zehntausender Menschen aus fast allen Teilen der Welt prägten", sagt Museumskurator Igor Pucker. Diese vergangene Zeit prägt die Ausstellung "Lagerstadt Wolfsberg. Flüchtlinge - Gefangene - Internierte" ab 8. Juni im Museum im Lavanthaus in Wolfsberg.

Briefe und Tagebücher

"Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren", sagt Pucker, der stolz ist, dass das Museum bereits 1300 Fotos sowie Tagebücher und Briefe zur Verfügung gestellt bekommen hat. Im Besitz dieser zeitgeschichtlich wertvollen Original-Dokumente ist Ian Brown aus Liverpool, England, der schon ein paar Mal in Wolfsberg war. "Ian Brown ist pensionierter Lehrer. Sein verstorbener Vater war Kriegsgefangener in Wolfsberg. Er hat vor vielen Jahren eine Homepage zum Kriegsgefangenenlager ,Stalag XVIII' in Wolfsberg aufgebaut und Dokumente von Familien ehemaliger Kriegsgefangener aus aller Welt erhalten. All das stellt er uns für die Ausstellung zur Verfügung. Von Amerika bis Neuseeland sind die Fotos, Briefe und Tagebücher der Gefangenen", sagt Pucker, der mit dem aus Wolfsberg stammenden Historiker Christian Klösch sowie den Museumsmitarbeitern Christine Ragger und Daniel Strassnig seit Monaten an der Ausstellung arbeitet.

Jetzt hofft das Team auf die Mithilfe der Lavanttaler. "Wir suchen persönliche Geschichten, Erinnerungen, Fotos oder Objekte, die im Zusammenhang mit der Ausstellung stehen", so Pucker, der selbst Historiker ist. Vom einstigen "Ruthenenlager", wo 7500 Kriegsflüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Baracken untergebracht waren, erhofft er sich nicht viel: "Immerhin ist das jetzt 100 Jahre her. Sollte dennoch jemand etwas haben, das daran erinnert, bitte melden." Erreichbar ist das Museum unter (0 43 52) 53 73 33.

Gefangene aus aller Welt

Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem Kriegsgefangenenlager "Stalag XVIII". Es befand sich im Zweiten Weltkrieg dort, wo später die Lebek-Halle errichtet wurde und war das größte Gefangenenlager von Salzburg, Kärnten und der Steiermark. 8000 Gefangene aus aller Welt - Briten, Franzosen, Russen, Amerikaner, Australier & Co. - wurden als Arbeitskraft für Industrie, Landwirtschaft und Bergbau eingesetzt. Nach Kriegsende wurde Mitte 1945 das "Internierungslager" daraus. Wer das NS-Regime aktiv unterstützt hat, wurde interniert, also in Verwahrung genommen - insgesamt 7000 NS-Funktionäre. Heute erinnert nur der Straßenname an das 1948 aufgelassene Lager: die Lagerstraße.

Die Ausstellung will anhand des Schicksals dieser Menschen die Geschichte der Lagerstadt erzählen - im lokalen und überregionalen Kontext. Durch Browns Netzwerk haben sich laut Pucker Besuche aus aller Welt angesagt, die im Sommer für einige Tage zur Spurensuche nach Wolfsberg kommen: "Alleine aus Australien kommen über 30 Personen. Meist waren ihre Väter Kriegsgefangene in Wolfsberg. Auch von Engländern und Amerikanern wissen wir, dass sie kommen. In den Hotels gibt es bereits weit über 100 Buchungen."

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