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Weltartenschutz-Konferenz in GenfVerbot der Trophäenjagd gefordert

Die Jagd auf Wildtiere wie Nashörner, Elefanten oder Löwen ist in vielen afrikanischen Ländern erlaubt. Die Praxis, Touristen gegen Bezahlung ausgewählte Tiere jagen zu lassen, ist umstritten.

Sujetbild: Vor dem "stillen" Aussterben der Giraffen wird gewarnt © APA/AFP/TONY KARUMBA
 

Dutzende Abgeordnete des EU-Parlaments und Umweltverbände haben bei der Weltartenschutz-Konferenz in Genf ein Verbot der Trophäenjagd gefordert. In einem offenen Brief verlangten sie am Sonntag eine entsprechende Anpassung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Zum Auftakt der Beratungen hatten Umweltschützer und Regierungsvertreter vor dem rasanten Rückgang der Artenvielfalt gewarnt.

Vertreter der mehr als 180 Vertragsstaaten des Artenschutzübereinkommens beraten zwölf Tage lang in Genf über den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Der Rückgang der Artenvielfalt weltweit sei "gefährlich" und "beispiellos", sagte CITES-Generalsekretärin Ivonne Higuero bei der Eröffnung der Konferenz am Samstag. Weiterzumachen wie bisher sei beim Artenschutz "keine Option mehr". Der Schweizer Innenminister Alain Berset forderte "starke und dringliche" Maßnahmen. "Es gibt keine Alternative", sagte er.

Ein Schwerpunkt der Konferenz ist der illegale Handel mit Wildtieren, der vor allem im Internet boomt und das Artensterben mitverursacht. Mit ihrem offenen Brief an CITES-Generalsekretärin Higuero begannen die EU-Parlamentarier und Umweltverbände nun auch eine Debatte über den Umgang mit Jagdtrophäen, auch wenn das Thema in Genf eigentlich nicht auf der Agenda steht.

Jagd auf bedrohte Tierarten verbieten

Die Unterzeichner - mehr als 50 EU-Parlamentarier und ebenso viele Umweltschutzorganisationen - riefen dazu auf, die Jagd auf bedrohte Tierarten zu verbieten. Sie beklagten, dass das Handelsverbot für die im Anhang 1 des Artenschutzabkommens genannten Tiere nicht für Jagdtrophäen gelte. Die Trophäenjagd sei eine "Multimillionen-Dollar-Industrie" und somit eindeutig "kommerziell", sagte der Tierschützer Eduardo Goncalves. Das entsprechende Schlupfloch in dem Artenschutzübereinkommen müsse daher geschlossen werden.

Die Jagd auf Wildtiere wie Nashörner, Elefanten oder Löwen ist in vielen afrikanischen Ländern erlaubt. Die Praxis, Touristen gegen Bezahlung ausgewählte Tiere jagen zu lassen, ist umstritten. Die Regierungen der betreffenden Länder argumentieren jedoch, dass die Einnahmen aus der Trophäenjagd in Tierschutzprojekte investiert würden.

Die Vertreter der CITES-Vertragsstaaten beraten in Genf über mehr als hundert Tagesordnungspunkte und 57 Anträge zum Schutz von Arten wie Nashörner, Giraffen, Jaguare und Haie. Es ist die längste Tagesordnung in der CITES-Geschichte.

Bedrohte Giraffe

Zum ersten Mal steht außerdem die Forderung auf der Agenda, den Schutzstatus der afrikanischen Giraffe festzulegen. Dies würde die Nachverfolgung und Regulierung des Handels mit Giraffen-Produkten ermöglichen. Es blieb zunächst unklar, ob der Schutzstatus auf der Konferenz genehmigt wird.

"Abseits der Öffentlichkeit findet weltweit ein stilles Aussterben der Giraffen statt", sagte die naturschutzpolitische Sprecherin der deutschen Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. "Mit den Giraffen droht eine weitere Tierart aus der freien Wildbahn zu verschwinden." Noch sei es möglich, das Artensterben zu stoppen, wenn entschieden gehandelt werde. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre habe sich der Bestand der Giraffen nahezu halbiert.

Wie das deutsche Umweltministerium auf Anfrage Lemkes mitteilte, lag der weltweite Bestand frei lebender Giraffen im Jahr 1985 zwischen 146.700 und 158.500. Zählungen in den Jahren 2015 und 2016 ergaben demnach nur noch einen Bestand von rund 85.000 Tieren. Von einzelnen Unterarten gebe es nur noch wenige hundert Tiere, sagte Lemke. Der Lebensraum der Giraffen werde durch Rodung und Landnutzung, politische Unruhen, illegale Jagd und ökologische Veränderungen bedroht. Auch Wilderei in Zentral- und Ostafrika führe zu Bestandsrückgängen.

Washingtoner Artenschutzabkommen

Das Washingtoner Artenschutzabkommen wurde 1973 geschlossen und regelt den internationalen Handel mit Wildtieren und -pflanzen. Es umfasst derzeit etwa 5.000 Tier- und 29.000 Pflanzenarten. Bei den regelmäßigen Vertragsstaatenkonferenzen werden die Listen der Arten, für die Handelsbeschränkungen gelten, angepasst.

Kommentare (2)

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gonde
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Hervorragende Idee! Leider wird die Geld- und Tropäengier dies erfolgreich verhindern.

Schade!

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ACorven
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Klingt vl. gut ... ist es aber nicht...

... wie man am Beispiel Nashorn sieht.
In Südafrika wo die legale Jagd auf Nashörner erlaubt ist - hat sich deren Bestand von nahe der Ausrottung auf über 20.000 Stück erholt.
Im Tschad hingegen, wurden Sie ausgerottet.

Ein Nashornabschuss kostet um den Daumen rund € 50.000 - Was glaubt ihr wieviele Ranger in Afrika damit beschäftigt werden können.

Ähnliches Beispiel von Elefanten in Botswana - Nach jahrelangen Verbot der Elefantenjagd, wurde diese voriges Jahr wieder eröffnet.

Ist zwar traurig - aber fact ist:
Wo Wildtiere (und speziell für Afrika gilt dies) einen legalen wirtschaftlichen Aspekt für die Heimische Bevölkerung haben, dort wachsen die Bestände.
Wo die Jagd verboten ist, wird unkontrolliert gewildert und ausgerottet.

Wird die Jagd verboten, wars das mit vielen Wildarten.
Sogar der WWF sieht das mittlerweilen so.

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