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Tierschutz

Grobe Mängel bei Tiertransporten enttarnt

Für den Transport von lebenden Tieren gibt es klare Richtlinien. Wie ein Bericht von Tierschützern nun belegt, werden diese aber oftmals nicht umgesetzt. Daraus resultiert großes Leid. Von Matthias Reif

SHEEP
Sujetbild: Tiertransport © (c) AP (TOBY TALBOT)
 

Der Transport von lebenden Nutztieren ist in unserer Gesellschaft nichts Ungewöhnliches. Wir alle kennen die vergitterten Seitenwände der Lkw, die kleinen Öffnungen, aus denen hin und wieder ein Rindermaul oder eine Schafschnauze ragt. Es ist meist die letzte Reise der tierischen Passagiere. Die Rahmenbedingungen für diese Transporte sind gesetzlich geregelt. Der Vertrag von Lissabon, der im Dezember 2009 in Kraft getreten ist, sieht vor, dass sowohl EU wie auch die einzelnen Mitgliedsstaaten für das "Wohlergehen der Tiere als fühlende Wesen" Sorge tragen müssen. Bereits davor, Ende 2004, wurde vom Europäischen Rat die Verordnung 1/2005 vorgelegt. Darin ist der Transport lebender Wirbeltiere geregelt, um "Verletzungen und unnötiges Leid" zu verhindern.

Lisa Graschl | KLZ
InfografikFoto © Lisa Graschl | KLZ

Eine rechtliche Grundlage ist also gegeben. Laut Tierschutzaktivisten hapert es allerdings an der Umsetzung. Die Organisationen Tierschutzbund Zürich (CH), Animal Welfare Foundation (GER) und Eyes on Animals (NED) und Compassion in World Farming (UK) haben über einen Zeitraum von rund fünf Jahren den Export von Rindern, Schafen und Ziegen aus der EU in die Türkei beobachtet und dokumentiert. Die Ergebnisse sind demnach erschütternd. 70 Prozent aller kontrollierten Transporte wiesen Mängel auf. Die zulässige Anzahl der Tiere auf den Ladeflächen wurde überschritten, wie auch die maximale Transportdauer – bei Kälte wie bei Hitze. Wasser und Nahrung waren nicht immer in ausreichendem Maß vorhanden. Teams der Organisationen haben Tiere dabei beobachtet, wie sie den Mix aus Einstreu und ihren eigenen Exkrementen fraßen, weil sie so ausgehungert waren. Zudem verendeten Tiere vor den Augen ihrer Artgenossen, wurden erdrückt oder waren von vorn herein zu geschwächt, um die tagelange Tortur überstehen zu können.

Im Niemandsland

Viele der in den EU-Mitgliedsstaaten startenden Transporte in Drittstaaten passieren die bulgarisch-türkische Grenze. Manche Lkw sind laut des Berichts bereits länger als 24 Stunden unterwegs, wenn sie das Niemandsland zwischen Bulgarien und der Türkei erreichen. Die mit der Ausreise verbundene Bürokratie kann mitunter Tage in Anspruch nehmen, in denen die Tiere bei jeder Witterung in den Transportern ausharren müssen. Platz zum Entladen der Tiere gäbe es dort nicht, kritisiert York Ditfurth vom Tierschutzbund Zürich. Im Zuge dieser Transporte würde häufig gegen geltendes EU-Recht verstoßen. „Darauf wollen wir mit unserem Bericht aufmerksam machen“, sagt er. Das Aufzeigen derartiger Missstände in Medien sieht er als letzten Ausweg um dagegen anzugehen. Konstruktive Zusammenarbeit mit den Legislative und Behörden ziehe seine Organisation vor.

Die Lage in Österreich

Nur zwei der von den Aktivisten kontrollierten Tiertransporte stammten aus Österreich, beide hielten der Inspektion durch die Aktivisten laut Bericht nicht stand. Dennoch gibt es zumindest innerhalb der Bundesgrenzen aktive Bemühungen seitens der Behörden. Im Jahr 2014 hat das Gesundheitsministerium mehr als 140.000 Kontrollen durchgeführt, 1757 waren nicht gesetzeskonform. Bei 99 Tiertransporten stellten Kontrollorgane Schmerzen oder ein Leiden der Tiere fest, in 204 Fällen kam es zu Anzeigen gegen die Transportunternehmen.

Spendenkonto

Animal Welfare Foundation e.V.


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Sparkasse Hanau

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Irina Fronescu von der Organisation Vier Pfoten in Österreich weist darauf hin, dass die meisten Kontrollen erst auf den Schlachthöfen vorgenommen würden: "Zu wenige Transporte werden auf den Straßen kontrolliert, wo aber die meisten internationalen Langstreckentransporte durchfahren." Ihre Organisation fordert unter anderem die Begrenzung der Fahrzeiten auf acht Stunden und die Verpflichtung, den nächstgelegenen Schlachthof anzufahren. Dies stärke auch die regionale Wirtschaft, sagt sie. Obwohl die Kontrollen in Österreich in den letzten Jahren zugenommen haben, sieht Fronescu keine Verbesserung der Situation. Die Verantwortung liege auch beim Verbraucher: "Bewusster Konsum kann viel bewirken."

Auf der nächsten Seite bieten wir die Dokumentation als Video an. Darin ist das Leid vieler Tiere dokumentiert - es sind Bilder, die auf empfindlichere Menschen verstörend wirken können!

Kommentare (9)

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fuerTiere
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Klimakiller Nr. 1

Die Tierhaltung, und damit der Konsum tierischer Produkte, ist einer der Hauptverursacher für die größten Probleme unserer Zeit: vom Klimawandel über die Rodung der Wälder, bis hin zur Ressourcenverschwendung und Trinkwasserproblematik. Wenn Ihnen etwas an unserem Planeten liegt, leben Sie vegan.

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merlin2
2
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Tierleid

Ich habe einige Zeit für den Tierschutz gearbeitet. Leider man wird wegen Lobbyismus "EU" umgehend mundtot gemacht und arbeitet gegen Windmühlen .
"Wehe dem Menschen, wenn auch nur ein einziges Tier beim Jüngsten Gericht an Gottes Seite sitzt".
[Christian Morgenstern]

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Ihr regionaler Einkauf hilft!

Durch Ihren regionalen Einkauf helfen Sie diesen Transport über Landesgrenzen zu stoppen. Daher Einkauf direkt beim Bauern Ihres Vertrauens, im Supermarkt auf das AMA Gütesiegel achten und nur zum Gastwirt mit dem AMA Gastrosiegel essen gehen.

Danke für Ihre Mithilfe!
weitere Infos unter fairelebensmittel.at

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wjs13
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Hilft überhaupt nicht

Lebendvieh wird in die Türkei transportiert damit Muslime die Tiere auf grausame Weise schlachten können.
Sonst ergäben die teuren Transporte keinerlei Sinn und wären schon längst abgeschafft.

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merlin2
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@fritzthecat

Bezüglich regionalen Einkauf gebe ich Ihnen zuz 100% Recht. Auch wenn wir in Österreich alle so denken und handeln würden, können wir zwar unser Gewissen beruhigen aber Weltweit nicht einmal 1% vom vorhandenen Tierleid verhindern. Das könnten nur Gesetze erreichen. Aber ein solches Gesetz wird von Menschen NIE beschlossen werden. "Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln".
(Mahadma Gandhi)

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Export-Orientierung / -Wahn!

Auch dann, wenn alle Menschen nur noch regional produzierte Produkte kaufen würden, blieben noch die Exporte übrig, weil die EU auf die Exportkarte setzt. Dieser Schwachsinn und die Wachstumsideologie sind die Ursache allen Übels. Schon lange verbrauchen wir mehr Ressourcen, als unser Planet nachzuliefern in der Lage ist.

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6a230e33b2c66c1f07e40e98311b5d86
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Kontrollen fehlen!

Ich bin der Überzeugung, dass der Staat viel besser und häufiger kontrollieren müsst. Das würde Arbeitsplätze schaffen, die leicht über die verhängten Strafgelder finanziert werden würden ... also zwei Fliegen mit einer Klappe: Mehr Tierschutz und weniger Arbeitslose.

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Patriot
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Die Gier der Frächter und Viehhändler, das Schmieren der Frächterlobby in Brüssel,

das Wegschauen des Landwirtschaftsministers, etc. lässt mittels Tierleid fette Gewinne machen. Obgenannte sollen sich bis ins Bodenlose schämen! Wann reagieren diese unfähigen EU-Bonzen endlich?

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Tiertransporte.....

Jetzt bin ich bald 66... einer meiner ersten Leserbriefe behandelte schon dieses Thema!
Nur die Gier nach Gewinn um jeden Preis, völlig egal ob das einem Tier schmerzen oder gar den Tod während des Transportes bedeutet.
Kollateralschäden bezeichnet man auch wenn Bomben ihr Ziel verfehlen und eine Schule oder ein Krankenhaus treffen....
Dafür pfercht man gleich eine Menge Tiere mehr auf die Ladefläche, um dies wieder auszugleichen...
Im Grunde hat sich in den 4 Jahrzehnten gar nichts getan, ein Haufen Papier ist verbraucht worden mit Absichtserklärungen... Wenn es ein Tierarzt wagte, die Auflagen zu kontrollieren, wurde er seines Postens als Kontrollorgan einfach enthoben.... So löst man " Probleme "
auch in Kärnten, gell werte Fraktion der ÖVP!!
Gordon Kelz

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