Wie kann es sein, dass ein Land, das vor mehr als 50 Jahren Menschen zum Mond geschickt hat, den Start einer neuen Mondrakete zweimal abbrechen muss? Haben die Amerikaner alles verlernt?

Kräftemessen im Weltall

Eine gewisse Häme war kaum zu überhören in den Berichten der chinesischen Staatsmedien über das US-amerikanische Mondfahrtprogramm Artemis. Nur gut, dass lediglich Puppen in der US-Mondrakete sitzen, meinten einige Kommentatoren, während China natürlich echte Menschen aus Fleisch und Blut in den Weltraum schicken kann und auch gesund wieder zurück auf die Erde bringt.

Der mittlerweile geglückte Start der US-Rakete vor wenigen Tagen wird in China aber von den jüngsten Erfolgen der eigenen Raumfahrer in den Erdschatten gestellt. Von wegen Puppen zum Mond, China bereitet den ersten Schichtwechsel von echten Menschen in der Weltraumstation "Tiangong" ("Himmelspalast") vor, der derzeit von einem dreiköpfigen chinesischen Raumfahrtteam bewacht wird. Der Alltag im Weltall hat begonnen, lautet die irdische Botschaft Chinas, und er wird nicht so schnell enden.

Die internationale Weltraumstation ISS fliegt mit Ablaufdatum ihrer Verschrottung entgegen, während Chinas Himmelspalast in absehbarer Zeit der einzige menschliche Außenposten im Erdorbit sein könnte. Zehn Jahre soll "Tiangong" bewohnt werden. Mindestens. Zudem will China eine bemannte Forschungsstation auf dem Mond errichten – ein neuer Wettlauf dorthin hat also längst begonnen.

Die Bezeichnung "Taikonauten" für die Männer und Frauen an vorderster Weltraumfront ist in China gänzlich unbekannt: Hier nennt man sie "Yuhang Yuan", also Raumfahrtmitglieder. "Tai kong" hingegen ist die große Leere. Wie auch immer man die Raumfahrer auch nennt, China ist mächtig stolz auf sein ambitioniertes Raumfahrtprogramm. Raumstation, Mondstation und Marslandung – man habe nicht nur aufgeholt in der Technologie, heißt es in Peking, sondern setze auch Maßstäbe.

Showdown im Mondstaub

Nur ein Chinese lebt noch hinterm Mond: Der "Jadehase", ferngesteuertes Mondfahrzeug, das China vor wenigen Jahren erstmals auf der erdabgewandten Seite des Mondes abgesetzt hat. Der "Jadehase" ist mittlerweile im elektronischen Tiefschlaf und wäre ein leichtes Opfer für die Jagdgöttin "Artemis", der Namensgeberin des US-Mondprogramms. Aber noch ist es zu früh für einen Showdown im Mondstaub.

China beteuert, dass sein Raumfahrtprogramm ausschließlich friedlichen Forschungszwecken diene, obwohl es zur Gänze dem chinesischen Militär unterstellt ist. Ein hochrangiger Experte der Nasa ist da anderer Meinung. Die Taikonauten, pardon, Raumfahrtmitglieder können dort oben ungestört trainieren, wie man feindliche Satelliten abschießt.