Brände, Hitze, Überschwemmungen Extremwetter macht Mittelmeerraum weiter zu schaffen

Extremwetter macht den Einsatzkräften im Mittelmeerraum weiter heftig zu schaffen. Eine Entspannung ist vielerorts nicht in Sicht. Ein Überblick.

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Nun lodern Brände in der Nähe von Rom © AP
 

Trotz einiger Erfolge an der Waldbrand-Front, bliebt die Lage im Mittelmeerraum weiter angespannt. In der Umgebung der italienischen Hauptstadt Rom hat die Feuerwehr am Freitagabend weiter gegen Waldbrände gekämpft. Die Einsatzkräfte löschten die Feuer von zwei Fronten. Im Einsatz seien auch ein Löschflugzeug und zwei Helikopter. Extremwetter macht den Einsatzkräften auch bei anderen Notsituationen im Mittelmeerraum heftig zu schaffen. In Spanien werden Hitzerrekorde erwartet, in der Türkei stieg die Zahl der Toten durch Hochwasser auf 38.

Situation in Italien

Die Flammen brannten im Naturschutzgebiet Monte Catillo nördlich von Tivoli. Die Stadt im Osten Roms ist für ihre UNESCO-Welterbe-Villen Villa d'Este und Villa Adrianna bekannt. Staatspräsident Sergio Mattarella begutachtete unterdessen die Lage auf Sardinien. Beim Besuch der Luftwaffe in Alghero überflog der 80-Jährige auch das Waldbrandgebiet in der Provinz Oristano im Westen der Insel. "Die Verwüstung durch die Brände zu sehen, lässt einen das enorme Ausmaß der Schäden für das Leben der betroffenen Kommunen verstehen", sagte Mattarella. "Diejenigen, die sich dessen schuldig gemacht haben, tragen eine schwere Verantwortung auf ihrem Gewissen." In der Süd-Region Kalabrien brannten am Freitag viele Feuer in der Gegend um den Aspromonte Nationalpark. Dort gab es bisher vier Tote im Zusammenhang mit den Waldbränden.

Waldbrände nördlich von Tivoli Foto © AP

Auf Sizilien und Sardinien stufte der Zivilschutz die Waldbrandgefahr für Samstag in vielen Provinzen zurück. Extreme Hitze und anhaltende Trockenheit begünstigen seit Ende Juli die Flammen. Hinter vielen Feuern vermuten die Behörden Brandstiftung.

Hitzewelle in Spanien

In Spanien brachte die bisher schlimmste Hitzewelle des Sommers Millionen Menschen ins Schwitzen. Am Freitag kletterten die Werte in vielen Gebieten des Landes deutlich über die 40-Grad-Marke, auch in der Hauptstadt Madrid. Wie der Wetterdienst AEMET mitteilte, wurden am Freitagnachmittag in der andalusischen Provinz Córdoba 46,1 Grad gemessen. Damit war der im Juli 2017 in Córdoba erfasste Landesrekord von 46,9 Grad in greifbarer Nähe. "Samstag wird der schlimmste Tag sein. Nicht ausgeschlossen, dass der Rekord dann auch gebrochen wird", sagte ein AEMET-Sprecher.

AEMET rief vor allem für mehrere Gebiete in Andalusien bis Montag Alarmstufe Rot aus. Die extreme Hitze setzte auch den spanischen Winzern zu. In der Region Kastilien-La Mancha mussten sie die Weinernte - die normalerweise im September beginnt - am Freitag vorzeitig beginnen. Die Trauben seien schon sehr reif, hieß es.

Überschwemmungen in der Türkei

In der türkischen Schwarzmeerregion kamen 38 Menschen in Zusammenhang mit Überschwemmungen ums Leben. Zwölf Menschen würden im Krankenhaus behandelt, teilte die Katastrophenschutzbehörde AFAD am Freitag mit. Betroffen sind vor allem die drei Provinzen Bartin, Kastamonu und Sinop. Präsident Recep Tayyip Erdogan reiste am Freitag nach Kastamonu und sagte, die zerstörten Orte würden durch "bessere" ersetzt.

Matschbraune Fluten rissen unter anderem Autos mit sich, mehrere Brücken stürzten ein. Medienberichten zufolge stand das Wasser mancherorts fünf Meter hoch. Unter anderem rund 5.000 Einsatzkräfte und 19 Helikopter seien an den Rettungsarbeiten beteiligt, unterstützt von Nichtregierungsorganisationen und dem Militär. Für Freitag waren weitere Regenfälle in der Schwarzmeerregion angekündigt.

Überschwemmungen in der Türkei: Nach den Feuern kamen die Fluten

Die Türkei - wie Griechenland und Italien - als von Wetterextremen gebeuteltes Land: Bei schweren Überschwemmungen in der türkischen Provinz Kastamonu am Schwarzen Meer sind mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen.

(c) AFP

Während Feuer mehrere Regionen des Landes verwüste(te)n, stehen Teile der Provinzen Kastamonu, Bartin und Sinop unter Wasser.

(c) AFP

Der Minister für Land- und Forstwirtschaft, Bekir Pakdemirli, hatte gewarnt, dass die Region "einem Desaster, das wir seit 50 oder 100 Jahren nicht gesehen hatten", gegenüberstehe.

(c) AFP

Erst vor wenigen Tagen waren die verheerenden Bränden an der türkischen Mittelmeer- und Ägäisküste zumindest großteils unter Kontrolle gebracht worden, bei denen seit Ende Juli acht Menschen ums Leben kamen.

(c) AFP

Wasser und Geröll strömten durch die Straßen, Brücken wurden zerstört.

(c) AFP

Auch in den Provinzen Bartin und Sinop am Schwarzen Meer gab es nach heftigen Regenfällen Überschwemmungen.

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Häufig war nur noch ein Abtransport von Verletzten oder Eingeschlossenen mit Hubschraubern möglich.

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In den gebirgigen Schwarzmeer-Regionen der Türkei kommt es in den Sommermonaten häufig zu heftigen Niederschlägen, die Hochwasser und Schlammlawinen auslösen.

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Aufnahmen im Fernsehen und Online-Netzwerken zeigten, wie das Wasser in einigen Städten bis auf die Höhe von Straßenschildern stieg - Autos wurden durcheinander gewirbelt.

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Auch so mancher tierischer Freund musste gerettet werden.

(c) AP
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Etwas Entspannung in Algerien

In Algerien wurden inzwischen fast alle Brände in der besonders stark betroffenen Region Tizi Ouzou vollständig gelöscht, wie die Zivilschutzbehörde des nordafrikanischen Landes am Freitag mitteilte. Die Mitarbeiter überwachten die Lage in der Region aber weiterhin. In anderen Regionen werden demnach noch immer Dutzende Feuer gelöscht. Nach Angaben der Behörde sind bisher insgesamt mindestens 124 Waldbrände in dem nordafrikanischen Land ausgebrochen. Dabei starben bisher mindestens 49 Zivilisten und mehr als 20 Soldaten, wie die staatliche Nachrichtenagentur APS meldete.

Situation in Griechenland

Erstmals seit Tagen sind die Brände in Griechenland unterdessen in allen Regionen des Landes unter Kontrolle oder sogar weitgehend gelöscht. Dies teilte der griechische Zivilschutz am Freitagmorgen mit. Lediglich in der gebirgigen Region Gortynia auf der Halbinsel Peloponnes gebe es immer wieder kleinere Brände, die aber rasch von den Einsatzkräften gelöscht würden. Die Feuerwehr warnte jedoch, die Gefahr sei noch nicht vorbei: In vielen Fällen schwele es noch im Unterholz, und neue Brände könnten ausbrechen. Schätzungen zufolge wurden bei den schweren Bränden im August mehr als 100.000 Hektar Wald- und Buschland sowie landwirtschaftlich genutzte Flächen zerstört.

Russland: Rauch macht Menschen zu schaffen

Die verheerenden Waldbrände in Russland werden zunehmend zu einer Gesundheitsgefahr für die Menschen. In der besonders betroffenen Region Jakutien (Republik Sacha) im Nordosten des Landes sei die maximal zulässige Konzentration schädlicher Stoffe in der Luft teilweise um das Zwanzigfache überschritten worden, berichtete der Radiosender Echo Moskwy am Freitag auf Grundlage von Behörden-Messungen. Demnach gab es bei acht von 16 untersuchten Schadstoffen wie Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid Überschreitungen.

Seit Tagen versinken Dörfer und Städte der Region im Rauch. Am Flughafen der Großstadt Jakutsk kommt es dem Betreiber zufolge wegen schlechter Sicht zu Ausfällen und Verspätungen. Die Behörden hatten für Freitag einen arbeitsfreien Tag angekündigt, damit sich die Menschen möglichst nicht im Freien aufhalten. Der Rauch zog bereits Tausende Kilometer westlich ins Landesinnere bis über den Ural und zur Mongolei. Jakutsk liegt etwa 4.800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt.

Kommentare (8)
Sam125
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Eines MUSS uns allen klar sein,solange gnadenlos und weltweit die Regenwälder

abgeholzt werden und sich daher der"Golfstrom"gravierend verändert,werden sich die Meeresströmungen und damit auch das Weltklima nachhaltig zum Nachteil der gesamten Welt und für immer verändern!Die Klimakatastrophe wird daher leider auch nicht zum aufhalten sein!Es ist schön,wenn wir fossile Brennstoffe durch Elektrizität ersetzen wollen,was natürlich nur in Ländern möglich ist,wo keine AUTOBATTERIEEN,wie in China,hergestellt werden,denn in China wird wegen der florierenden Wirtschaft(E- Mobilität!)fast täglich ein neues Kohlekraftwerk hochgefahren und die sogenannten westlichen und fortschrittlichen Länder wollen alles verbieten was mit fossilen Brennstoffen fährt und heizt und die gute Luft vom "Westen"wird durch die schlechte Luft vom "Osten",gesehen für's WELTKLIMA,wieder aufgehoben! Schöne Aussichten für uns alle! Und Deutschland verbraucht ALLEIN 40 % vom weltweit angebauten Palmöl und ist daher auch am allermeisten für die Abholzung der Regenwälder verantwortlich!

Adiga
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Es besteht wenig Hoffnung auf Rettung

Eine Weltgesellschaft die größtenteils funktioniert weil das meiste auf maximale Profite getrimmt ist und diese zu 90 - 95% über maximale Mobilität maximalen Ressourcenverbrauch und hemmungslosen Naturzerstörung generiert werden, so eine Weltgeselschaft tut sich naturgegeben schwer zu Alternativen zufinden, um so etwas wie eine Klimakatastrophe abwenden zu können.

Denn immer dort wo die Maximierungen heruntergefahren werden sollen oder verändert, bedeutet dass sich die Profitgenerierung verändern muss; Profitdenken hat die Industrialisierung immer weiter vorangetrieben und zu einer Menschen ausbeutenden und naturvernichtenden und zum Teil auch lebensfeindlichen Monstermechanik der Konsumgesellschaft werden lassen.

Wenn sich der Kapitalismus nicht von der grenzenlosen Wachstumsidee verabschiedet, wird er sich in naher Zukunft wohl selbst durch herbeigeführte Katastrophen auslöschen. Der einzige Vorteil darin: Dann ist der Spuk vorüber und die Profitorientierung - für die kein Preis zu hoch scheint - hat sich auch erledigt. - ...eigentlich besteht gar keine Hoffnung.

selbstdenker70
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..

Alle heucheln tiefe Betroffenheit und macht sich zugleich Sorgen ob man nicht doch noch 10 Flaschen Sonnencreme mitnehmen soll während man in der 20km Blech Lawine Richtung Meer steht.... Aber nach dem Urlaub sind wir wieder für den Klimaschutz versprochen... wobei... dann wirds eh schon wieder kalt und neblig....

ichbindermeinung
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lieber Milliarden für Löschfluzeuge statt Milliarden für Waffen u. fürs Militär

dann sollten die ganzen Südländer lieber die Milliarden für Löschflugzeuge u. für Feuerwehrautos verwenden anstatt Milliarden für Kampfflugzeuge/Panzer/Raketen/Fregatten und fürs Militär auszugeben

kukuro05
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des is uns wurscht

wir kriegn a Metro.
Des ist super!

umo10
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Sie werden sich schon daran gewöhnen

Mich betrifft das nicht. Das gabs immer schon. Die Medien brauchen wieder mal was fürs sommerloch. Hauptsache ein schlechtes Gewissen aufgedrückt (Ironie)

Ba.Ge.
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Mit Ironie kenn ich mich scheinbar nicht aus 🙈

Sry - auf meinen Beitrag bezogen.

Ba.Ge.
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Warum betrifft sie das nicht?

Die Auswirkungen dieser (natürlich irgendwo normalen, aber dennoch vermutlich durch die heutige Menschheit beschleunigt/extremer) Klimaänderung wird auch Österreich treffen?
Sie sind zu alt, dass es sie noch spürbar treffen würde? Hinter ihnen die Sintflut oder wie stellen sie sich das vor?