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Fußballstars empörtFranzösische Ärzte wollen Impfstoff in Afrika testen: Rassismusvorwürfe

"Sind die beiden Ärzte oder nur Clowns? Diese Art von Rassismus hätte ich mir nie vorstellen können", schreibt der Bayern-Star auf Twitter.

David Alaba © APA/AFP/ARIS MESSINIS
 

Österreichs Fußball-Star David Alaba hat mit Kritik auf den Vorschlag zweier französischer Wissenschafter reagiert, einen möglichen neuen Impfstoff gegen Covid-19 zunächst in Afrika zu testen. "Sind diese Typen Ärzte oder Clowns? Diese Art von Rassismus hätte ich mir nie vorstellen können. Schändlich und inakzeptabel", schrieb Alaba, dessen Vater aus Nigeria stammt, am Sonntagabend auf Twitter.

Der FC-Bayern-Spieler schloss sich einer mittlerweile langen Liste prominenter Persönlichkeiten an, darunter die früheren Weltklasse-Fußballer Didier Drogba und Samuel Eto'o. Die Wissenschafter hatten zuvor im französischen TV-Sender LCI darüber gesprochen, einen möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus in Afrika zu testen.

Studie in Afrika

Jean-Paul Mira, Chefarzt am Pariser Cochin Krankenhaus, fragte in die Runde: "Sollten wir diese Studie nicht in Afrika machen, wo es keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen gibt, ein bisschen so wie es bei bestimmten Aids-Studien gemacht wurde? Wo sie an Prostituierten experimentieren, weil man weiß, dass sie besonders exponiert sind und sich nicht schützen." Mira hatte zuvor gemeint, dass er nun bewusst provozieren werde.

Camille Locht, Direktor der staatlichen Forschungs- und Entwicklungseinrichtung Inserm, antwortete: "Sie haben recht. Wir überlegen eine parallele Studie in Afrika mit einem ähnlichen Ansatz durchzuführen." Gleichzeitig denke man auch über Studien in Europa oder Australien nach, meinte Locht.

Shitstorm ausgelöst

Die Aussagen lösten einen Shitstorm in den sozialen Netzwerken aus. In den Reaktionen zeigt sich Wut, die Menschen auf dem afrikanischen Kontinent haben. Denn: Während Afrika lange Zeit vom Coronavirus verschont geblieben war, häufen sich seit Mitte März auch dort die Fälle. Häufig führt die Spur nach Europa. Vom "Virus der Weißen" ist in Afrika die Rede. Dass nun ausgerechnet Forscher einer ehemaligen Kolonialmacht solche Pläne vorschlagen, rief zusätzliche Empörung hervor. "Wir wissen doch alle, wie uns Europäer und Amerikaner sehen. Überrascht es euch wirklich, dass sie Afrika als Testlabor sehen?", fragte eine Userin.

Drogba, der frühere Torjäger vom englischen Spitzenclub Chelsea und Kapitän der Cote d'Ivoire, schrieb, Afrika sei "kein Versuchslabor". "Ich möchte diese erniedrigenden, falschen und vor allem zutiefst rassistischen Worte aufs Schärfste verurteilen." Alaba schloss sich später an und betonte: "Wir müssen alle zusammenhalten und Hand in Hand arbeiten, um dieses Virus zu bekämpfen."

Ein Anwalts-Kollektiv aus Marokko kündigte eine Klage gegen Mira wegen rassistischer Beleidigung an. Der Forscher entschuldigte sich später in einer Aussendung seines Arbeitgebers: "Ich möchte mich bei all jenen entschuldigen, die verletzt und schockiert sind und die sich von meinen ungeschickten Äußerungen auf LCI beleidigt fühlen." Das Inserm meinte, die Aussage ihres Mitarbeiters sei aus dem Kontext gerissen und falsch interpretiert worden

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Lautstarke Kritik

Mehrere dunkelhäutige Fußballstars, darunter auch der Österreicher David Alaba, reagierten erbost auf den Vorschlag: "Sind die beiden Ärzte oder nur Clowns? Diese Art von Rassismus hätte ich mir nie vorstellen können", schreibt der Bayern-Star auf Twitter.

Bereits zuvor zeigten Didier Drogba und Samuel Eto'o ihren Unmut, so der Kurier. Drogba schrieb: "Afrika ist kein Versuchs-Labor. Ich möchte diese erniedrigenden, falschen und vor allem zutiefst rassistischen Worte anprangern."

Kommentare (12)

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Frohsinnig
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Unglaublich

Und die beiden Herrn sind noch im Amt? Sie sind eine Beleidigung für alle Ärzte die in der heutigen Situation großartiges leisten?

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ferdinandmuecke
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hatten wir schon öfters

Dr Mengele lässt Grüßen

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pesosope
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Ja, das könnte man durchaus als Rassismus bewerten

und um so etwas zu verhindern/vermeiden gibt es eigentlich einen einfachen Weg. Es werden hunderte oder vielleicht sogar tausende Menschen weißer Hautfarbe aus unseren Breiten aufgerufen, sich an dem Projekt zu beteiligen und als Probanden zu fungieren. Da wäre ich wirklich neugierig, wieviele sich melden und die "Gefahr "für andere in Kauf nehmen. Und was noch dazukommt, ich bin mir sicher, dass diese Leute dann keine Freude oder Ambition mehr haben, wenn sie berücksichtigen müssen, dass die afrikanischen Länder dieses Projekt überhaupt nicht mittragen oder mitfinanzieren und die Arznei dann trotzdem gratis bekommen.

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Mein Graz
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@pesosope

Ich bin mir nicht sicher, dass die Leute, die da in Afrika testen woll(t)en tatsächlich nur Freiwillige getestet hätten. Meist läuft das doch gerade in ärmeren und bildungsferneren Schichten so ab, dass man den Probanden gar nicht sagt, dass sie Versuchskaninchen sind!

Und ja, ALLE sollen von Forschung profitieren, auch wenn sie nichts dazu beigetragen haben. Dass Länder ein Medikament "gratis" bekommen ist auch eher selten. So gab es Jahrzehnte lang in Afrika keine Behandlung bei AIDS, weil sie nicht finanzierbar war.

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paulrandig
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Unter Rassismus verstehe ich,...

...jemanden nach seiner/ihrer Hautfarbe zu beurteilen und entsprechend anders zu behandeln als Menschen mit gleichen Fähigkeiten, in gleicher Position, die eine andere Hautfarbe haben.
In diesem Fall war die Herangehensweise aber:
Suchen wir eine Gegend, in der es kaum Schutzmaßnahmen gibt, und testen wir dort. Ich glaube, die Mediziner würden keinen Unterschied zwischen Schwarz und Weiß machen. Hauptsache, die Leute fänden sich in der entsprechenden Gegend.
Rassismus dagegen ist etwas anderes. Überall "Rassismus!" zu schreien, ist leider kontraproduktiv und schädigt nur die tatsächlich wichtigen Stimmen, die sich dafür einsetzen, alle Menschen gleich zu behandeln.

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halelale
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Wahnsinn,

die Daumen zeigen wie viele ticken.
Natürlich ist es widerwertig und rassistisch.
Viel mehr noch, es ist zum kotzen.

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Gedankenspiele
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@paulrandig

Ich bin absolut NICHT Ihrer Meinung.
Dieses Vorhaben mit entsprechender Begründung der Ärzte kann sehr wohl als rassistisch angesehen werden!

Herauszufinden ob ein medizinisches Mittel gegen ein Virus hilft oder nicht, hat absolut nichts damit zu tun, ob es im entsprechenden Gebiet keine Masken, keine Behandlungsmöglichkeiten und keine Wiederbelebungsmaßnahmen gibt.

Was man für eine solche Studie benötigt, sind ein Mittel, ärztliches Personal, entsprechende medizinische Ausrüstung zur Beobachtung der Ergebnisse und ein Virus, von dem es weltweit genug gibt.
Das sollte mit Afrika an sich rein gar nichts zu tun haben müssen.

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antipasti
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Der eine Arzt sagt ja selbst,

dass er "provozieren" würde, warum wohl?

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exilgrazer
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Man kann sich auch

alles schön reden, gell? Hier gibt es eindeutig einen rassistischen Hintergrund. Zumal auch überhaupt nichts gegen Tests in Frankreich spricht. Aber da kommt wohl der alte Kolonialismus-Gedanke durch, dass, wenn's schief geht, eh "nur" Afrikaner leiden werden. Zum Kotzen solche "Wissenschaftler" und auch jene, die das für OK finden.

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Mein Graz
28
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@paulrandig

Wenn die Herangehensweise tatsächlich so war, warum kamen die "Ärzte" dann auf Afrika und nicht auf Sibirien, Alaska, die Mongolei oder Gebiete in Südamerika oder Australien?

M.E. weil die "Weißen" Afrika schon immer als einen Kontinent sahen, den man leicht für eigene Zwecke missbrauchen konnte. Das passiert auch heute noch, der Kontinent wird ausgebeutet und die Menschen dort leben in Armut.
Für mich sind diese Aussagen sehr wohl rassistisch, denn es geht um Menschen, die sozusagen als Versuchskaninchen missbraucht werden sollen statt ihnen zu helfen einer Infektion aus dem Weg zu gehen.

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cockpit
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Mein Graz

stimme Ihnen zu 100% zu!

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paulrandig
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Mein Graz

Bei der latenten Kolonialismus-Geisteshaltung kann ich Ihnen zustimmen. Versuchskaninchen sind wir aber alle. Niemand weiß (sagt zumindest die WHO), ob 5G schädlich ist oder nicht. Aber wir installieren es einfach einmal und schauen, was passiert. Könnte man doch eh auch in Afrika machen, wenn wir rassistisch wären.

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