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Frankreich Haftstrafen für Ex-Telekom-Manager nach Suizidwelle

Der ehemalige Vorsitzende von France Télécom, Didier Lombard, muss für vier Monate ins Gefängnis und eine Geldstrafe von 15.000 Euro zahlen.

Didier Lombard © AP
 

Rund zehn Jahre nach einer beispiellosen Suizid-Serie bei der französischen Telekom sind drei frühere Manager wegen Mobbings zu Haftstrafen verurteilt worden. Darunter ist der ehemalige France-Telecom-Chef Didier Lombard, den das Pariser Strafgericht zu vier Monaten Gefängnis und einer Geldbuße von 15.000 Euro verurteilte. Er kündigte umgehend Berufung an.

Dem Konzern, der heute Orange heißt, legte das Gericht die höchstmögliche Geldstrafe von 75.000 Euro auf. Lombards Stellvertreter Louis-Pierre Wenes und der ehemalige Personalchef Olivier Barberot sollen nach dem Urteil ebenfalls für vier Monate ins Gefängnis. Die drei Hauptangeklagten setzten dem Urteil zufolge ab dem Jahr 2007 mit "illegalen Mitteln" wie Druck und Einschüchterung ein Programm zum Abbau von 22.000 der damals 120.000 Stellen im Konzern durch. Sie selbst bestritten alle Vorwürfe.

Gewerkschaften zufrieden

Die Staatsanwaltschaft hatte jeweils ein Jahr Haft für die drei Hauptangeklagten gefordert, das Strafgericht setzte davon aber jeweils acht Monate zur Bewährung aus. Vier weitere Manager wurden zu je vier Monaten Haft auf Bewährung und Geldbußen von 5.000 Euro verurteilt.

Die Gewerkschaften werteten das Urteil als "sehr großen Erfolg". Es ist das erste Mal, dass ein großer börsennotierter Konzern in Frankreich in einem Mobbing-Prozess verurteilt wird. Lombards Anwalt warf dem Gericht dagegen "Rechtsfehler" vor und nannte das Urteil "vollkommen demagogisch".

Laut dem Gericht entwarfen Telekom-Chef Lombard und seine Helfer "einen konzertierten Plan, um die Arbeitsbedingungen der Angestellten zu verschlechtern und ihr Ausscheiden zu beschleunigen". Dies habe ein "Klima der Angst" in dem Unternehmen geschaffen, das zuvor privatisiert worden war. Lombard sagte damals vor Managern, er werde den Stellenabbau durchziehen, "ob durch das Fenster oder durch die Tür".

39 Mitarbeiter, 19 Suizide

In dem Prozess ging es um 39 Mitarbeiter, von denen 19 Suizid begingen und zwölf weitere einen Suizid-Versuch. Andere litten an Depressionen und waren teilweise arbeitsunfähig. Ins Rollen kam der Fall, nachdem ein Techniker in seinem Abschiedsbrief von einem "Terror-Management" bei der Telekom gesprochen hatte. Die Gewerkschaften erstatteten daraufhin Anzeige.

Der Bruder eines früheren Telekom-Angestellten, der Suizid begangen hatte, äußerte "Abscheu und Verachtung" für die Verurteilten. Er zeigte sich "zufrieden" mit dem Urteil, bedauerte aber, dass das Gericht den ursprünglichen Vorwurf des Totschlags nicht aufrechterhalten hatte.

Ein anderer Angehöriger betonte, die 19 verhandelten Suizide seien nur die Spitze des Eisbergs. In Medienberichten ist von mehr als 40 Fällen die Rede, ein Zusammenhang mit der Arbeit ließ sich aber nicht immer nachweisen. Für Schlagzeilen sorgte unter anderem der Fall einer Telekom-Angestellten, die sich vor den Augen ihrer Kollegen aus dem Fenster stürzte.

Mehr als hundert Zivilkläger

Zu dem Prozess waren mehr als hundert Zivilkläger zugelassen - unter anderem eine Frau, deren Vater sich 2011 vor einer Telekom-Zweigstelle in Merignac in Westfrankreich selbst angezündet hatte. "Mit dem Tod meines Vaters haben sie ihr Firmenziel erreicht", hatte sie in Richtung der Angeklagten gesagt.

Auf den Vorgängen bei der französischen Telekom basiert das Filmdrama "Corporate" von 2017. Es handelt von Psychoterror in einer großen Firma und lief bei dem Sender Arte.

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