Kobalt für HandysKomplette Stadt wird zwangsumgesiedelt

Die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika verfügt über rund 65 Prozent der weltweiten Kobaltreserven, die für den Bau von Handy-Akkus für Handys oder E-Autos benötigt werden.

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Oft müssen Kinder und Frauen in den Kobaltminen unter unmenschlichen Bedingungen schuften
Oft müssen Kinder und Frauen in den Kobaltminen unter unmenschlichen Bedingungen schuften © (c) APA/AFP/JUNIOR KANNAH (JUNIOR KANNAH)
 

In der Demokratischen Republik Kongo soll eine komplette Stadt dem Abbau von Kobalt weichen. Der Gouverneur der Provinz Lualaba, Richard Muyej, sagte am Dienstag, die Umsiedelung der Stadt Kasulo werde etwa 800 Millionen Dollar (715 Millionen Euro) kosten.

Im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Organisation Synergie bereits 600 Familien umgesiedelt worden; sie erhielten demnach zwischen 1.500 und 10.000 Dollar (8.958,97 Euro) pro Haushalt.

Kobalt wird für die Produktion von Batterien in Elektroautos, Smartphones und für erneuerbare Energien benötigt. Schätzungen zufolge verfügt die Demokratische Republik Kongo in Zentralafrika über 65 Prozent der weltweiten Kobaltreserven. Die Stadt Kasulo ist auf einem großen Kobaltvorkommen gebaut - laut Muyej wird sein Wert auf bis zu 100 Milliarden Dollar geschätzt. Die Preise würden zudem noch steigen.

Widerstand und Kinderarbeit

Er rechne mit Widerstand der Bevölkerung, sagte der Gouverneur. "Aber was unter der Erde liegt, gehört nicht Einzelnen, sondern dem Staat." Wenn der Staat die Umsiedlung als Interesse der gesamten Nation definiere, dann könne er die Bewohner der Stadt umsiedeln und sie entschädigen. Den Angaben des Gouverneurs zufolge besteht jeder Haushalt in Kasulo aus rund zehn Menschen.

Der Abbau von Kobalt im Kongo ist wegen Kinderarbeit und schwerster Arbeitsbedingungen in der Kritik. Erst am Sonntag hatte eine Menschenrechtsorganisation in den USA die großen Technikkonzerne Apple, Microsoft, Tesla, Dell und die Google-Mutter Alphabet verklagt, weil sie von Kinderarbeit in den Kobaltminen des Landes profitierten.

Kommentare (24)
lapinkultaIII
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...

Naja, reisserische Überschrift. Der Punkt "Kinderarbeit" ist viel schlimmer, als die Übersiedelung der Stadt.

Sonst müsste man ja auch über Schweden - genauer Kiruna - solche Artikel verfassen. Dort wird schon seit vielen Jahren immer wieder wegen des Erzabbaus umgesiedelt.

rero03806
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Warum jetzt erst im Fokus

Mich wundert immer, dass erst wenn es um Batterien und Akkus geht ein solches Thema medial Aufmerksamkeit findet. Als ob es nicht schon Jahrzehnte unter solchen Bedingungen abgebaut worden wäre...
Derweil es nicht für Elektroautos sondern nur für die Entschwefelung von Kraftstoffen verwendet wird ist es ja völlig Ok.

styrianprawda
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@rero03806

Die Mengen an Kobalt, die in Raffinerien zur Kraftstoffentschwefelung eingesetzt werden, sind aber um etliche Potenzen niedriger, als die für die Batterieproduktion benötigten.
Außerdem kann man hier in den Katalysatoren statt Kobalt-Molybdän auch Nickel-Molybdän einsetzen.

scionescio
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Die eAutofahrer mit Akku können das anscheinend locker mit ihrem Gewissen vereinbaren...

... solange sie lokal emissionsfrei (die Emissionen entstehen halt beim Bau und der Entsorgung der Akkus und der Stromerzeugung) unterwegs sein können und am Stammtisch mit Phantasiezahlen prahlen können, ist ihre kleine Welt in Ordnung!
Das Hauptproblem sind nicht die Handyakkus - man braucht sich nur überlegen, wie viele Handyakkus man anstelle einem 600kg Tesla-Akkupack herstellen könnte!

Hazel15
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Warum gerade Tesla

Was ist mit einem Akkupack von BMW, Porsche , VW usw.? Ihre Kommentare sind so etwas von unqualifiziert, wollen sich Dudenhöfer als "Kollegen" bezeichnen, wo sie sich doch Welten von ihm trennen!!! Hier trifft Facjwissen auf inkompitenz!! Außer Tesla fällt Ihnen nichts ein.Wie wäre es, wenn Sie es einmal mit arbeit versuchen würden, denn ein normaler Mensch der im arbeitsleben steht, hat nicht die Zeit zu diesen Tageszeiten so einen Unsinn zu posten!!

scionescio
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Warum gerade Tesla?

Ganz einfach - Tesla bzw. Musk ist maßgeblich schuld daran (weil er in die Geschichtsbücher eingehen möchte und ein starkes Aufmerksamkeitsdefizit hat), dass anstatt sinnvoller eAutos (klein, leicht, urbane Anwendung und sonstige Nischen) plötzlich idiotische Protzkisten für naive Angeber produziert werden, die nichts können, außer geradeaus schnell beschleunigen (kann eine Sylvesterrakete auch) und Unmengen von nicht wirtschaftlich recycelbaren Sondermüll in Form von Akkus produzieren - eine ganze Industrie wird von dummen Politikern durch einen zeitlich begrenzten Hype gezwungen, auf diese Zwischentechnologie aufzuspringen, obwohl es für die Konsumenten nur Nachteile hat, der Umwelt nichts bringt, sauteure und bald obsolete Infrastruktur erfordert und das Wasserstoffzeitalter nur aufhält.
Falls sie den Interview mit Herrn Pitschesrieder gelesen (und verstanden) haben, sollten sie wissen, dass es in der Fachwelt genau so gesehen wird.

checker43
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Auch

jeder Verbrennerauto-Fahrer kann den Abbau von Erzen, die Förderung und den Transport von Öl, die Raffination und die Verbrennung von Benzin/Diesel mit seinem Gewissen vereinbaren, wieso sollten es E-Autofahrer mit der Kobaltgewinnung nicht können?

Amadeus005
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Die Probleme sind eh anders

1. Energieverbrauch generell
2. Mobilitätsbedarf
3. Individualverkehr
Wenn man nur 3. reduziert, dann fällt auch das e-Auto weg, bzw. wird weniger.

Carlo62
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Der Akku in einem Mobiltelefon wiegt ca. 20g

Die Akkus in BEV's wiegen zwischen 250kg und 600kg, nehmen wir 400kg im Schnitt, also 20.000 mal soviel! Ich nehme einmal an, dass der Kobaltanteil sich ähnlich wie das Gesamtgewicht verhält. Für ein einziges BEV können also 20.000 Akkus für mobile Endgeräte gebaut werden. Daher: weg vom akkubetriebenen BEV und Start für die Weiterentwicklung der Brennstoffzelle!

wahrheitverpflichtet
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und alle wissen es!

Der Abbau von Kobalt im Kongo ist wegen Kinderarbeit und schwerster Arbeitsbedingungen in der Kritik. Erst am Sonntag hatte eine Menschenrechtsorganisation in den USA die großen Technikkonzerne Apple, Microsoft, Tesla, Dell und die Google-Mutter Alphabet verklagt, weil sie von Kinderarbeit in den Kobaltminen des Landes profitierten. DAS SKLAVENTUM GEHT WEITER UND WIR KONSUMENTEN SPIELEN DA MIT ICH NICHT ICH HABE EIN §% EURO HANDY UR ALT FUNKTIONIERT TELEFONIEREN KANN ICH UND ES PASST ÜBERALL HINEIN! UND DIE HERSTELLER BAUEN DIE GERÄTE DANN JA AUCH SO DAS SIE JA SCHNELL KAPUT SIND DAS KRIMINELLE KARUSSELL DER GIER UND KEIN GESETZT AUF DER WELT MACHT DAGEGEN WAS

Carlo62
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Allen Besitzer von Uralt-Mobiltelefonen ins Stammbuch geschrieben:

Ihr habt mit ziemlicher Sicherheit eine Akkutechnologie im Telefon, welche mit Cadmium, einem hochtoxischen Erdalkali, gefertigt worden ist. In der EU ist die Inverkehrbringung von Cd haltigen Akkus (NiCd) schon seit Jahren verboten. Cadmium wirkt hochtoxisch auf den Organismus und steht auch im Verdacht, krebserregend zu sein. Worauf seid ihr da stolz?

eleasar
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Ich habe auch ein altes Nokia Tastenhandy.

Hat schon zig Generationen von Smartphones überdauert. Der Akku hält immer noch 4 Tage. Es hilft mir, fokussiert zu bleiben, erspart mir Social-Media-Ablenkung und macht das Leben so entspannt...

0A0G4FLK9CKZ4QC8
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ich habe auch ein Uralthandy

....und lebe sehr entspannt....z.B. kann mir niemand pausenlos über irgendein whatsapp auf die Nerven gehen-wunderbar!

Aber wir sind Auslaufmodelle......jeder schämt sich doch wenn er nicht genau das hat was alle anderen auch haben.
Das nennt sich Neidkomplex, oder noch besser: Minderwertigkeitskomplex.
Die armen ausgebeuteten Menschen im Kongo haben übrigens nix von den überteuerten tablets....

styrianprawda
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@brosinor

Was an Tablets ist "überteuert"?

Im Vergleich zu Smartphones sind die sogar billig.

gintonicmiteis
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Berichtet die Kleine Zeitung auch über die vielen Dörfer, die für den Braunkohleabbau in Deutschland umgesiedelt wurden?

Eine Liste findet sich auf Wikipedia unter "Liste abgebaggerter Ortschaften":
"Insgesamt wurden in Deutschland alleine für den Braunkohlebergbau mehr als 300 Siedlungen devastiert und ca. 100.000 Menschen umgesiedelt."

styrianprawda
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@gintonicmiteis

Whataboutimus pur.

scionescio
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Und das rechtfertigt jetzt genau was?

Wenn jemand seine Frau schlägt - hilft es der Frau, wenn er sich damit rechtfertigt, dass sein Nachbar das auch gemacht hat?
Whataboutism in Reinkultur!

Mein Graz
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@scionescio

Ich habe gestern lange darüber nachgedacht, was mich an diesem Posting stört.
Du hast es auf den Punkt gebracht. Danke.

selbstdenker70
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...

Der feine Unterschied, Kohle ist, bzw sollte ein Auslaufprodukt sein. Beim Kobalt stehen wir erst ganz am Anfang und sollte zu ne den Autos den co2 Ausstoß verkleinern. Naja, besseres Klima, dafür werden halt ganze Landstriche umgegraben...natürlich mit co2 neutralen Baumaschinen und gut bezahlten Arbeitern in Form von Kinderarbeit... Und das stört mich an dieser co2 Debatte so sehr. Es wird nie die zweite Seite der Medaille gezeigt.

dude
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Dann müßte ja die Republik Kongo...

... einer der wohlhabendsten Staaten der Erde sein!
Theoretisch...

scionescio
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Wegen 100 Milliarden?

Da hat schon Bayern eine größere Wirtschaftsleistung...

Reipsi
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Was ist wenn es kein

Kobalt auf der Welt mehr gibt, gibts dann keine Handys #:=)) mehr ?

joektn
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🤷‍♂️

Bleiakkus ;) Es gibt durchaus bereits andere Substanzen für Akkus die synthetisch hergestellt werden. Allerdings ist das erst in Entwicklung und daher noch sehr sehr teuer und nicht völlig ausgereift. Wird also noch dauern bis das in Masse produziert wird.

Carlo62
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Ich stelle mir gerade ein Smartphone...

...mit einem Bleiakku vor 😂 Der Bleiakku sitzt in einem Rucksack und ist mit einem Kabel mit dem Smartphone verbunden. Das Ende der drahtlosen Telefonie ist gekommen 🙈