AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Fall LügdeHundertfacher Missbrauch: Achtjährige belastet Pflegevater

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch hat die ehemalige Pflegetochter des Angeklagten ausgesagt.

© APA/AFP/dpa/GUIDO KIRCHNER
 

Im Prozess um den hundertfachen Kindesmissbrauch von Lügde gegen zwei Angeklagte hat eine zentrale Zeugin - ein achtjähriges Mädchen - ihre belastenden Aussagen bekräftigt. Die frühere Pflegetochter des 56-jährigen Angeklagten habe vor dem Landgericht Detmold bestätigt, dass alle ihre Angaben gegenüber der Polizei bei den Ermittlungen richtig seien, schilderte ihr Anwalt Cornelius Pietsch.

Die unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Freitag stattgefundene Befragung ist laut Pietsch "kindgerecht verlaufen". Seine Mandantin hatte ab Frühjahr 2016 etwa zweieinhalb Jahre lang in der heruntergekommenen Camping-Unterkunft des 56-Jährigen im nordrhein-westfälischen Lügde gelebt. Ihr soll besonders schweres Leid zugefügt worden sein. Den Ermittlungen zufolge war sie in mehr als hundert Fällen sexuell missbraucht worden.

Das Mädchen werde in einer Einrichtung betreut, später eine Therapie beginnen, sei aber noch nicht so weit, "über die Dinge zu sprechen", sagte Pietsch. "Ihre Sprachlosigkeit spricht Bände." Das Kind war erst fünf Jahre alt, als die Übergriffe begannen. Um keine erneute Traumatisierung zu riskieren, wurden die Angeklagten vor der Befragung des Mädchens aus dem Saal entfernt.

Gegen Jugendämter und Polizei wird ermittelt

Der Landkreis Hameln in Niedersachsen hatte den Beschuldigten als Pflegevater eingesetzt - das soll auf Wunsch der überforderten Mutter geschehen sein. In dem Komplex hatte es zahlreiche Versäumnisse gegeben - parallel zum Prozess laufen Ermittlungen gegen Mitarbeiter von Jugendämtern und Polizei.

Auch politisch wird der Fall aufgearbeitet. Im nordrhein-westfälischen Landtag konstituierte sich am Freitag der parlamentarische Untersuchungsausschuss "Kindesmissbrauch". Das Gremium soll Fehlverhalten auf allen mit dem Fall befassten Ebenen aufklären, also auch Ermittlungspannen und Behördendefizite unter die Lupe nehmen.

Vorwurf des jahrelangen Missbrauchs

Den beschuldigten 56- und 34-jährigen Männern wird jahrelanger, teilweise schwerer sexueller Missbrauch von 34 Kindern und Jugendlichen auf dem Campingplatz und in der Wohnung eines der Beschuldigten in Steinheim vorgeworfen. Sie sollen einige Gewalttaten auch gefilmt haben. Beide Männer hatten zu Prozessbeginn vor zwei Wochen ein Geständnis abgelegt.

Die Vorsitzende Richterin Anke Grudda las am Freitag E-Mails aus den Jahren 2012 und 2013 vor - gefunden auf einer Festplatte des 56-Jährigen - die belegen, wie sich der Angeklagte auf perfide Weise das Vertrauen seiner Opfer erschlich: Mal versprach er ein Handy oder ein Notebook zu besorgen, dann bat er, doch mal eine Freundin mitzubringen. Er sprach die Mädchen mit "Schatz" oder "mein Kind" an. In den Mails nannten die Kinder ihn "Papa", "Addi" oder "Papa-Bär". Ein Kind schrieb, sie habe ihn lieb, aber: "Ich möchte nicht, dass du bei mir rumfummelst."

Zwei Mädchen, die eigentlich aussagen wollten, brachten die Kraft dazu doch nicht auf, wie deren Anwältin erklärte. Es falle den Kindern bis heute sehr schwer, über die Ereignisse zu sprechen. Sie schämten sich, würden von Ekelgefühlen und Albträumen geplagt. Das Verfahren wird in zwei Wochen fortgesetzt.

Das Verfahren gegen einen 49-Jährigen aus Stade war abgetrennt worden. Hier will das Gericht am 17. Juli ein Urteil verkünden. Er soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.