"Trotz der getroffenen Maßnahmen und der erzielten Fortschritte bei der Verhinderung von Missbrauch ist ein wiederholtes und ständiges Bemühen um die Heiligkeit der Hirten nötig", so der Papst. Die Kirche bekräftige ihren festen Willen, "den Weg der Reinigung mit all ihrer Kraft fortzusetzen", sagte Franziskus.

Sexueller Missbrauch durch Geistliche in der katholischen Kirche wiegt nach Ansicht von Papst Franziskus noch schwerer als in anderen Bereichen der Gesellschaft. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaften ist, schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche", sagte der Pontifex.

"Die Kirche wird sich, auch unter Hinzuziehung von Experten, darüber beraten, wie die Kinder zu schützen sind; wie solche Katastrophen vermieden werden können, auf welche Weise man sich der Opfer annehmen und sie reintegrieren kann; wie man die Ausbildung in den Seminaren verbessert", sagte der Papst. Man werde versuchen, die begangenen Fehler in Chancen zu verwandeln, um dieses Übel nicht nur aus dem Leib der Kirche, sondern auch aus dem der Gesellschaft zu beseitigen.

Sich selbst anzuklagen sei ein weiser Anfang, der mit der heiligen Gottesfurcht verbunden sei. "Lernen, sich selbst anzuklagen, als einzelne Person, als Institutionen, als Gesellschaft. Wir dürfen nämlich nicht der Versuchung unterliegen, andere zu beschuldigen, was ein Schritt in Richtung eines Alibis wäre, das sich der Realität verweigert", sagte der Heilige Vater.

Die Vorsitzenden der 114 Bischofskonferenzen weltweit und weitere rund 70 Teilnehmern führten seit Donnerstag Gespräche, um Wege zu finden, sexuelle Misshandlungen von Kindern durch Geistliche zu verhindern. Für Österreich war der Wiener Erzbischof, Christoph Schönborn, anwesend. Viele Vorschläge und Ideen standen zur Diskussion, bindende Beschlüsse konnten die Teilnehmer auf der Konferenz nicht fassen. Auch eine Abschlusserklärung war nicht vorgesehen.

Mit einem Bußgottesdienst beendeten Papst, Bischöfe und Ordensobere ihr Krisentreffen zum Missbrauch in der Kirche am Samstagabend. "Wir bekennen, dass wir die Schuldigen geschützt und die Opfer zum Schweigen gebracht haben", sprach Neuseelands Kardinal John Dew eines von fünf Schuldbekenntnissen in der knapp einstündigen Andacht in der Sala Regia des Apostolischen Palastes.

"Wir waren zu selbstgefällig"

Bischof Philip Naameh aus Ghana verglich seine Mitbrüder mit dem verlorenen Sohn des biblischen Gleichnisses. Wie diese hätten sie ihr Erbe verschleudert. "Wir waren zu selbstgefällig, uns mit den dunklen Seiten unserer Kirche auseinanderzusetzen", sagte Naameh in seiner Predigt.

Missbrauchsopfer enttäuscht

Missbrauchsopfer erklärten sich über den Kinderschutzgipfel enttäuscht. Es würde an konkreten Ergebnissen am Ende der Konferenz fehlen. Opfervertreter bemängelten zudem, dass sie vom Papst nicht empfangen worden seien. Während der Konferenz hatten die Teilnehmer Videoaufnahmen mit Zeugnissen von Missbrauchsopfern gehört.

Die Gipfelteilnehmer sehen die Lage anders. Sie bezeichneten das viertägige Treffen als "Wendepunkt" im Einsatz der Kirche gegen Kindesmissbrauch. In den wenigen Tagen des Gipfels sei das Bewusstsein für die Notwendigkeit, effiziente Strategien im Kampf gegen Kindesmissbrauch umzusetzen, stark gewachsen, sagte Gipfelmoderator Pater Federico Lombardi. Die Gipfelteilnehmer seien von den Zeugnissen der Missbrauchsopfer zutiefst bewegt.

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx verteidigte die Rede von Papst Franziskus zum Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz. "Ich kann nicht erkennen, dass das nur qualmiges, nebulöses Gerede war", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Sonntag in Rom. Die Rede sei "sehr konkret, sehr deutlich" gewesen. Der Papst habe in sieben Punkten seine Leitlinien dargestellt, die die Bischofskonferenzen nun in ihren Ländern umsetzen müssten. "

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