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Missbrauch in der KircheKardinal Marx kritisiert "päpstliches Geheimnis" bei Missbrauch

Nicht die Täter, sondern die Opfer seien "reglementiert" und ihnen sei "Schweigen auferlegt" worden, sagt der deutsche Kardinal Reinhard Marx anlässlich der Antimissbrauchskonferenz im Vatikan.

POLAND GERMANY BISHOPS WORLD WAR II COMMEMORATION
POLAND GERMANY BISHOPS WORLD WAR II COMMEMORATION © (c) APA/EPA/TOMASZ GZELL
 

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx hat bei der Antimissbrauchskonferenz im Vatikan schwere Versäumnisse der Kirchenverwaltung eingeräumt. "Akten, die die furchtbaren Taten dokumentieren und Verantwortliche hätten nennen können, wurden vernichtet oder gar nicht erst erstellt", sagte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz am Samstag im Vatikan.

"Schweigen auferlegt"

Nicht die Täter, sondern die Opfer seien "reglementiert" und ihnen sei "Schweigen auferlegt" worden. "Festgelegte Verfahren und Prozesse zur Verfolgung von Vergehen wurden bewusst nicht eingehalten, sondern abgebrochen oder außer Kraft gesetzt", kritisierte Marx in seinem Vortrag. "Die Rechte von Opfern wurden gleichsam mit Füßen getreten und sie der Willkür Einzelner ausgeliefert. Dies sind alles Geschehnisse, die dem zutiefst widersprechen, wofür die Kirche stehen sollte."

Opfer machen mobil: Demonstrationen gegen Missbrauch in der Kirche

An einem viertägigen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan beteiligen sich 190 offizielle Teilnehmer.

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Opferschutzverbände und selbst Betroffene fordern null Toleranz, was Missbrauch in der katholischen Kirche betrifft - und Aufarbeitung aller bereits geschehenen Taten.

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Sie fordern von Papst Franziskus und den Kirchenoberen konkrete Ergebnisse am Ende der Konferenz.

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Das Kirchenoberhaupt will die Bischöfe auf der ganzen Welt für das Problem des Missbrauchs sensibilisieren.

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Während in Deutschland, den USA oder Irland das Thema sehr präsent und die Aufarbeitung zumindest begonnen hat, wird Missbrauch etwa in vielen Ländern Afrikas und Asiens nicht als Problem anerkannt.

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Bindende Beschlüsse können die etwa 190 Teilnehmer auf der Konferenz allerdings nicht fassen, was die Betroffenen empört.

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Die Selbstherrlichkeit katholischer Bischöfe, die zwischen sich und dem lieben Gott nur den Papst als Kontrollinstanz sehen, soll ein Ende finden, so eine Forderung.

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In letzter Konsequenz geht es um nicht weniger als eine Verfassungsreform im Aufbau der katholischen Kirche.

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Franziskus steht selbst unter Druck, seine viel beschworene Null-Toleranz-Linie in Taten umzusetzen.

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Alle bisherigen Versprechungen gingen den Opferschutzverbänden noch nicht weit genug, zudem ist der Vatikan von einem geschlossenen Vorgehen weit entfernt.

(c) AP (Gregorio Borgia)
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Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sei daher zu einem "nicht geringen Teil" auf Machtmissbrauch in der Verwaltung der katholischen Kirche zurückzuführen, sagte Marx. "Verwaltung hat hier nicht dazu beigetragen, dass der Sendungsauftrag der Kirche erfüllt wird, sondern im Gegenteil, dass er verdunkelt, diskreditiert und verunmöglicht wurde." Die Menschen müssten der Kirchenverwaltung "vertrauen" können, forderte Marx. Nachvollziehbarkeit und Transparenz seien "alternativlos".

Päpstliches Geheimnis in der Kritik

"Transparenz bedeutet nicht die unkritische Annahme und die disziplinlose Verbreitung von Missbrauchsvorwürfen", stellte Marx klar. Stattdessen sollten Vorwürfe geklärt und konkretisiert werden und die Öffentlichkeit, die Behörden und die römische Kurie zu gegebener Zeit darüber informiert werden. Es gebe keine Gründe, warum Missbrauchsfälle unter das päpstliche Geheimnis fallen sollten, sagte Marx.

Vier Maßnahmen gefordert

Insgesamt müsse die Kirche vier Maßnahmen ergreifen: Vertraulichkeit und Geheimhaltung neu definieren, ihr Rechtssystem öffentlichen Standards anpassen, Zahlen und Einzelheiten zu Missbrauchsfällen öffentlich melden und gerichtliche Verfahren veröffentlichen. Fakten könnten Vertrauen stiften, betonte Marx.

"Institutionelles Misstrauen führt zu Verschwörungstheorien bezüglich einer Organisation und Legendenbildung über eine Organisation."

Papst Franziskus hatte die Konferenz am Donnerstag mit einem Ruf nach "konkreten und wirksamen Maßnahmen" gegen sexuellen Missbrauch eröffnet. Auf seine Einladung waren die 114 Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenzen weltweit nach Rom gereist. Sie sollen noch bis Sonntag über Konsequenzen aus den Missbrauchsskandalen in vielen Ländern beraten, welche die Kirche in den vergangenen Jahren zutiefst erschüttert haben. Österreich ist durch Kardinal Christoph Schönborn vertreten.

Kommentare (6)

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Solo1
1
5
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Was Jesus dazu sagen würde

"Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.
Wehe der Welt der Verführungen wegen! ...doch wehe dem Menschen, der zum Abfall verführt!"

" Matthäus 18:6-7

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gerbur
2
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@solo1

Dem Endzeitprediger hat man vieles angedichtet, aber auf eine "Kirche" wie diese hätte er gespuckt!

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CuiBono
4
8
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Seltsame Diskrepanz

Beim Kardinal Marx darf man berechtigt annehmen, dass ER seit Jahrzehnten aktiver Systemerhalter ist.

Es ist ja keiner davor gefeit, g'scheiter zu werden und zu einer "vernünftigen" Einstellung und Meinungsäußerung zu kommen, aber...
...hat man vom Kardinal Marx schon früher was in diese Richtung vernommen?

Falls nicht, halte ich seinen jetzt artikulierten "Aufreger" eher für einen Versuch, den jetzigen Oberhirten, der gegen die Sauereien erstmals richtig angeht, zu desavouieren.
Oder zumindest für einen schlechten Versuch in Form einer Flucht nach vorne, von eigenen Problemen abzulenken.

Ich bin überhaupt der Meinung, dass JEDER, der noch immer aktiv in der katholischen Kirche als "Seelsorger" arbeitet, ein Beitragstäter ist.
Die Probleme waren und sind seit Jahrzehnten bekannt.
WAS ist geschehen, WAS wurde konkret unternommen - in all der Zeit?

Nichts.
Schweigen.
Das große Schweigen - nicht der Lämmer, die haben immer wieder auf die schrecklichen Widerfahrungen hin gewiesen - nein, das große Schweigen der Mitläufer.
Beitragstäter durch Schweigen und Wegschauen.

Pfui und tausendmal - nicht scheinheiliges müffelndes VergeltsGott - sondern schlicht und einfaches Pfui!

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pinsel1954
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Der "heilige Schein" der kirchlichen "Würdenträger" musste bewahrt werden.....

......wie es den Opfern geht war der "heiligen röm. kath. Kirche" wohl immer egal. Einfach ein sehr christliches Verhalten.

Ich bin sehr froh diesen Verein schon vor Jahren verlassen zu haben, schließlich möchte ich diese Taten nicht mit meinen "Beitrag" unterstützen. Das wäre ja eine Form von Mittäterschaft.

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3770000
7
20
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Ist schon mal ein Staatsanwalt auf die Idee gekommen...

... zu überprüfen, inwieferne die katholische Kirche den Tatbestand einer verbrecherischen Organisation erfüllt? Verschweigen und vertuschen- und das international? Täter decken und verstecken, Opfer angreifen und unglaubwürdig machen? Staatliche Strafverfolgung mit Order eines Staatsoberhauptes ("päpstliches Geheimnis" !) verhindern, Beweise vernichten und und und... Ich denke nicht. Traut sich halt niemand. Bananenrepublik.

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gerbur
9
20
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Vertrauen? Ich lach mich kaputt!

Ich glaub denen nicht einmal ihre " Botschaft". Für einen Menschen des 21. Jahrhunderts sind die Dogmen diesr " Kirche" einfach nur für den Müll!

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