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Missbrauch Dunkle Schatten über Papst-Besuch in Irland

Seit fast 40 Jahren kam kein katholisches Kirchenoberhaupt mehr in das Land, in dem in den vergangenen Jahrzehnten massiv Kinder und Frauen von Priestern und Ordensschwestern missbraucht wurden.

Papst Franziskus
Papst Franziskus © APA/AFP/VINCENZO PINTO
 

Es sind gemischte Gefühle, mit denen Papst Franziskus am Wochenende in Irland empfangen wird. Seit fast 40 Jahren kam kein katholisches Kirchenoberhaupt mehr in das Land, in dem in den vergangenen Jahrzehnten massiv Kinder und Frauen von Priestern und Ordensschwestern missbraucht wurden.

Beim Besuch des Argentiniers soll das Thema Familie im Mittelpunkt stehen, bekräftigt der Vatikan vor der zweitägigen Reise, die am Samstag beginnt. Doch um das Thema Missbrauch wird der Pontifex während des Weltfamilientreffens nicht herumkommen. Viele Iren kritisieren, dass die Kirche in den vergangenen Jahren die Missbrauchsskandale im Land nicht konsequent verfolgt habe. Im Gegenteil: Sie werfen dem Vatikan sogar Verschleierung vor. Wenige Tage vor dem Besuch entschließt sich der Papst zu einem ungewöhnlichen Zug und richtet ein ausführliches Schreiben an das "Volk Gottes", die 1,3 Milliarden Katholiken in aller Welt. Darin räumt er ein, was die Kritiker sagen: dass die Kirche die Opfer lange ignoriert hat.

Mangelnde Kooperation

In Irland hat die Kirche viel Glaubwürdigkeit verspielt. "Der Papst kann unmöglich hierherkommen und all das ignorieren", sagt Marie Collins der Deutschen Presse-Agentur. Die Irin war selbst Missbrauchsopfer und bis vergangenes Jahr Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. Ihr Austritt war ein herber Rückschlag für den Papst im Kampf gegen Kindesmissbrauch: Als Grund nannte Collins "Frustration" über die mangelnde Kooperation der Behörden der römischen Kurie mit dem Gremium.

Es gebe viele Menschen, die sich auf den Besuch des Papstes freuen, sagt Collins. Aber es gebe auch eine Menge Wut, die sich gegen die Kirche als Institution, weniger gegen Franziskus persönlich richte. "Er hat die richtigen Dinge gesagt, er hat die richtige Haltung gezeigt", sagt Collins. "Aber bisher ist das einzige, was passiert, wenn einem Bischof oder einem Kirchenoberen Kindesmissbrauch nachgewiesen wird, dass er zum Rücktritt aufgefordert wird." Der Papst müsse etwas weit Konkreteres tun als das. "Er muss diese Männer zur Verantwortung ziehen. Er muss ein System einsetzen, das sie vor Gericht stellt", fordert Collins. Indem die Kirche versucht habe, ihre Reputation zu schützen, habe sie diese zerstört.

Klare Worte erwünscht

Auch Erzbischof Diarmuid Martin als Gastgeber wünscht sich, dass Papst Franziskus klare Worte bei seinem Besuch spricht und sich mit Opfern trifft. Eine Begegnung mit Betroffenen ist vorgesehen, bestätigte der Vatikan am Dienstag. Martin sagt, das Thema sei nicht Kirchengeschichte, sondern bewege die Iren noch heute - und weitere Skandale würden aufgedeckt wie etwa die schlechte Behandlung von "gefallenen Frauen", wie uneheliche Mütter bezeichnet wurden, und Kindern in Heimen. "Die Wunden sind da, und es entstehen neue Wunden", sagte der Erzbischof von Dublin in Interviews und Gottesdiensten.

Untersuchungsberichte hatten die jahrzehntelangen Missstände in Irland dokumentiert: den tausendfachen Missbrauch an Kindern durch Priester und Ordensschwestern ebenso wie die systematische Vertuschung der Straftaten. Auch Kardinal Sean Brady, damals Oberhaupt der katholischen Kirche in Irland, verschleierte Sexualdelikte von Priestern in Kinderheimen. Doch statt um Vergebung zu bitten, prangerte Brady 2010 von der Kanzel herunter einen Mangel an Toleranz des Volkes gegenüber sündigen Kirchenvertretern an.

Der Vatikan zeigte sich bestürzt und wies Vertuschungsvorwürfe zurück. Immer neue Fälle aus der dunklen Kirchengeschichte kamen ans Tageslicht - etwa die Missstände in den Magdalenen-Wäschereien. In den Betrieben ließen Nonnen und Priester viele uneheliche Mütter wie Sklavinnen schuften. Dort lebten zwischen 1922 und 1996 mehr als 10.000 Frauen.

Kein Einzelfall

Und Irland ist kein Einzelfall, wie die Missbrauchsskandale in Australien oder Chile sowie ein kürzlich veröffentlichter Bericht aus Pennsylvania zeigen. Demzufolge haben sich mehr als 300 Priester in den vergangenen 70 Jahren an Tausenden Kindern in dem US-Bundesstaat vergangen.

Während sich die Kirche schwer tut mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, hat sich Irland von seinem erzkonservativen Image befreit. Erst im vergangenen Mai stimmten die Iren für eine Lockerung des extrem strengen Abtreibungsverbots. Selbst nach Vergewaltigung, Inzest oder bei einem kranken Fötus war ein Abbruch bisher untersagt. Tausende Frauen reisten für Abtreibungen ins Ausland. "Eine stille Revolution hat stattgefunden, ein großartiger Akt von Demokratie", twitterte nach der Abstimmung Premierminister Leo Varadkar.

Der Regierungschef bekennt sich zu seiner Homosexualität. Irland hatte 2015 die Homo-Ehe eingeführt - als erstes Land der Welt per Volksentscheid. Noch bis 1993 stand Homosexualität dort unter Strafe.

Das Weltfamilientreffen (21.8. bis 26.8) als Forum für Christen und Familienverbände wird angesichts der Skandale kein Routinetermin für den Papst sein. Der Besuch komme zu einer Zeit, in der die Kirche "darum kämpft, einen neuen Platz in der irischen Gesellschaft und Kultur zu finden; einen, der sich von der dominanten Stellung der Vergangenheit unterscheidet", so Erzbischof Martin vor Journalisten.

Die Veranstaltung findet alle drei Jahre an einem anderen Ort statt, dieses Mal mit Zehntausenden Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern. Franziskus will an zwei Tagen ein "Fest der Familien" in Dublin, eine Unterkunft für Obdachlose sowie das Wallfahrtsheiligtum Knock Shrine in Westirland besuchen. In Dublin ist seine Abschlussmesse geplant.

 

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Kommentare (2)

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duerni
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Die Verlogenheit.....

…. von manchen Vertretern der Religionsgemeinschaften ist grenzenlos. Unter der Vorwand, die absolute Wahrheit zu kennen, maßen sich diese Menschen an, über dem Recht zu stehen. Ja es gibt Ordensangehörige, die der Menschheit dienen und das ist gut so, denn jeder Mensch ist gehalten zu arbeiten und ein erfülltes leben anzustreben. Aber jene Vertreter einer Religion, die im Gebet und gleichzeitigem Missbrauch Abhängiger ihre Existenz sehen gehören vor ein irdisches Gericht. Das sollte auch der oberste Kirchenvertreter endlich einsehen und danach handeln. Und Verjährung ist dabei unzulässig.
Den selbstherrlichen Religionsfanatikern sei gesagt:
Nach einer Vergewaltigung oder dem Wissen einen missgebildeten Menschen zu gebären muss es das Recht jeder Frau sein, dies selbst zu entscheiden. Keiner von euch weltfremden Fanatikern darf über andere Menschen entscheiden und das kann der immer zitierte "gütige Gott" auch gar nicht wollen. Punktum!

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"Eine stille Revolution hat stattgefunden, ein großartiger Akt von Demokratie"

-- Endlich dürfen Kinder im Mutterleib nach Belieben getötet werden!

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